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Good-News

Tweets bloss per Gedankensteuerung verschicken – er hat's getan

Einen Tweet verschicken, ohne dafür eine Computertaste zu drücken oder etwas zu sagen? Das geht! Ein gelähmter Australier hat mithilfe eines Implantats als erster per Gedankensteuerung einen Tweet geteilt.
30.12.2021, 05:1830.12.2021, 12:37

Nachdem ihm ein Chip ins Hirn implantiert wurde, postete ein gelähmter Mann zum ersten Mal einen Tweet, in dem er nur seine Gedanken dafür nutzte.

«Hallo Welt! Kurzer Tweet. Monumentaler Fortschritt.»

Beim Mann handelt es sich um den 62-jährigen Australier Philip O'Keefe der an ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) leidet. ALS ist eine nicht heilbare Erkrankung des motorischen Nevensystems, welche zu Muskelschwäche, Muskelschwund und Muskellähmung führt. Die Krankheit verläuft schwer und führt in der Regel innerhalb von drei bis fünf Jahren zum Tod.

O'Keefes Gesundheit verschlechterte sich im April 2020 so sehr, dass er nicht mehr in der Lage war zu arbeiten oder selbständig Dinge zu unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt wurde ihm ein sogenanntes Stentrode-Gerät implantiert. Entwickelt wurde die Technologie vom Neurotech Startup-Unternehmen Synchron.

Um eine invasive Gehirnoperation zu vermeiden, wurde ihm das Implantat durch eine Halsvene eingeführt. Seither kann er sich mit Angehörigen und Freunden per E-Mail austauschen, sowie simple Computerspiele wie Solitaire spielen.

Den Tweet verschickte O'Keefe am 23. Dezember über den Twitter-Account des Synchron-CEO Thomas Oxley, der den historischen Moment im Vorfeld ankündigte:

Danach teilte O'Keefe sieben Tweets – unter anderem auch diesen:

«Keine Tastenanschläge oder Stimmen nötig. Ich habe diesen Tweet nur durch meine Gedanken kreiert.»

In einer Pressemitteilung von Synchron zeigt sich O'Keefe beeindruckt von dieser Technologie, die ihm wieder etwas Unabhängigkeit zurückgegeben hat:

«Das System ist erstaunlich, es ist wie Fahrradfahren lernen – man braucht Übung, aber wenn es erst einmal läuft, fühlt es sich ganz natürlich an. Jetzt muss ich nur noch darüber nachdenken, wo ich auf dem Computer etwas anklicken will, und schon kann ich E-Mails schreiben, Bankgeschäfte erledigen, einkaufen und der Welt über Twitter Nachrichten schicken.»

Konkret funktioniert die Technologie so: Wenn O'Keefe ein Dokument öffnen oder auf einen Link auf dem Bildschirm klicken will, muss er sich vorstellen, wie er seinen linken Knöchel antippt. Diese Gehirnaktivität wird von den Sensoren im Implantat erfasst, welches sich in einem Blutgefäss im Hirn befindet. Über Geräte in seiner Brust werden diese Signale schliesslich mithilfe einer maschinellen Lernsoftware in einen Mausklick oder einen Zoom auf den Bildschirm umgewandelt.

Das Stentrode-Gerät erlaubt eine direkte Kommunikation zwischen dem menschlichen Gehirn und dem Computer, ohne dass dafür etwas getippt oder gesprochen werden muss.
Das Stentrode-Gerät erlaubt eine direkte Kommunikation zwischen dem menschlichen Gehirn und dem Computer, ohne dass dafür etwas getippt oder gesprochen werden muss.Bild: Journal of Neurointerventional Surgery

Das Implantat wurde bisher erst im Rahmen eines kleinen Tests bei drei Personen eingesetzt. Die erste grössere Studie mit BCI (brain computer interface – Gehirn-Computer-Schnittstelle) will Synchron im nächsten Jahr durchführen.

Nebst Synchron arbeitet unter anderem auch Elon Musks Unternehmen mit BCI-Technologien, welches ebenfalls Menschenversuche für das kommende Jahr plant. Gemäss Musk soll das ultimative Ziel dieser Technologie sein, mit fortgeschrittener künstlicher Intelligenz mithalten zu können. (saw)

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