«Krieg ist ein gutes Geschäft – investiere deinen Sohn!»: Helm-Kunst aus dem Vietnamkrieg
Vielleicht kennt ihr es vom Filmplakat zu Stanley Kubricks «Full Metal Jacket» (1987).
Oder Musik-Nerds kennen eventuell das Albumcover von «Meat Is Murder» (1985) von The Smiths:
Die Rede ist von helmet art (auch: helmet graffiti) – Helmkunst. Und ja, es ist ein historischer Fakt.
Mitten im Chaos des Vietnamkriegs begannen amerikanische Soldaten, ihre Helme mit Slogans und Zeichnungen zu verzieren.
Obwohl eigentlich ein Verstoss gegen die militärische Kleiderordnung, wurde die Praxis von den Offizieren meist toleriert – in der Hoffnung, so die strapazierte Kampfmoral zu stützen.
Für die US-Truppen vor Ort war Vietnam eine tropische Hölle, in der ein – meist unsichtbarer – Feind in Gestalt des Vietcong jederzeit und überall zuschlagen konnte.
Unfreiwillig eingezogene Wehrpflichtige wurden in einen brutalen, asymmetrischen Zermürbungskrieg geworfen, während Politik und Militärführung es versäumten, die notwendigen Lehren aus früheren US-Kriegen zu ziehen.
Das Fehlen klarer operativer Ziele und ein gesichtsloser Gegner, der kaum noch als Mensch wahrgenommen wurde, forderten ihren Tribut. Gepaart mit dem wachsenden Bewusstsein, dass vor allem die Kinder der Arbeiterklasse in diesen mörderischen Albtraum geschickt wurden, schlug die Stimmung bald in tiefe Frustration und Erschöpfung um.
Während die Jugend in der Heimat für ihre Selbstbestimmung stritt, begannen ihre Geschwister im Dschungel, ihre Helme als Leinwand zu nutzen. Einerseits als persönliches Ventil für Frust oder Angst. Andererseits im vollen Bewusstsein einer medialen Öffentlichkeit: In diesem ersten «Fernsehkrieg» der Geschichte wurden auf diese Weise die Gefühle des einfachen Soldaten sichtbar – von Patriotismus bis Protest, von Hoffnung bis Trauma.
Der Klassiker: Bereits 1965, also noch ganz am Anfang der aktiven Militärintervention der USA, wurde dieses Foto geschossen.
Hier einige Pragmatiker, die ihre Blutgruppe angeben:
Andere versuchen in ihrem Glauben Hoffnung zu schöpfen:
Wenn man derart knapp dem Tod entkommt, möchte man das Datum natürlich in Erinnerung behalten:
Und immer wieder: Galgenhumor hilft, den Horror zu überstehen.
Und (etwas näher):
Aufgenommen während eines Artillerieangriffs:
Galgenhumor kommt am besten, wenn er mit einer gehörigen Portion politischem Protest serviert wird:
Doch am meisten sehnt sich dieser Dschungelkämpfer nach ...
... sexueller Freiheit.
Der hier wohl auch:
Protest und der Wunsch nach Überleben:
«Gooks, geht nach Hause!»
«Geboren aus Versehen.»
Er hier will aber nur eins: Frieden.
Ein glücklicher Heimkehrer:
