Neue Studie: Konsum von Freizeitdrogen wirkt sich stark auf Schlaganfallrisiko aus
Der Konsum illegaler Drogen wie Kokain, Amphetamine oder Cannabis erhöht das Risiko für Schlaganfälle deutlich. Dies betrifft nicht nur ältere Menschen, sondern auch junge Erwachsene unter 55 Jahren.
Eine internationale Analyse von über 100 Millionen medizinischen Datensätzen zeigt, dass Konsumenten von Amphetaminen ein um 122 Prozent höheres Schlaganfallrisiko haben, Kokainkonsumenten um 96 Prozent und Cannabiskonsumenten um 37 Prozent im Vergleich zu Nichtkonsumenten. Für junge Erwachsene unter 55 Jahren verdreifacht Amphetaminkonsum das Risiko nahezu, während Kokain das Risiko um 97 Prozent und Cannabis um 14 Prozent erhöht.
Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-System
Dr. Megan Ritson von der University of Cambridge, Erstautorin der Studie, erklärt:
Die Mechanismen, über die Drogen das Schlaganfallrisiko erhöhen, sind vielfältig. Stimulanzien wie Amphetamine und Kokain können den Blutdruck stark ansteigen lassen und gleichzeitig die Blutgefässe im Gehirn verengen. Dadurch steigt das Risiko sowohl für Gefässverschlüsse als auch für Blutungen im Gehirn.
Kokain wird zudem mit einer beschleunigten Arteriosklerose in Verbindung gebracht, bei der sich Ablagerungen in den Arterien bilden und diese verhärten. Auch Cannabis kann die Gefässe verengen und möglicherweise die Bildung von Blutgerinnseln begünstigen. Diese Veränderungen erhöhen das Risiko sowohl für ischämische Schlaganfälle (durch Gefässblockaden) als auch für hämorrhagische Schlaganfälle, also Hirnblutungen.
Drogenkonsum offenbar direkt für höheres Risiko verantwortlich
Frühere Forschungsergebnisse hatten bereits Hinweise dafür geliefert, dass Drogenkonsum mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko verbunden sein könnte. In der aktuellen Studie überprüften die Forschenden gezielt, ob das höhere Risiko tatsächlich von den Substanzen selbst ausgeht oder ob andere Faktoren wie ein generell ungesünderer Lebensstil unter Drogenkonsumenten eine Rolle spielen.
Um diesen Zusammenhang genauer zu prüfen, nutzten die Forschenden zusätzlich genetische Daten. Sie untersuchten, ob Menschen mit einer genetischen Veranlagung für Substanzkonsum – also einer höheren Wahrscheinlichkeit, etwa Amphetamine, Kokain oder Cannabis zu konsumieren – auch häufiger Schlaganfälle erleiden.
Solche genetischen Analysen helfen, andere Einflussfaktoren besser auszuschliessen. Wenn ein Zusammenhang bereits auf genetischer Ebene sichtbar wird, spricht das dafür, dass die Substanzen selbst zum erhöhten Risiko beitragen und nicht nur Begleitfaktoren wie Rauchen, Ernährung oder andere Lebensstilunterschiede unter Konsumenten.
Weltweiter Drogenkonsum steigt
Die globale Zunahme des Drogenkonsums verschärft die Problematik. Laut UN-Drogenbericht konsumieren weltweit rund 300 Millionen Menschen regelmässig illegale Drogen. Davon nutzen etwa 228 Millionen Cannabis, 30 Millionen Amphetamine und 23 Millionen Kokain. (ear)
