wechselnd bewölkt
DE | FR
24
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Leben
International

Zu viele Antikörper oder wenig Cortisol – mögliche Long-Covid-Ursachen

Zu viele Antikörper oder zu wenig Cortisol – das sind mögliche Ursachen für Long Covid

Die Langzeiterkrankung Long Covid wird besser diagnostizierbar: Viele der Patienten haben zu wenig Cortisol im Blut. Das begünstigt andauernde Entzündungen im Körper.
28.11.2022, 05:24
Sabine Kuster / ch media

Dass die wenigsten Patienten mit Long Covid von den Krankenkassen Unterstützung erhalten und auch nicht von allen Ärztinnen und Ärzten ernst genommen werden, hat vor allem damit zu tun, dass es für die Krankheit noch keinen eindeutigen Marker im Blut gibt. Es existiert also kein sicherer Beweis, um die Krankheit zweifelsfrei zu diagnostizieren. Das ändert sich gerade.

long covid
Extreme Müdigkeit und Abgeschlagenheit sind möglich Long-Covid-Symptome.Bild: Shutterstock

Eine US-Studie um die Studienleiterin Akiko Iwasaki ergab schon im August, dass die Betroffenen nur ein rund halb so hohes Level an Cortisol im Blut haben, wie dies bei Gesunden der Fall ist. Das Hormon wird von den Nebennieren gebildet und hemmt im Körper Entzündungen. Ausgeschüttet wird es stärker morgens und am geringsten in den frühen Nachtstunden.

Anhaltender Stress und somit eine ständige Ausschüttung des Hormons könnte dazu führen, dass Cortisol seinen entzündungshemmenden Effekt aufs Immunsystem verliert und im Blut schliesslich in geringerer Menge nachweisbar ist.

Vor allem aber wird Cortisol bei Stress produziert. Griechische Forschende skizzieren nun in der neusten Ausgabe von «Clinical Immunology», wie Stress und Long Covid zusammenhängen könnten. Sie halten es für unwahrscheinlich, dass das Zusammenspiel von Nebennieren und Gehirn, die sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA), infolge der Coronainfektion aus der Balance gerät. Sie stützen sich dabei aber nur auf eine Studie mit 40 Personen, die an Corona starben und keine Zellschäden an den Nebennieren aufwiesen.

Die Autoren vermuten viel mehr, dass diese Achse schon vor der Infektion gestört war: Anhaltender Stress und somit eine ständige Ausschüttung des Hormons könnte dazu führen, dass Cortisol seinen entzündungshemmenden Effekt aufs Immunsystem verliert und im Blut schliesslich in geringerer Menge nachweisbar ist. Dabei ist das Hormon zumindest in der akuten Phase von Sars-CoV-2 normalerweise erhöht.

Bei einer Infektion wie mit Sars-CoV-2, die überall im Körper zu Entzündungen führen kann, wäre zu wenige Cortisol verheerend. Dazu passt eine Studie der amerikanischen Harvard T.H. Chan School of Public Health, die zeigte, dass psychologischer Stress vor der Infektion das Risiko für Long Covid deutlich erhöht.

Auffallend viele Berichte gibt es von betroffenen Leistungssportlern, aber auch von Müttern.

Ebenfalls passt zu dieser These, dass die Ärztinnen und Ärzte in den Long-Covid-Sprechstunden wie die deutsche Medizinerin Jördis Frommhold schon seit langem berichten, ihre Patientinnen und Patienten seien auffallend häufig Personen, welche privat wie auch beruflich viel von sich verlangen würden und einen ausgefüllten Terminkalender hätten. Auffallend viele Berichte gibt es von betroffenen Leistungssportlern, aber auch von Müttern.

Immunsystem kann zu stark auf ein anderes Coronavirus geprägt sein

Eine eher überraschende These für ein erhöhtes Risiko für Langzeitsymptome zeigte eine US-Studie über Rheumapatienten. Long-Covid-Betroffene hatten demnach weniger Antikörper gegen das Spike-Protein von Sars-CoV-2 im Blut – dafür aber mehr Antikörper gegen einen der harmlosen Coronavirus-Stämme, die als Erkältungsviren schon lange kursieren.

Die Forschenden mutmassen, dass eine starke Erinnerung des Immunsystems an ein altes Coronavirus verhindern kann, dass das Immunsystem spezifisch auf das neue Coronavirus reagiert. Dies ist die sogenannte «Antigen-Erbsünde», eine Prägung, durch die das Immunsystem zuerst auf schon bestehende ähnliche Antikörper zurückgreift.

So kann es zwar schneller reagieren, aber weder sehr spezifisch noch gelingt es ihm, viele neue, spezifische Antikörper herzustellen. Dieser Effekt könnte auch Schuld dafür sein, dass neue Coronaimpfstoffe nicht besser wirken: Das Immunsystem wurde durch drei vorangehende Impfungen stark auf das Wuhan-Ursprungsvirus geprägt. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

24 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
füdlibrötli
28.11.2022 07:26registriert Dezember 2021
…beide Theorien erscheinen mir sehr plausibel! Hoffentlich können sie bald belegt werden.
275
Melden
Zum Kommentar
24
Regisseur Marc Forster: «Ich würde gerne einmal etwas in der Schweiz drehen»
Der Regisseur erzählt im Gespräch, warum er in seinem neuen Film ausgerechnet den netten Tom Hanks als Grantler besetzt hat. Und er sagt, was es bräuchte, um einen Blockbuster wie «The Lord of the Rings» in den Schweizer Bergen zu drehen.

Sie sind in Deutschland geboren, als Kind in die Schweiz gezogen, dort im Internat gewesen und mit Anfang 20 in die USA ausgewandert. Was bedeutet Heimat für Sie? Wo fühlen Sie sich zu Hause?
Marc Forster: Meine ursprüngliche Heimat war Davos. Dort bin ich zur Grundschule gegangen, dort habe ich mich in die Berge und die Natur verliebt, dort aufzuwachsen, war ein Traum. Nach der Matura bin ich in die USA ausgewandert, war zuerst in New York, dann in Los Angeles. Ich habe Kalifornien wahnsinnig gerne, aber ich würde nicht sagen, dass das meine Heimat ist. Während ich Filme drehe, bin ich schliesslich meist woanders auf der Welt und nur zwei, drei Monate hier. Insofern sehe ich in meinem Herzen immer noch die Schweiz als Heimat an.​

Zur Story