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Trennungen in Hollywood: Die Expertin erklärt, was der Frühling bewirkt

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Das haben Frühlingsgefühle mit Trennungsschmerz zu tun

Megan Fox, Michelle Hunziker und Co. sind wieder single. Dabei beschert einem der anbrechende Frühling doch eher Schmetterlinge im Bauch, anstatt diese zu töten. Die Expertin Martina Rissi erklärt, was der Jahreszeitenwechsel mit unseren Beziehungen macht.
24.03.2024, 15:3224.03.2024, 16:15
Anna Böhler
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Wenn man in die Promiwelt schaut, könnte man meinen, es passiere gerade eine ganze Welle an Trennungen – wie nimmst du dies in deinem Arbeitsalltag wahr?
Martina Rissi:
Diese Welle gleicht langsam einem kleinen Tsunami – und dauert in meiner Beobachtung bereits seit mehreren Monaten an. Klassischerweise flacht diese um die Weihnachtstage und die Sommerferien jeweils etwas ab. Insofern hat die Januar-Trennungswelle wieder Fahrt aufgenommen und erreicht aktuell vermutlich wortwörtlich ihre Blütezeit.

Zur Person
Martina Rissi ist seit über zehn Jahren als psychosoziale Beraterin tätig und führt ihre eigene Praxis namens «Liebesagentur» in Zürich. Ihr Hauptthema sind Liebesbeziehungen – in der Partnerschaft und zu sich selbst.

Woran könnte das liegen?
Von den saisonalen Zyklen abgesehen befinden sich Beziehungen ganz allgemein in einem grossen Umbruch. Alte Strukturen haben ausgedient, neue möchten gefunden werden. Doch es ist noch nicht ganz klar, wie diese aussehen sollen. Die Menschen müssen sich neu orientieren, was ihre Beziehungsbedürfnisse und -führung angeht. In diesem grossen Umbruchprozess wird genauer hingeschaut und somit ersichtlich, was passt – und was eben nicht mehr.

Inwiefern haben vielleicht der kommende Frühling und die damit einhergehenden Frühlingsgefühle einen Einfluss auf Paare?
Wenn die Tage länger werden, alles blüht und erwacht, geschieht dasselbe mit unseren Lebensgeistern. Mehr Sonnenlicht führt in unserem Körper dazu, dass mehr Serotonin ausgeschüttet wird, welches uns aktiver, zuversichtlicher und mutiger macht für wichtige Entscheidungen. Zudem wurden saisonale Schwankungen bei unseren Sexualhormonen nachgewiesen, die übrigens beide Geschlechter betreffen und die Lust erhöhen – naturgemäss auch auf Neues.

Wie können sich Paare vor der Trennungswelle schützen und ihre Beziehung stärken, speziell in dieser Zeit?
Paare können sich nicht vor einer bestimmten Phase oder einem bestimmten Trend schützen. Wenn Grundmauern wackeln, stürzen diese sowieso früher oder später ein. In stabilen Liebesbeziehungen investiert man idealerweise frühzeitig, regelmässig und scheut sich auch nicht davor, in guten Zeiten Unangenehmes zu besprechen. Beziehungen sind nicht etwas Stabiles, sie sind in ständiger Bewegung und Entwicklung.

Martina Rissi, Beziehungsexpertin
Martina Rissi ist Expertin in Beziehungsfragen.Bild: zvg

Worauf kommt es denn an?
Darauf, dass man sich in der Beziehung immer wieder ehrlich begegnet, sich zeigt und versteht, dass eine glückliche Verbindung nicht vom Himmel fällt. Sie erfordert Investition und Selbstarbeit. Das ist für mich das A und O. Dafür lohnt sich eine Paarberatung auch nicht nur in der Krise.

Was soll man tun, wenn man merkt, dass man sich von anderen Menschen angezogen fühlt?
Davon ist niemand gefeit, und im Grundsatz ist das auch kein Problem. Das Problem entsteht erst, wenn man aus der Anziehung heraus handelt.

Wie kann man das vermeiden?
Wichtig ist, dass jeder sich überlegt, wie er mit solchen Situationen umgehen möchte. Und dies in der Beziehung auch so bespricht. Selbstverständlich können wir uns auch ohne triftigen Grund von anderen Menschen angezogen fühlen. Nicht selten beinhalten Gefühle für einen anderen Menschen jedoch eine Botschaft an uns selber. Um diese zu entschlüsseln, lohnen sich Fragen wie folgende: Was hat diese Person, was mir bei meinem Partner vielleicht fehlt? Wie glücklich bin ich derzeit in meiner Beziehung oder allgemein im Leben? Wie erfüllt ist meine Sexualität? Solche Gefühle sind ein toller Anlass zur Reflexion, die wiederum viel Gutes in die Liebesbeziehung bringen kann.

Wie reagiert man, wenn man merkt, dass der Partner «fremdflirtet»?
Idealerweise hat man die «Dos and Don'ts» in der Partnerschaft bereits besprochen. Also sollte einem klar sein, ob hier eine rote Linie überschritten wurde oder nicht. Wichtig dabei: Es gibt keine allgemeingültige Regel. Jedes Paar muss das für sich selber entscheiden.

Wie trennt man sich auf respektvolle Art und Weise?
Idealerweise kommt die Trennung nicht aus dem Nichts. Und wenn doch, stellt sich die Frage, wie intensiv sich das Paar davor mit der Beziehung auseinandergesetzt hat. Wenn Verbesserungsversuche nicht fruchten oder man spürt, dass das Liebesglück nicht zurückkehrt, ist es wichtig, dies offen, ehrlich und möglichst unmissverständlich auszudrücken. Und zwar in einem ruhigen und zugewandten Gespräch. Über die Umsetzung der Trennung sollen beide Partner gleichermassen mitreden dürfen. Hier lohnt sich auch eine Trennungsberatung – gerade, wenn Kinder involviert sind.

(anb)

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