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Kommentar

Das Tragischste an Staffel 8 von «GoT» ist das, was wir NICHT zu sehen bekamen

Die letzte Staffel der Serie polarisiert wie keine zuvor. In Folge 4 war jedoch das grösste Problem der überraschende Abbruch einer langersehnten Szene – warum?

Elisabeth Kochan / watson.de



«Game of Thrones» ist mittlerweile über 70 Episoden lang. In dieser Laufzeit hat die Serie das gesamte menschliche Gefühlsspektrum abgedeckt: Sowohl Charaktere als auch Zuschauer haben gelitten, gejubelt, geliebt, gehasst. Und obwohl der Kampf um den Eisernen Thron zu beachtlichen Teilen auf dem Schlachtfeld ausgetragen wird, geht es in «Game of Thrones» doch letztlich um... Gefühle.

Gefühle, die für ebenjene Intrigen, Lieb- und Feindschaften sorgen, die uns vor dem Bildschirm in ihren Bann ziehen. Soweit die Theorie. Fakt ist aber, dass Staffel 8 aktuell eine Schiene fährt, auf der wir scheinbar nicht mehr erwünscht sind.

Entscheidende emotionale Szenen finden plötzlich ohne uns statt.

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gif: Giphy

Ein überraschender Schnitt inmitten einer Szene fühlt sich an, als würde einem die Tür vor der Nase zugeknallt werden, und nie zuvor war das so auffällig wie in Folge 4 der achten Staffel. Diese Episode trägt ironischerweise den Titel «Die letzten Starks», doch dürfen wir das entscheidende Gespräch zwischen genau denen nicht mitansehen.

Worum es geht? Dazu kommen wir gleich. Wer die Folge allerdings noch nicht gesehen hat, sollte hier nun nicht mehr weiterlesen. +++ Spoiler direkt voraus! +++

Konkret geht es um diese Szene:

GoT

Bild: HBO

Zwei Folgen ist es inzwischen her, als Daenerys von Jons wahrer Identität erfuhr – und auch, dass er ihr Neffe ist und somit den stärkeren Thronanspruch hat. Sogar drei Folgen sind vergangen, seitdem Jon selbst von Sam die Wahrheit hörte. Und schon während dieses ersten Gespräches hatten wir doch alle nur eine Frage im Kopf:

Wie würden alle anderen diese Information verdauen?

Von diesen «allen anderen» erfuhr es erst einmal nur diejenige, die es wohl am meisten betraf: Daenerys. Deren Reaktion musste zwangsläufig erstmal kurz und knackig ausfallen, da die Schlacht um Winterfell direkt bevorstand. Seitdem hiess es warten. Darauf, dass Jon und Daenerys das Thema ihres Verwandtschaftsgrades erneut anschneiden werden – und darauf, dass der Rest der Familie eingeweiht wird.

Beides bekamen wir in dieser Folge jetzt serviert, doch wobei Ersteres schon wenig emotional ausfiel, wurde uns Zweiteres völlig vorenthalten – indem die Szene ein abruptes Ende nahm, nachdem Jon im Kreise seiner Geschwister/Cousins andeutete, er müsse ihnen etwas sagen. Und so kam es, dass der emotionale Moment von Jons Verkündung, er sei a) nicht ihr Bastard-Halbbruder, sondern Cousin und b) auch noch ein Targaryen, für uns mit einem banalen «Sag du's ihnen» von Jon an Bran vorzeitig ausgebremst wurde. CUT! Die Szene war zu Ende, bevor wir auch nur einen Blick auf Sansas und Aryas Reaktion erhaschen konnten.

Wir wissen nur, was danach geschah.

Obwohl Arya vor dem Schnitt noch lautstark verkündete, sie seien ja eine Familie, bewegte sie dieses Gespräch anscheinend dazu, Winterfell und seine Bewohner hinter sich zu lassen – möglicherweise für immer, wie sie gegenüber Sandor Clegane andeutet, als das wiedervereinte Dreamteam wenige Szenen darauf von dannen reitet. Und Sansa, die Jon geschworen hatte, das Geheimnis für sich zu behalten, reicht es direkt an Tyrion weiter – dessen Reaktion darauf uns übrigens ebenfalls mit einem gezielten Schnitt vorenthalten wird. Beide Schwestern hatten offensichtlich starke Reaktionen auf Jons Enthüllung. Schade, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als uns diese selbst zusammenzureimen.

Game of Thrones

Bild: HBO

Warum fühlt sich «Game of Thrones» momentan an wie Stille Post?

Sicher kann es zum Spannungsbogen beitragen, den Zuschauern wichtige Informationen und entscheidende Szenen zu verheimlichen, um deren Konsequenzen dann umso überraschender ins Spiel zu bringen. Und klar ist es aufregend, seiner Fantasie freien Lauf lassen und sich diese Szenen selbst ausmalen zu müssen. In einer Serie, die von Fan-Theorien und wilden Spekulationen lebt, wirkt diese «Wir überlassen es dem Zuschauer»-Taktik auch gar nicht so fehl am Platz – aber bitte doch nicht in der letzten Staffel, die ohnehin aufgrund ihrer nur sechs Folgen zeitlich stark begrenzt ist. Denn während man noch darüber nachdenkt, wie besagte Szene eventuell ausgegangen sein könnte, passiert in den vollgestopften Folgeminuten schon wieder so viel, von dem man vor lauter Ablenkung nicht alles mitbekommt. Aber Fantasie hin oder her...

Eine Szene, auf die wir seit Jahren hinfiebern, der Vorstellungskraft des Zuschauers zu überlassen, ist nicht nur gemein, sondern wirkt vor allem... faul.

Ja, das Schreiben einer solchen Unterhaltung ist sicher nicht einfach, und ja, auch die Schauspieler dürften dabei an ihre Grenzen stossen, diese emotionalen Reaktionen glaubwürdig abzuliefern. Aber haben wir uns diesen Aufwand nicht verdient? Vor allem, nachdem wir zwei Jahre auf diese Staffel gewartet haben?

Die ist nun allerdings, wie gesagt, beachtlich kurz ausgefallen. Sechs Episoden sind es insgesamt, und selbst bei einer Laufzeit von teilweise bis zu 80 Minuten ist es fast unmöglich, ein solches Epos in dieser kurzen Zeit würdig abzuschliessen. Abstriche sind unvermeidbar. Wenn allerdings wertvolle Minuten, die für Jons Enthüllung hätten verwendet werden können, stattdessen in Szenen fliessen wie die absurd feindselige Konfrontation zwischen Jaime, Tyrion und Bronn (der übrigens scheinbar einfach samt Armbrust in Winterfell hineinspazieren konnte?), muss man sich doch über die Prioritäten der Autoren wundern...

Was meint ihr? War es vertretbar, diese Szene auszulassen, oder hätten wir sie sehen sollen? Schreibt's in die Kommentare!

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