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Princess Nokia ist New Yorkerin durch und durch. Im März kommt sie nach Zürich. bild: Aaron Stathum/wikipedia

«Kleine Titten, fetter Bauch» – Princess Nokia zeigt, wie feministischer Queer-Rap geht

Princess Nokia irritiert. Sie ist eine afro-indigene, queere Rapperin, Feministin, eine, die sich nichts bieten lässt und in der New Yorker U-Bahn genauso austeilt, wie auf der Bühne. Im März tut sie dies in Zürich. Ihr dabei zuzuschauen, lohnt sich.



Princess Nokia? Noch nie gehört? Höchste Zeit, die junge Frau kennen zu lernen. Warum? Weil es im Hip Hop nicht viele gibt, die einerseits die Regeln dieses Genres perfekt beherrschen und gleichzeitig der Machokultur sehr erfolgreich ans Bein pissen – und weil sie im März ihr erstes grosses Konzert in der Deutschschweiz spielt.

Zu erklären, wer oder was Princess Nokia ist, ist nicht ganz einfach. Ihre Identität ist komplex, sie selbst bezeichnet sich als afro-indigene, queere Frau, als kreolische Hexe, Feministin und New Yorkerin. Ihre Musik ist ein Schmelztiegel all dieser Einflüsse, mal seichter Pop, mal Old School Hip-Hop, mal beinharter Rap, aber immer experimentell. In eine Schublade einordnen lässt sich Princess Nokia also definitiv nicht.

Die Geschichte von Destiny Frasqueri, so heisst Princess Nokia mit bürgerlichem Namen, beginnt dort, wo auch der Hip-Hop seine Wurzeln hat: in der Bronx, in New York. Die heute 27-Jährige ist die Tochter einer puerto-ricanischen Einwandererfamilie. Als sie zehn Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter an AIDS. Sie kommt in verschiedenen Pflegefamilien unter. Dort wird sie misshandelt, manchmal tauchte sie mit blau geschlagenem Gesicht in der Schule auf. In einer Kurz-Doku sagt sie: «Als ich 15 Jahre alt war, checkte ich, dass es nicht ok ist, ein Kind zu schlagen.» Mit 16 haut sie ab. «Ich hatte drei Dollars in meiner Tasche und 75 Prozent Batterie auf meinem Handy. Ich rannte aus dem Haus und kam nie wieder zurück. Und das war dann sozusagen der Start von Princess Nokia.»

Sie ist noch keine zwanzig Jahre alt als sie im New Yorker Underground aufzutreten beginnt. Unter dem Namen Wavy Spice produziert sie Club-Tracks wie «Versace Hottie» oder «Bitch, I'm Posh» und macht sich damit vor allem in der Gay-Szene der Stadt einen Namen.

Die Anfänge von Princess Nokia 2012, damals noch als Wavy Spice.

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Video: YouTube/Bvss Recordz

2014 bringt sie das Album «Metallic Butterfly» heraus auf dem sie afrikanische Trommeln mit schrägen Jazz-Melodien, Elektro-Synthesizer und Hip-Hop Beats kombiniert. In eine vollkommen andere Richtung geht sie mit «Honeysuckle», der Platte, die ein Jahr später erscheint. Darin taucht sie tief in die Welt des Souls und Blues ein.

Mit einem erneuten Stilwechsel erfolgt der internationale Durchbruch: 2017 erscheint das nach ihrem Geburtsjahr benannten Album «1992». Und da drin steckt alles, was die inzwischen gereifte Künstlerin Princess Nokia ausmacht: Bodypositivity, eine gehörige Portion Feminismus, viel New Yorker Strasse, pumpende Hip-Hop Beats und ein bisschen afroamerikanische Magie.

In ihrem Hit «Tomboy» rappt sie über ihre kleinen Brüste und den fetten Bauch, darüber, dass sie eben ein Tomboy sei, ein Mädchen, das sich nicht entsprechend der ihr zugeschriebenen Geschlechterrolle verhält. Im dazugehörigen Video lässt sie ihre Frauenclique in übergrossen Hoodies als Skateboard-Gang auffahren. Der Song wird zur Hymne eines Genres, an dessen Entstehung Princess Nokia massgeblich beteiligt ist: Queer Rap.

Sie tourt durch die USA, später durch Europa. Ihre Konzerte sollen ein Safe-Space für Frauen, Queers und Transpersonen sein. In einem Interview mit dem «New York Times Magazine» sagt sie, dass Rap-Shows normalerweise Orte seien, bei dem Männer vor der Bühne den grossen Macker raushängen lassen und die Frauen irgendwo hinten stehen. «Ich wollte das wirklich ändern. Also habe ich begonnen, Räume zu schaffen, in denen Frauen bei Hip-Hop-Shows nach vorne kommen und sich sicher fühlen können.»

Frasqueri ist nicht eine, die laut und wütend durch den Raum stampft und die Ungerechtigkeiten der Welt niederschreit. Vielmehr ist sie ein ruhiges, verspieltes Gemüt, das beobachtet und sich in Interviews lieber zurückhaltend abwartend gibt, anstatt vorpreschend. Was aber nicht heisst, dass sie nicht austeilen kann. Als sie in England bei einem Auftritt von einem Mann sexistisch beleidigt wird, steigt sie kurzerhand ins Publikum und verpasst ihm eine Ohrfeige. Danach beendet sie die Show. Einem Rassisten in der New Yorker Subway kippt sie nach einem mehrminütigen Disput ihre Suppe über den Kopf. Alles in allem macht sie klar, dass sie keine ist, die sich rumschupsen lässt. Geht ihr etwas gegen den Strich, kann sich auch anders.

Nach ihrem Erfolg mit «1992» überrascht Princess Nokia 2018 mit einem neuen Mixtape. Und wieder ist es so ganz anders, als alles, was die Rapperin davor gemacht hat. Mit «A Girl Cried Red» kehrt Frasqueri zurück zur Musik, die sie sich während ihrer Schulzeit angehört hat: Punkrock. Aber sie wäre nicht Princess Nokia, wenn sie das Genre nicht mit allerlei anderen Einflüssen kreuzen würde. Das Musikmagazin «Pitchfork» beschreibt das Ergebnis so: «Es ist ein Emo-Mixtape, das nicht nach Emo oder Rap und auch nicht nach Emo-Rap klingt. Vielmehr ist es so, als wären Pop-Punk und Cloud-Rap in einer plötzlichen Flut von Melancholie gefangen und gezwungen, sich einen Regenschirm zu teilen.» Auf dem Album-Cover trägt Frasqueri ein Sklipnot-Shirt.

Und nun kommt diese vielfältige, sich immer wieder neu erfindende und doch sich treu bleibende junge Frau auf Europatour. Und dieses Mal lässt sie die Schweiz auf ihrer Route nicht aus. Nachdem man bereits 2017 am Musikfestival Bad Bonn Kilbi ein kurzer Vorgeschmack auf ihre Bühnentauglichkeit erhielt, stemmt sie am 1. März im Zürcher Kulturhaus Dynamo erstmals eine eigene Show in der Deutschschweiz.

Mit im Gepäck hat sie zwei neue Singles, die andeuten, dass sie nach ihrem letzten musikalischen Ausbrecher zurück auf dem Pfad des geradlinigen Hip-Hop ist. In «Sugar Honey Iced Tea (S.H.I.T.)» rappt sie über ihre Hater, das Nachfolgewerk «Balenciaga» ist ein Liebesbrief an New Yorks Second-Hand-Läden und eine Kritik an überteuerter Luxusmode. Es ist ein Vorgeschmack auf das neue Album, das noch dieses Jahr erscheinen soll. Laut Princess Nokia soll es die beste Musik werden, die sie bisher gemacht hat.

Sugar Honey Iced Tea (S.H.I.T.)

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Video: YouTube/PrincessNokiaVEVO

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Steff la Cheffe: "Ja, ich bin eine Feministin. Punkt."

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