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Krasse Bilder von Umwelt-Protest-Kunst aus Kinshasa

Horror? Oder Kunst? Oder Protest? Oder alles zusammen?

01.08.2022, 18:02
Oliver Baroni
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Dies ist keine Szene aus einem Sci-Fi-Horror-Film:

Homo detritus - Stephan Glaudieu Académie des Beaux-Arts de Kinshasa Demokratische Republik Kongo kunst abfall mode
«Tire Man» vom Künstler Savant Noir ist eine der Performance-Kunstwerke, die gegen die jahrhundertelange Ausbeutung der natürlichen Ressourcen der Demokratischen Republik Kongo protestieren, unter anderem gegen die Entnahme von Kautschuk zur Herstellung von Autoreifen.Bild: Stephan Glaudieu

Dies ist ein Student der Académie des Beaux-Arts de Kinshasa in einem Kostüm, das er selbst entworfen hat. Und, ja, es ist komplett aus Abfall gefertigt.

Homo detritus - Stephan Glaudieu Académie des Beaux-Arts de Kinshasa Demokratische Republik Kongo kunst abfall mode
Der Künstler Kilomboshi Pape Noir als «Rubber Man» posiert in einem Industriegebiet von Kinshasa, in dem Wasser, Boden und Luft verschmutzt sind.Bild: Stephan Glaudieu

Es begann als subkulturelle Kunstbewegung: 2001 beschlossen einige Studenten der Académie, statt mit herkömmlichen Materialien mit dem, was einfach so in ihrer unmittelbaren Umgebung herumlag, Kunst zu schaffen: Reifen, Auspuffrohre, Schaumstoff, Plastikflaschen, Antennen, Dosen, Gummilatschen. Sprich, Abfall jeglicher Couleur.

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Kilomboshi Pape Noir hat Zigarettenabfälle in die Figur des «Butt Man» (‹Zigi-Stummel-Mann›) verwandelt, um daran zu erinnern, «dass die Kippe zwar sehr klein ist, aber dennoch sehr umweltschädlich – voller Giftstoffe wie Blei, Formaldehyd und Arsen».Bild: Stephan Glaudieu
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Bild: Stephan Glaudieu

Der Hintergrund: Die Demokratische Republik Kongo hat ein Abfallproblem. Da ist einerseits der von den Bewohnern vor Ort erzeugter Abfall. Dann die Abfälle, die dem Land von konsumfreudigen Nationen aufgezwungen werden. Oder die Abfälle, die durch die endlose Entnahme von Ressourcen aus der Erde oder durch das raubgierige Einsammeln derselben über dem Land entstehen.

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Mit der Herstellung einer Figur aus Autoteilen wollte Precy Numbi gegen die Millionen «Müllautos» (O-Ton Numbi) protestieren, die jedes Jahr nach Afrika importiert werden – gebrauchte Fahrzeuge, die das Wachstum der eigenen Autoindustrie auf dem Kontinent behindern.Bild: Stephan Glaudieu
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Bild: Stephan Glaudieu

In der Hauptstadt Kinshasa sind die Gassen voll mit nicht wiederverwertbaren Plastikflaschen. Die Märkte überquellen mit weggeworfenen Waren aus Europa, Nordamerika und – in zunehmendem Masse – China. In anderen Gebieten des riesigen Landens bauen internationale Unternehmen Kobalt ab – ein ungemein wichtiger Bestandteil von Smartphone-Batterien. Dies führt zu Verschmutzungen ganzer Flusssysteme und deren anliegenden Gebiete.

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«Flip-Flop Man» von Patrick Kitete thematisiert den Abbau von Gummi, aus dem weltweit billigste Schuhe hergestellt werden. Bild: Stephan Glaudieu
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«Mirror Man» ist ein Dandy in einem dreiteiligen Anzug. Laut dem Künstler Kitete ist «er ein Spiegelbild dessen, was der Westen dem Kongo angetan hat, und der Leben, die er zerstört hat.»Bild: Stephan Glaudieu

Mit ihren Kunstwerken und Kostümen aus Abfällen wollten die jungen Künstler die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf den anhaltenden Notfall lenken. Ndaku Ya La Vie Est Belle: So nannte, bewusst provokativ, der Künstler und Sozialaktivist Eddy Ekete sein 2015 gegründetes Künstlerkollektiv, das seit einigen Jahren das KinAct-Festival durchführt, ein jährliches internationales Schaufenster für ihre Kreationen.

Homo detritus - Stephan Glaudieu Académie des Beaux-Arts de Kinshasa Demokratische Republik Kongo kunst abfall mode
Bild: Stephan Glaudieu

Seit einigen Jahren porträtiert der französische Fotograf Stéphan Gladieu am KinAct-Festival die Künstler und ihre Kreationen. «Homo detritus» (Abfall-Mensch) heisst seine Bilder-Kollektion, die wir hier präsentieren dürfen.

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Bild: Stephan Glaudieu
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Bild: Stephan Glaudieu
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«Robot» von Jared Kalenga, das aus Radioteilen besteht, warnt vor Fehlinformationen in den Medien.Bild: Stephan Glaudieu
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Mvunzi Muteba Jr. erklärt, er habe seine Figur «Tin Can» entworfen, um das Bewusstsein der Afrikaner dafür zu schärfen, wie sich die Präsenz multinationaler Unternehmen auf Afrika auswirkt. Trotz des Reichtums des Kontinents, sagt er, «sind die Afrikaner immer noch arm. Sie erwarten Hilfe von Ausländern», aber er besteht darauf, dass multinationale Konzerne in Wirklichkeit nach Afrika kommen, «um zu stehlen, Konflikte zu schaffen und bewaffnete Gruppen zu finanzieren». Bild: Stephan Glaudieu
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Bild: Stephan Glaudieu
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Bild: Stephan Glaudieu
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Bild: Stephan Glaudieu
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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Cherimoya
01.08.2022 18:13registriert Juli 2022
Danke für diesen Beitrag, eine kreative Form des Protest, welche auf echte Probleme aufmerksam macht. Kunst, die aufrüttelt und hoffentlich etwas bewegt.
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Etzsegiglichöpis
01.08.2022 20:25registriert September 2020
Guter Beitrag. Im ganzen Horror der ihnen zugemutet wird und durch die Kunstwerke veranschaulicht, fühle ich doch etwas Hoffnung in der Kreativität.
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