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epa05351074 A handout picture made available by the XL Catlin Seaview Survey on 08 June 2016 shows the aftermath of the bleaching event at Lizard Island, on the Great Barrier Reef, off Queensland's coast, Australia, 14 May 2016. According to World Wildlife Fund (WWF) Australia the pictures were taken at Lizard Island, the 'ground zero' of a mass bleaching event that has killed an estimated 22 percent of the reef's corals. The Great Barrier Reef is the world's largest coral reef system.  EPA/XL CATLIN SEAVIEW SURVEY AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Immer mehr Riffe weltweit sehen so aus. Bild: EPA/AAP/XL CATLIN SEAVIEW SURVEY

Was bringt es überhaupt, Riffe zu schützen? Jetzt gibt es eine Antwort



Seit Jahrzehnten sterben weltweit immer mehr Korallenriffe ab. Alleine in den letzten fünf Jahren gab es in Teilen des bekannten Great Barrier Reef drei Korallenbleichen. Bei diesem Ereignis bleichen Steinkorallen aus, was anschliessend zu deren Absterben führen kann.

Für die Weltmeere ist das verheerend, denn mit jeder Koralle, die abstirbt, rücken wir dem Zusammenbruch des Ökosystems einen Schritt näher. Dass dies schlussendlich auch den Menschen betreffen wird, ist eigentlich kein Geheimnis.

Daher gibt es schon länger Bemühungen, Korallenriffe weltweit vor dem Absterben zu bewahren. Ziel ist es, nicht nur die Korallenriffe zu erhalten, sondern auch den Lebensunterhalt der lokalen Bevölkerung. Diese ist von einem gesunden Korallenriff mit vielen Fischen direkt abhängig. Riff-Management soll nun in vielen Teilen der Welt Besserung bringen und die Korallenriffe erhalten.

epa05900632 An undated handout photo made available by the Arc Centre of Excellence for Coral Reef Studies on 10 April 2017 shows the bleaching damage on the corals of the Great Barrier Reef, Queensland, Australia. Recent aerial surveys by the Australian Research Council's Centre of Excellence for Coral Reef Studies has revealed only the southern third of the Great Barrier Reef has escaped unscathed from coral bleaching. Back-to-back bleaching has killed huge tracts of the reef, the Council said.  EPA/GREG TORDA/ARC CENTRE CORAL REEF STUDIES HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

So sieht Korallenbleiche aus. Bild: EPA/ARC CENTRE CORAL REEF STUDIES

Die grosse Frage: Was bringt Riff-Management?

Das klingt natürlich alles schön und gut, doch gibt es bisher ein Problem: Über den Kontext, wie die unterschiedlichen Instrumente des Riff-Managements genau helfen können, verschiedene ökologische und soziale Ziele zu erreichen, ist nur wenig bekannt.

Im Moment ist nur schwer abzuschätzen, ob unter dem menschlichen Druck überhaupt kombinierte Lösungen für Fischerei, Artenvielfalt und ökologischer Funktion gefunden werden können. Verstünde man aber den Kontext, könnten bereits kleine Veränderungen dafür sorgen, dass diese Ziele greifbarer werden.

epa05136297 An undated handout picture made available by Australia's James Cook University (JCU) on 31 January 2016 shows marine life in the Great Barrier Reef, in the Coral Sea, off the coast of Queensland, Australia. A survey made by JCU researchers has found that more than three quarters of Australians feel the Great Barrier Reef, the world's largest coral reef system, is part of their national identity.  EPA/JAMES COOK UNIVERSITY AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY

Wie ein Riff eigentlich aussehen sollte. Bild: EPA/AAP/JAMES COOK UNIVERSITY

Wissenschaftler haben nun genau diese Problematik in Angriff genommen. Für die Studie haben die Forscher Daten von 1800 Korallenriffen weltweit gesammelt und ausgewertet. Das Ergebnis wurde im Wissenschaftsmagazin «Science» publiziert.

Für die Untersuchung wurden die Riffe anhand von drei Kriterien beurteilt:

  1. Gesundheit der Rifffischerei: Dafür wurde schlicht die Masse der vorhandenen Fische berücksichtigt.
  2. Ökologische Gesundheit: Es wurde untersucht, ob Papageienfische wie üblich an den Korallenriffen weiden.
  3. Biodiversität: Dafür wurden zum einen die Arten als auch die Individuen berücksichtigt.
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Ein Papageienfisch am Sprey Reef in Australien. Bild: Wikipedia

Die Forscher kamen am Schluss ihrer Untersuchung zu einem eindeutigen Ergebnis:

Alle drei gemessenen Metriken tendieren dazu, sich zu verbessern, wenn Menschen einem Riff komplett fernbleiben.

Im ersten Moment erscheint das natürlich logisch und man fragt sich fast, für was es diese Studie nun eigentlich gebraucht hat. Die Erkenntnis, die diese Studie gebracht hat, liegt im Detail: Selbst wenn ein Riff durch ein Riff-Management-Programm regeneriert werden soll, hilft das nur bedingt.

Wir können Artenvielfalt nicht aktiv steigern

Mit Riff-Management-Programmen könne man allerhöchstens die ersten beiden Metriken verbessern. So könne man also nur das Erstarken der Fischerei und ökologische Funktion steigern. Die biologische Vielfalt hingegen lasse sich nicht durch aktives Zutun des Menschen zurückbringen. Das gehe nur schon nicht, weil gewisse Spezies, die es bräuchte, durch den Einfluss des Menschen verschwunden sind.

epa08284035 Fishes swim at the Gordon Reef site in the Red Sea, near Sharm El-Sheikh, Egypt, 10 March 2020. The reef is identified by the wreck of a cargo ship Loullia, that crashed there in 1981.  EPA/TATYANA ZENKOVICH

Das Gordon Reef im Roten Meer. Bild: EPA

Diese Studie trage dazu bei, die «kritische Lücke» zwischen der Art und Weise, wie wir Korallenriffe bewirtschaften, und dem tatsächlichen Erreichen von Nachhaltigkeitszielen zu schliessen, so die Wissenschaftler. Ausserdem gebe es uns Hinweise darauf, was die mit dem Riffschutz beauftragten Personen realistischerweise erreichen können.

Es gibt auch gute Nachrichten

Dass Riffe sich ohne menschlichen Einfluss trotz der Klimaerwärmung durchaus erholen könnten, zeigt eine Untersuchung von 2018. Damals entdeckten Forscher, dass die Umweltbedingungen einige Korallen des Great Barrier Reef dazu veranlassten, sich anzupassen.

Wissenschaftler aus den USA und Australien haben die Genetik der Korallen auf Bevölkerungsebene untersucht. Das überraschende Ergebnis: Einige Korallen wiesen genetische Mutationen auf, so dass sie wärmere Wassertemperaturen aushalten konnten.

epa04664429 (FILE) An undated handout image released by the Australian Institute for Marine Science (AIMS) on 02 October 2012, shows corals at North Keppel Island on the Great Barrier Reef in Queensland, Australia. The Australian government on 16 March 2015 outlined new draft federal laws to ban the dumping of dredged seabed in the Great Barrier Reef marine park, the site of the largest coral reef ecosystem on earth. Environmental Minister Greg Hunt said on ABC radio that the ban on capital dredging would cover present, future and pre-existing development proposals, he said. The Great Barrier Reef has been a UNESCO World Heritage Site since 1981. It is contained in the 345,000-square-kilometre marine park.  EPA/AIMS / HANDOUT AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY *** Local Caption *** 50925690

Bild: EPA/AUSTRALIAN INSTITUTE OF MARINE S

Eine ähnliche Studie von 2019 förderte sogar zutage, dass es auch Korallen gebe, die sich schlechterer Wasserqualität anpassten. Demnach habe man besonders robuste Korallen entdeckt, die Hitzewellen als auch zunehmend feindliches Wasser erstaunlich gut überstehen würden.

Dass sich diese Anpassungen in einem Zeitraum von hunderten und nicht tausenden Jahre abspielten, versetzte die Forscher in Erstaunen. Die Hoffnung ist nun, dass diese Robustheit sich in den nächsten 100 bis 250 Jahren unter den Korallen verbreiten wird. Dennoch ist dies keine Entwarnung, denn die Erde könne sich noch schneller verändern, wodurch die Korallen schlussendlich doch nicht mehr mithalten könnten.

Globale Erwärmung muss dringend reduziert werden

Meeresbiologin Jodie Rummer hatte die dritte Korallenbleiche, die sich in diesem Jahr im Great Barrier Reef ereignet hatte, untersucht. In ihrem Bericht, der am 18. März erschienen ist, schreibt sie, dass man unter anderem Temperaturen gemessen habe, die das Meer erst 2050 oder 2100 hätte erreichen sollen. Die Untersuchung habe einmal mehr aufgezeigt, wie die Menschheit unter dem Strich biologische Schäden verursacht habe.

Der Inselstaat Palau will mit einem Verbot bestimmter Sonnencremes seine Korallen schützen. Im Bild Korallem des Great Barrier Reef in Australien. (Themenbild)

Bild: EPA AAP/JAMES COOK UNIVERSITY

«Die Zukunft des Planeten, der Ozeane und des Great Barrier Reef liegt in unseren gemeinsamen Massnahmen zur Reduzierung der globalen Erwärmung», schreibt Rummer. «Was wir heute tun, wird bestimmen, wie das Great Barrier Reef morgen aussieht.»

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Der Friedhof der Korallen

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Der Friedhof der Korallen
quelle: epa/aap/arc centre of excellence / greg torda/arc centre of excellence for coral reef studies
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