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Was ist denn das? Etwa ein Koksloch? Nein, natürlich nicht. Wenn Natalie Portman so ernst schaut, ist es auch was Ernstes. Bild: ap/paramount pictures

Review

Was, Natalie Portmans Monster-Mission kommt nicht ins Kino? Nein, dafür auf Netflix!

Der Sci-Fi-Thriller «Annihilation» zeigt crazy Zellwucherungen und stellt interessante Fragen zum Thema Original versus Kopie. Oder so ähnlich. Den Studiobossen ist das zu schwierig fürs grosse Kino. Zum Glück gibt's da das kleine Heimkino.



Es gibt Dinge, die sollte man unterlassen. Wenn zum Beispiel jemand gut sichtbar eine Memory-Card findet, sollte er danach nicht sagen: «Oh, eine Memory-Card!» Und wenn da gut hörbar ein Geräusch ist, sollte nicht irgendwer sagen: «Ich hab Lärm gehört!» Früher, also ungefähr vorletztes Jahr, hätte man dazu noch gesagt: Typisch Schweizer Film (inzwischen ist der Schweizer Film zum Glück auch besser geworden).

Nun handelt es sich bei der geräuschvollen Memory-Card (es lohnt sich unbedingt, zu sehen, was drauf ist, eine Körperschnetzelei der gröberen Sorte nämlich) aber nicht um ein helvetisches Gadget, sondern um eins aus «Annihiliation» von Alex Garland. Und mit den Minikritteleien an der Dialogschreibung wär die negative Kritik an diesem Film, den Paramount zu anspruchsvoll für ein breites Publikum hält und ihn deshalb für die internationale Auswertung gleich an Netflix verkauft hat, eigentlich auch schon am Ende. 

Der Trailer

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Video: YouTube/Paramount Pictures

Auch wenn es Alex Garland («Ex Machina») kränkt, dass seine Arbeit nach einem zwei Jahre langen Zögern und zögerlichen Testen durch Paramount nun nur selten auf grossen Leinwänden zu sehen ist – der Film wird bei Netflix gut aufgehoben sein. Er wird dort durch allerlei algorithmische Magie punktgenau bei dem Publikum landen, das ihn zu schätzen weiss: Bei den Fans von «Black Mirror», «The OA», «Lost», «Arrival», «Blade Runner 2049» oder «Under the Dome». Meta-Science-Fiction und Mega-Fantasy, abgedrehte Wissenschaft und Meditation in gross gedachten Bildern. 

Von über 50 Männern, die sich hinter die Membran wagten, kam bloss einer zurück. Wie viele dieser 5 Frauen werden es wohl schaffen?  Bild: AP/Paramount Pictures

Wie in «Arrival», wo Amy Adams als Linguistin den Dialog mit Aliens suchte, spielt auch Natalie Portman in «Annihilation» eine Wissenschaftlerin. Lena ist Biologin mit Schwerpunkt Zellforschung. Zum Glück war sie mal im Militär. Das prädestiniert sie zu einem Einsatz hinter einer seltsamen Membran, dem sogenannten «Schimmer». Man muss ihn sich wie die oszillierende Oberfläche einer Seifenblase vorstellen, also sehr schön. Wer schon mal hinter den Schimmer gesehen hat, kommt nicht mehr zurück. Bis auf einen. Lenas Mann. Aber ist er wirklich noch ihr Mann?

Zusammen mit einem rein weiblichen Team unter der Führung der sinistren, todestriebgesteuerten Psychologin Dr. Ventress (Jennifer Jason Lee) bricht sie also auf – und gerät in eine üppig überbordende Sumpflandlandschaft. Seltsam reizende Fantasyrehe tragen dort blühende Geweihe auf dem Kopf. Bäume wachsen in Menschenform. Leichen werden von riesigen Pilzskulpturen auseinandergesprengt. Zähne und Blumen spriessen im Überfluss. Ein tumoröser Tumult.

Was war zuerst: Der Mensch oder das Gewächs? Bild: netflix

Alles hat ein gnadenlos übertriebenes Ausdrucksbedürfnis. Aber wie ist die Welt hinter dem Schimmer nur so fucking beautiful geworden? Bis zum Schluss geizt Garland nicht mit märchenhaften Kreationen. Es ist ein Zauber, schön und gefährlich, und Lena versucht ihn zu verstehen, sich ihm auszusetzen. Denn unter allem sieht sie die Zellen flüstern und wuchern, verrückte Spiegelungen und Kopien vornehmen. Und Zellen verstehen, das kann sie.

Irgendwann stehen wir vor den Fragen: Gibt es überhaupt einen wesentlichen Unterschied zwischen Kopie und Original? Was ist besser? Können Klone uns genau so glücklich machen wie andere Menschen? Und sind wir eigentlich das Individuum, für das wir uns halten? Oder wurde das unterwegs irgendwann ausgelöscht und ersetzt? «I don't think so» oder «I don't know» heisst es dann in «Annihilation». 

Josie (Tessa Thompson, l.) und Anya (Gina Rodriguez) kämpfen mit dem Ungeheuerlichen und Ungeheuern. Bild: AP/Paramount Pictures

Das ist insgesamt schon alles sehr trippig, aber wieso dies einem Kinopublikum nicht zumutbar sein soll, bleibt ein Rätsel. Schliesslich gibt es genug zu schauen, genug Action, und mit Natalie Portman einen Star, der kein Kassengift ist. Aber gut, das meinte Paramount wohl auch, als es «Mother!» mit Jennifer Lawrence aufs Kinopublikum losliess und dieses ausblieb (16'000 Zuschauer in der Schweiz). Gemacht übrigens von Darren Aronofsky, der Natalie Portman im Balletthorrorhit «Black Swan» (300'000 Zuschauer in der Schweiz) zum Oscar brachte.

Es gibt Rechnungen, die aufgehen, und andere, die man aufgeben muss. Und alles hängt immer irgendwie zusammen. Wie das wundersame Gewucher hinter dem Schimmer.

«Annihilation» läuft ab 12. März auf Netflix.

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23 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Flexon
07.03.2018 12:48registriert February 2014
Bitte Artikel mit Spoileralarm versehen.
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EMkaEL
07.03.2018 12:48registriert February 2015
War schon als must see fürs kino vorgemerkt. Jetzt geb ich ihn mir halt im home-cinema.. Auch gut. 😉
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