Die neue «Lucky Luke»-Serie kann leider gar nichts
Bei meinen Eltern zu Hause steht eine grosse Kiste, die bis oben gefüllt ist mit «Lucky Luke»-Comics. Als Kind habe ich die, gemeinsam mit den «Asterix»-Comics, immer und immer wieder durchgelesen. Es sind Bücher, die mich geprägt haben und auf die ich mit viel Nostalgie zurückschaue.
Umso überraschter war ich, zu erfahren, dass es seit Neuestem eine Realverfilmung über den Cowboy, der schneller als sein Schatten schiessen kann, auf Disney gibt. Es ist natürlich nicht die erste dieser Art, aber die erste Serie.
Buchvorlagen für eine Verfilmung gibt es genug. Seit 1946 wurden über 100 Bände der belgischen Comic-Reihe vom Künstlerduo Morris und René Goscinny veröffentlicht. Auf welchem Band die neue Serie basiert? Das weiss wohl diese französische Serie auch nicht so richtig. Denn diese zieht ihr eigenes Ding durch – ein Konzept, das in der Theorie eigentlich nicht schlecht tönt, aber praktisch halt doch nicht funktioniert.
Starten wir aber am Anfang: Lucky Luke (wird von Alban Lenoir gespielt) ist wieder einmal in ein Duell verwickelt. Doch weil er von einer Schlange gebissen wurde, sind seine Schiesskünste momentan nicht mehr so gut und er verfehlt sein Ziel ständig.
Er bekommt aber Hilfe: Heimlich schiesst eine junge Frau namens Louise und trifft Lukes Gegner. Sie ist hier, weil sie Lukes Hilfe braucht, und stellt ihm ein Ultimatum. Als Dank dafür, dass sie ihm das Leben gerettet hat, muss er ihr helfen, ihre mysteriös verschwundene Mutter zu finden.
Nach einigem Hin und Her reiten sie also gemeinsam los. Und stellen fest: Für die Rettungsaktion benötigen sie ausgerechnet die Hilfe von Joe Dalton. Dieser leidet aber unter Gedächtnisverlust und kann sich an nichts erinnern. Auch nicht, dass er eigentlich ein Schurke ist, der Leute ausraubt und Dinge in die Luft jagt.
Also machen sie das einzig Logische: eine Therapiestunde mitten im Wilden Westen, um sein Gedächtnis wiederherzustellen.
Und das ist eines der Probleme der Serie: Denn obwohl sie im Wilden Westen sind, machen die Charaktere immer wieder Witze und Anspielungen auf doch eher moderne Dinge wie Therapie und dass man mehr Hülsenfrüchte essen sollte.
Lucky Luke ist in dieser neuen Serie allerdings überraschenderweise nicht der unfehlbare Wildwestheld, sondern hat Ecken und Kanten.
Charme, Witz und Spannung – der «Lucky Luke»-Serie mangelt es an allem
Klar, einige Momente aus den Comics sind vorhanden, aber der Serie mangelt es an allem, was diese so grossartig gemacht hat.
Die Konversationen sind flach, Lucky Luke ist sehr viel älter, als Fans ihn von den Comics kennen, und auch an Spannung fehlt es gewaltig. Ausserdem springt die Handlung, zumindest in der ersten Folge, immer viel zu schnell hin und her.
Es gibt in dieser Serie nichts, wofür ich mich als Zuschauerin begeistern kann. Lucky Luke hat nicht einmal seinen ikonischen Strohhalm (früher war's noch eine Zigi). Und über die Darstellung der Schurkenbrüder Daltons wollen wir gar nicht erst sprechen.
Ein paar Anspielungen auf die Comicvorlage gibt es aber trotzdem. Neben den Daltons kommen auch Billy the Kid, Calamity Jane und die Journalistin Elizabeth Zee vor. Natürlich darf auch Lukes Pferd Jolly Jumper nicht fehlen.
Als Zuschauerin stelle ich mir hier wirklich die Frage: Wieso sollte ich mich für die Charaktere und die Geschichte interessieren? Absolut nichts an dieser Realverfilmung ist packend. Was wirklich schade ist, denn genügend ikonische Vorlagen hätten sie gehabt.
«Lucky Luke» ist ab dem 23. März 2026 auf Disney Plus verfügbar.
