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Der Rotmilan ist der drittgrösste Greifvogel der Schweiz. Trotzdem wird er Haustieren wie Hasen oder Katzen nicht gefährlich.
Der Rotmilan ist der drittgrösste Greifvogel der Schweiz. Trotzdem wird er Haustieren wie Hasen oder Katzen nicht gefährlich.
Bild: DPA-Zentralbild

Rotmilane erobern Schweizer Städte

11.10.2021, 14:2812.10.2021, 11:26

Nenne drei typische Stadtgeräusche!

  1. Das Kreischen des Trams
  2. Sirenengeheul eines fernen Einsatzwagens
  3. Das Rattern eines Dönermessers

Seit einiger Zeit mischt sich ein anderes Geräusch in den typischen Stadtlärm: «Fiüüüüü, fiüfiüfiü». Der Klang ist beinahe schwermütig – fast weinerlich. Es ist der Ruf des Rotmilans. Und das zurückhaltende Pfeifen passt so gar nicht zur Erscheinung des Vogels. Der Rotmilan ist nach dem Bartgeier und dem Steinadler der drittgrösste einheimische Greifvogel. Seine Flügelspannweite erstreckt sich bis zu 1,65 Meter. Majestätisch kreist er in der Luft – vermehrt auch in der Stadtluft, wie diverse Berichte aus Bern, Zürich und anderen Schweizer Städten zeigen. In Winterthur wurden 2016 bei einer stündigen Zählung gar mehr Rotmilane als Amseln gesichtet.

Bleibt die Frage, was den Rotmilan überhaupt in die Stadt treibt. Denn als eigentliches Habitat gibt Vogelwarte.ch «Kulturland» an.

Schweizweit hat die Population der Rotmilane in den letzten Jahren stark zugenommen. So stark, dass hiesige Tiere mittlerweile einen Zehntel des weltweiten Bestandes ausmachen. Über die Ursachen sind sich auch Ornithologen nicht ganz einig, denn im benachbarten Ausland sind die Zahlen rückläufig. Mildere Winter aufgrund des Klimawandels werden genannt. Viele Rotmilane ziehen nicht mehr in den Süden, sondern verbringen auch die kalten Monate hier in der Schweiz.

Ein Baum voller Rotmilane im Winter 2020 in der Schweiz.
Ein Baum voller Rotmilane im Winter 2020 in der Schweiz.
bild: twitter.com / @kocher_sandra

In einem Interview gegenüber dem SRF-Regionaljournal vermutet Jerry Holenstein, Präsident des Vorstandes von Birdlife St.Gallen, dass auch kurz geschnittenes Gras ein Grund darstellen könnte. Hiesige Bauern würden das Gras bis zu sechsmal pro Jahr schneiden – und damit bessere Bedingungen für die Greifvögel schaffen, Beute zu machen.

Damit lässt sich die Zunahme auf dem Land erklären – und in einem gewissen Grad, aufgrund der erhöhten statistischen Wahrscheinlichkeit, auch die der «Stadtmilane». Denn das Einzugsgebiet eines Vogels ist gross und reicht über den Stadtrand hinaus.

Doch die Stadt hat für die Vögel durchaus spezifische Anreize, wie Rolf Kunz, Präsident der Ornithologischen Gesellschaft Zürich, gegenüber watson erklärt: «Im Gegensatz zu anderen Greifvögeln frisst der Rotmilan neben Kleinsäugern auch Aas und Nahrungsmittelabfälle. Letzteres findet er vor allem in der Stadt. Die Bevölkerung ist von den Tieren meist fasziniert und stellt deshalb auch keine Gefahr dar.»

Diesen Eindruck bestätigt Roman Freitag vom Ornithologischen Verein Schwamendingen, wo Rotmilane mittlerweile täglich beobachtet werden können, und ergänzt: «Auch ist der Rotmilan nicht zu scheu für einen Abstecher in einen Garten. Es kann schon sein, dass mal ein Stück vom Grill wegkommt».

Und wie ist es umgekehrt? Müssen sich Katzen- oder Hasenhalter um ihre Lieblinge im Garten sorgen? «Nein!», stellt Kunz klar, «Rotmilane haben es höchstens auf Mäuse und Würmer abgesehen. Für grössere Beute sind andere Greifvögel zuständig. Uhus oder Habichte – das sind andere Jäger-Kaliber.»

Städter dürfen sich also ohne Bedenken über den Anblick der grossen Greifvögel freuen. Grünstadt-Zürich schreibt dazu: «Ihre Präsenz in der Stadt ist erwünscht. Als Aasfresser sind sie sehr nützlich. Letztlich zeugen sie auch immer von einem intakten Ökosystem.»

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Video: watson
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