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Aargau

Aargauer Regierung verwirft Deutschpflicht auf Pausenplätzen

Verstösst gegen Grundrechte: Aargau verwirft Deutschpflicht auf Pausenplätzen

23.06.2023, 11:17
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Auf den Pausenplätzen der 200 Aargauer Volksschulen sollen die Kinder und Jugendliche nicht zwingend Deutsch sprechen müssen. Die Regierung lehnt die Forderung der SVP nach einer kantonalen Regelung als Eingriff in die Sprachenfreiheit ab.

ARCHIVBILD ZUM ENTSCHEID DES BUNDESRATES GEGEN ZU HOHE ROAMING-TARIFE VORGEHEN ZU WOLLEN, AM DONNERSTAG, 7. SEPTEMBER 2017 - A group high school students use their smart phones on the schoolyard of th ...
Auf Aargauer Pausenplätzen darf weiter in jeder Sprache gesprochen werden.Bild: KEYSTONE

Den Schulen stehe es jedoch frei, Empfehlungen zur gewünschten Sprache auf dem Schulareal abzugeben, schrieb der Regierungsrat in seiner am Freitag veröffentlichten Stellungnahmen zu einer SVP-Motion und zu einer FDP-Interpellation. Empfehlungen seien aus rechtlicher Sicht zulässig und unproblematisch.

Schülerinnen und Schüler, die sich nicht an eine Empfehlung hielten, dürften nicht sanktioniert werden. Man vermöge ein öffentliches Interesse zu erkennen, den Sprachgebrauch auf dem Pausenplatz zu regeln.

Die Schule Reinach-Leimbach im ländlichen Wynental hat im vergangenen Herbst beschlossen, dass auf dem ganzen Schulareal nur noch Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch gesprochen werden darf. Die Schule zieht eine positive Bilanz.

Wegen Verfassung unzulässig

Eine Pflicht zur Verwendung der deutschen Sprache würde nach Ansicht des Regierungsrats im Wesentlichen in verfassungsmässig garantierte Grundrechte eingreifen, allen voran in die Sprachenfreiheit. Eine kantonale Regelung sei daher «unzulässig» und zudem «nicht zielführend». Das Erlernen der deutschen Sprache wäre mit Zwang und Strafe verbunden.

Es sei aber klar, dass der Erwerb genügender mündlicher und schriftlicher Deutschkenntnisse eine unabdingbare Grundlage für die erfolgreiche Integration in die Gesellschaft und Arbeitswelt sei, schrieb der Regierungsrat weiter. Es sei zu begrüssen, wenn die Schülerinnen und Schüler auf den Pausenplätzen untereinander möglichst oft die deutsche Sprache verwendeten.

Man setze alles daran, damit die Volksschule angesichts der wachsenden Heterogenität eine hohe Integrationsleistung erbringen könne. Die Förderung von fremdsprachigen Schülerinnen und Schülern sei eine wichtige Grundlage für die Integration und die Erhöhung der Chancengleichheit. Sie gehöre zum Grundauftrag der Volksschule. (sda)

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47 Kommentare
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Atavar
23.06.2023 11:40registriert März 2020
Hat die Vernunft sich doch durchgesetzt...
Nebst dem Grundrechtseingriff: wer hätte das überhaupt durchgesetzt? Aber darum ging es der SVP gar nicht. Es ging um reine Stimmungsmache - wie von den Populisten nicht anders zu erwarten.
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Overton Window
23.06.2023 11:36registriert August 2022
Ws soll sowas überhaupt. Dank dem Pausenplatz damals kann ich mich im Tessin und in Italien einigermassen durchschlagen 😉.
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Jeff Player
23.06.2023 15:44registriert Mai 2023
Wir kennen Länder, in denen Minderheiten nicht ihre Sprache sprechen dürfen. Wir nennen diese Länder rückschrittlich. Wir in der Schweiz mussten nun über dieses Thema diskutieren statt und um die wirklichen Probleme zu kümmern: Klimakrise, Altersarmut, explodierende Mietpreise, usw.
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