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Diese Möbel für das Asylheim in Wohlen werden aus Kroatien angeliefert.
Bild: az/faciovonarburg

Vetternwirtschaft im Asylwesen: Aargauer Politiker fordern lückenlose Aufklärung

Im Fall von Vetternwirtschaft im Aargauer Asylwesen fordern die Parteien von Links bis Rechts, dass die Finanzkommission die Beschaffung des Mobiliars genau unter die Lupe nimmt. In der Wahl der Worte gibt es aber doch Unterschiede bei den Politikern.

jörg meier / Aargauer Zeitung



Die Vetternwirtschaft bei der Beschaffung von Mobilien für Asylunterkünfte beschäftigt auch die Aargauer Politik. Allerdings werden bisher keine politischen Konsequenzen gefordert. Vielmehr wollen alle befragten Parteien zuerst das Ergebnis der Sonderprüfung der Finanzkommission abwarten.

Die Kroatien-Connection

«Diese Konstellation ist schon äusserst brisant», stellt Jean-Pierre Gallati, Fraktionspräsident der SVP, fest: «Ein kroatischer Fachbereichsleiter beim Kanton, eine kroatische Firmeninhaberin in Luzern, und die Möbel sind auch aus Kroatien. Gallati verlangt, dass die Angelegenheit ausgeleuchtet und aufgeklärt wird. «Interessant wäre auch zu wissen, ob da irgendwelche Provisionen geflossen sind», sagt Gallati weiter. Aber es sei müssig, über mögliche Konsequenzen zu diskutieren, bevor nicht alles aufgeklärt sei.

Alles muss auf den Tisch

FDP-Fraktionspräsident Bernhard Scholl fordert ebenfalls eine genaue Abklärung. «Es muss alles auf den Tisch. Ich erwarte eine detaillierte Offenlegung der Angelegenheit und Antworten auf alle Fragen.» Erst dann könne man entscheiden und sich über allfällige politische Konsequenzen äussern.

Auch Peter Voser möchte zuerst genau wissen, wie die Beschaffung im Detail abgelaufen ist. «Ich finde es richtig und gut, dass die Finanzkontrolle eingeschaltet wurde. So kann man der Sache neutral und losgelöst vom Departement auf den Grund gehen», sagt der CVP-Fraktionspräsident. Allfällige Konsequenzen macht auch Voser vom Ergebnis der Untersuchung abhängig.

«Das ist eine unschöne Geschichte», sagt Irene Kälin, Co-Fraktionspräsidentin der Grünen. Zwar sei vieles noch nicht klar. Es könnte auch alles in bester Absicht geschehen sein, räumt sie ein. «Es ist doch nur menschlich, dass man Leute beim Einkaufen berücksichtigt, die man kennt.» Vielleicht sei alles in der Hitze des Gefechts passiert; im Asylbereich sei der Druck auf die Angestellten enorm. Doch wie auch immer: Zuerst müsse man das Ergebnis der Untersuchung abwarten. «Ein politischer Aufschrei ist jetzt fehl am Platz.»

Dieter Egli, Co-Fraktionschef der SP argumentiert ähnlich. Auch er verwendet den Ausdruck «unschön». Vor Vetternwirtschaft sei kein Departement gefeit, sagt er. Es gelte nun konsequent alles aufzuklären. Bevor das nicht passiert sei, sei es auch nicht möglich, über allfällige politische Konsequenzen zu diskutieren.

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    Alle Leser-Kommentare
  • amore 26.01.2016 10:27
    Highlight Highlight Im globalisierten Kapitalismus ist dies die Norm. Schade, dass nur ein sehr kleiner Teil der Menschen profitieren kann. Nun spüren wir einmal wie es sich für afrikanische Bauern anfühlt, wenn die EU so günstige Poulets nach Afrika exportiert, dass die dort ansässigen Bauern mit dem Preis nicht mehr mithalten können. Was richtet diese wie eine Religion hochgepriesene globalisierte Weltwirtschaft noch an? Leider ist in nächster Zeit ein globales System, das für alle Marktteilnehmer gleiche Rahmenbedingungen setzt, um ein faires Wirtschaften zu garantieren, nicht in Sicht.
  • kliby 26.01.2016 08:36
    Highlight Highlight Wo ist das Problem? Möbel aus Kroatien, beschafft von Kroaten: Gelebte Willkommenskultur + günstig einkaufen ennet der Grenze.

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