Schweiz
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Gastrobetriebe machen nur 40 Prozent des Umsatzes und sehen schwarz



Une serveuse avec un masque porte des bieres sur un plateau aux clients de la terrasse des Grandes Roches sous les arches du Pont Bessieres lors de la crise du Coronavirus (Covid-19) le samedi 16 mai 2020 a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Bild: KEYSTONE

Drei von vier Restaurants in der Schweiz sind wieder offen. Ihre Umsätze nach dem Lockdown sind aber im Keller und liegen durchschnittlich 60 Prozent unter den Vorjahreswerten. Zwei von fünf Betrieben wissen nicht, ob sie im Juni noch offen bleiben können oder wollen.

Diese Befunde ergab eine Online-Umfrage des Branchenverbandes Gastrosuisse bei insgesamt 3172 Mitgliedern, wie er am Sonntag mitteilte. Der Verband spricht von erstmaligen verlässlichen Zahlen zur Wiedereröffnung unter den strengen Covid-19-Schutzauflagen.

Gemäss der Umfrage haben 3 von 4 befragten Betrieben ihr Lokal unter Auflagen wieder geöffnet, 12 Prozent hatten bereits vor dem 11. Mai offen, 9,1 Prozent planen die Wiedereröffnung später und 3,7 Prozent wollen erst öffnen, wenn wieder der Normalbetrieb möglich ist. Beinahe die Hälfte der Beherbergungsbetriebe ohne Restaurationsangebot ist noch geschlossen.

Laut der Umfrage gehen fast 9 von 10 Betrieben davon aus, dass sie einen Verlust erwirtschaften. Wie sich Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer in der Mitteilung zitieren lässt, liegen die Umsätze durchschnittlich 60 Prozent hinter den Vorjahreswerten.

Weniger Verluste in ländlicher Deutschschweiz

Den besten Umsatz generierten gemäss Umfrage bei den Restaurationsbetrieben ohne Beherbergung jene in den ländlich geprägten Deutschschweizer Kantonen. Schlechter lief es in stadtgeprägten Kantonen sowie in der lateinischen Schweiz. Die Hälfte der geöffneten Betriebe gab an, ihr Minderumsatz sei ausschliesslich den Corona-Auflagen geschuldet.

Die geltenden Auflagen seien derart einschränkend, dass rund 40 Prozent der befragten Betriebe nicht sicher seien, ob sie unter diesen Bedingungen offen bleiben könnten, so Platzer in der Mitteilung. «Ohne weitere Lockerungen müssen viele Lokale bereits im Juni wieder schliessen, weil die Öffnung sehr unrentabel ist.»

Vor allem in der Romandie droht gemäss den Ergebnissen der Umfrage im Juni eine zweite Schliessungswelle. Schweizweit immerhin 60 Prozent sind sich aber sicher, dass sie auch im Juni weiterhin offen halten wollen.

Erlebnis ermöglichen, Perspektiven geben

Wenn die Betriebe angesichts der garstigen Umstände trotzdem geöffnet haben, dann in erster Linie aus nicht-wirtschaftlichen Gründen. 56 Prozent der Befragten gaben an, sie möchten der Bevölkerung wieder das Gastronomieerlebnis ermöglichen und den Mitarbeitenden eine Perspektive geben. Knapp jeder dritte Betrieb hat aufgemacht, um keine Marktanteile zu verlieren oder weniger Verlust einzufahren.

Jene, die ihre Betriebe noch geschlossen halten, tun dies, weil sie einen wirtschaftlichen Betrieb als unmöglich erachten. Für etwa jeden zehnten gibt die fehlende Nachfrage den Ausschlag für das Zuwarten.

Grössere Gruppen, kleinere Abstände

Laut ist gemäss Umfrage insbesondere der Ruf an die Bundesbehörden nach geringeren Tischabständen und einer höheren Maximalzahl für Gästegruppen. Derzeit sind maximal 4 Personen pro Tisch erlaubt. Auch müsse das Verbot fallen, wonach sich Gästegruppen nicht vermischen dürfen. 35 bis 65 Prozent der Sitzplatzkapazitäten seien durch diese Schutzmassnahmen verloren gegangen, so Platzer.

Die Betriebe bewirteten in der ersten Woche nach dem Lockdown durchschnittlich knapp 38 Prozent der üblichen Gästezahl. Bei den allermeisten Betrieben fehlen zwischen 20 und 50 Prozent der Sitzplätze, die für einen rentablen Betrieb notwendig wären. 37 Prozent der Befragen haben bereits eine Bewilligung erhalten für die Erweiterung des Aussenbereichs.

Trotz den Mehrkosten, die das Schutzkonzept verursacht, haben die meisten Restaurationsbetriebe (87 Prozent) ihre Preise nicht angepasst und tragen die Mehrkosten damit selber.

Kaum willentliche Verstösse

Schliesslich ergab die Umfrage von Gastrosuisse auch, dass die Betriebe sich grossmehrheitlich an das Schutzkonzept halten. Willentliche Verstösse gebe es praktisch keine, heisst es in der Mitteilung. Jeder vierte Betrieb wurde in der ersten Woche bereits kontrolliert. Lediglich in zwei Fällen gab es eine Busse oder Anzeige.

Die Online-Befragung bei den Mitgliedern von Gastrosuisse wurde vom 19. bis 21. Mai durchgeführt. Sie betraf die Bezugsperiode vom 11. bis 18. Mai. Es antworteten 3172 Betriebe. (sda)

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Notra 25.05.2020 15:47
    Highlight Highlight Bundesrat: Wir lassen Euch nicht im Stich.
    Bundesrat: Ihr müsst solidarisch sein und Opfer erbringen.
    Bundesrat: Ihr müsst vernünftig sein!


    -------------


    Liebes Restaurant,

    sei so vernünftig und stirb also und zwar mit einem Lächeln! Meine Gedanken sind bei Dir.

    Dein Dich liebender Bundesrat

  • Octavius 24.05.2020 21:21
    Highlight Highlight Es war sowas von vorhersehbar.
  • Knety 24.05.2020 17:45
    Highlight Highlight Bei den Betrieben ist jetzt Innovation gefragt. Leider gibt es zu viele die bisher einfach liefen. Sei es aufgrund der Lage oder wegen fehlender Konkurrenz. Karten anpassen, take away, liefern, die Sääle und Sitzungsräume umdekorieren und dort Servieren. Ev. einen Foodtruck mieten, versuchen die Terrassen zu erweitern etc.
    Aber wie ich die Branche kenne, werden jetzt sicher Viele ihre Mitarbeiter versuchen auszupressen wo es nur geht.
    • P. Meier 24.05.2020 19:15
      Highlight Highlight Fragen an den Experten: take away - gute Idee, wer bedient dann im Haus? Wieso Sääle umdekorieren? Um danach für Sitzungen wieder alles rückgängig zu machen? Foodtruck wohin stellen? Terrasse erweitern ohne Baubewilligung? Vielen Dank für die Antworten
    • Knety 24.05.2020 19:37
      Highlight Highlight Take Away ist nicht gleich Lieferservice und bei nur 40% der Gäste sollte man genug Personal haben um auch einen Lieferservice zu stemmen. Sitzungen sind mit aktuellen Auflagen sowieso kein Thema. Und wenn doch, ja, dann dekoriert man halt um.
      Foodtrucks kann man an diversen Stellen positionieren, einfach mal bei der entsprechenden Gemeinden Nachfragen. Terrassen kann man auch ohne bauliche Massnahmen erweitern. Auch hier bei der Gemeinde nachfragen. Kreativität ist halt gefragt, aber daran hapert es wohl bei vielen.
    • Knety 24.05.2020 20:10
      Highlight Highlight Das ist übrigens nichts was ich mir aus den Fingern sauge. Der Betrieb meines Vertrauens macht das genau so. Plus, das kleine Sitzungszimmer wird als Homeoffice an Externe vermietet. Wenn im Saal ein Seminar stattfindet, wird auch umdekoriert um es dann für eine Sitzung rückgängig zu machen. Und stell dir vor, es funktioniert.
      Dort ist eben ein dynamisches, motiviertes Team am Werk mit einer « Packen wirs an » Mentalität.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Volv 24.05.2020 17:11
    Highlight Highlight Die guten Beizen sind voll.
    • Notra 25.05.2020 15:47
      Highlight Highlight Nein, das ist unmöglich wegen der Abstandsvorschriften.
  • Hitsch 24.05.2020 16:39
    Highlight Highlight Gastrosuisse lobbyiert mit der Meinung, dass es der böse Bundesrat ist, der die Kunden am kommen hindert.

    Vielleicht sind es aber auch die Gäste, die während des Lockdown merkten, dass man die komischen Geräte neben der Nespresso Maschine zum kochen verwenden kann und diese neuen Erkenntnisse, nun auch den Freunden präsentieren will. 🤔
  • PeteZahad 24.05.2020 16:27
    Highlight Highlight Ihr habt einen Typo im Titel, sollte es nicht "Gastrobetriebe machen nur 40 Prozent des Umsatzes und den Rest schwarz" heissen 😉
  • Nelson Muntz 24.05.2020 16:22
    Highlight Highlight Lieber Kurzarbeit und zu als sich ins Verderben chrampfen.
    • Satan Claws 25.05.2020 00:38
      Highlight Highlight Das ist laut Gastrosuisse an eine Bedingung geknüpft: "Ein geschlossener Betrieb hat auch nach dem 11. Mai 2020 Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung, wenn er aufzeigen (plausibel machen) kann, dass die Wiedereröffnung des Betriebs mit Verlusten verbunden wäre und zu einem erhöhten Risiko von Entlassungen oder einer definitiven Schliessung führen würde."
  • Wolk 24.05.2020 16:21
    Highlight Highlight Die Lust auf den Konsum ist uns etwas abhanden gekommen. Es gibt auch keine Bürgerpflicht, dass man dauernd konsumieren muss.
  • fools garden 24.05.2020 16:00
    Highlight Highlight Gastro, Event, Tourismo, und Sport werden das noch eine Weile spüren. Hier bei uns in Frankreich nehm ich mal an, wirds zudem ein Lädelisterben in den Städten geben, da diese durch die gelbwesten Proteste schon länger isoliert waren.
    Es wird noch zu unmengen von Einzelschicksalen kommen die durch jeden Raster fallen. Es ist unglaublich was sich hier abzeichnet.
  • Locutus70 24.05.2020 15:56
    Highlight Highlight Die letzten beiden Ausflüge haben wir uns eine Brotzeit mitgenommen. Sehr gesund und günstig.
    Also solange es nicht halbwegs normal zu geht, werde ich Restaurants und Beizen meiden.
    Diese Gängelei da ohne mich, da ess ich lieber zuhause.
  • Hierundjetzt 24.05.2020 15:02
    Highlight Highlight Gastrosuisse hat lobbyiert was das Zeug hält. Hat dem lieben Guy und dem lieben Ueli peinliche Mails geschrieben.

    Zürich und viele andere Kantonalverbände waren gegen eine Öffnung, weil die Kunden nicht kommen wollen.

    Aber nein, das musste jetzt vom „lieben Casimir“ ja durchgestiert werden.

    Jetzt ist der Schaden noch grösser 👏🏼👏🏼👏🏼
    • Locutus70 24.05.2020 16:23
      Highlight Highlight @Hierundjetzt - Naja die Alternative wäre wohl gewesen, erst wieder zu öffnen wenn ein Impfstoff da ist.

      Und das nun kaum Leute kommen liegt an der Angst- und Panikmacherei in den vergangenen Monaten und an den Gängeleien, die man als Gast da über sich ergehen lassen muss.
    • Hierundjetzt 24.05.2020 21:00
      Highlight Highlight Ok. Geh doch ohne Schutzkleidung in die Corona-Intensivstation im Unispital.

      Oh, warum den nicht? Ist doch nur Panikmache.

      Eben 😘
    • Locutus70 24.05.2020 22:10
      Highlight Highlight @Hierundjetzt - Es sind genau diese vollkommen unverhältnismäßigen Vergleiche, die viele Leute verrückt machen.
      Nochmal: Covid19 ist keine Grippe, es ist aber auch nicht so ansteckend wie die Masern und so tödlich wie Ebola!!!
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  • Peter R. 24.05.2020 14:43
    Highlight Highlight Sollten weitere Lockerungen in den Restaurants kommen, vor allem weniger Abstand, werde ich noch viel weniger dahin gehen. Da ist mir der Besuch nicht wert - mit dem Risiko angesteckt zu werden.
    • andy y 24.05.2020 15:14
      Highlight Highlight Ich empfehle ihnen ihren eigenen Keller, so für die nächsten 5 Jahre. Denn solange dürfte es noch mindestens dauern bis ein seriös getesteterImpfstoff vorhanden ist
    • Stinkstiefel 24.05.2020 15:20
      Highlight Highlight Was heisst noch viel weniger?
      Gehst du denn jetzt überhaupt?

      Falls nicht, dann ist deine Haltung zu dem Thema für die Beizen ziemlich irrelevant.

      Ich gehe hin, regelmässig. Und was ich so gesehen habe unterstreicht eher den Irrsinn des Schutzkonzepts als dessen Wirkung.
    • Heb dä Latz! 24.05.2020 15:20
      Highlight Highlight Es gab schon Leute die haben ihr halbes Leben in den Keller verlegt...
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