Schweiz
Armee

Kommunikationsprojekt: Armee hat erneut Probleme mit Israel-Firma Elbit

Noch ein Top-Projekt der Armee in Schieflage – wieder geht es um israelische Firma Elbit

Die Finanzkontrolle sieht bei der Beschaffung von Funkausrüstung in Höhe von 377 Millionen grosse Risiken und verlangt dringendst Klarheit. Die Lieferantin sorgte schon bei den Aufklärungsdrohnen für Probleme.
26.02.2026, 04:4026.02.2026, 04:40

Zwei Grossaufträge hat das Verteidigungsdepartement VBS dem israelischen Unternehmen Elbit erteilt. Zweimal kam beziehungsweise kommt es zu massiven Verzögerungen und technischen Problemen.

Die Kommunikationssysteme der Armee sind veraltet. Bei der Ablösung durch neues Material gibt es Probleme (Archivbild: Kaserne Jassbach, September 2018).
Die Kommunikationssysteme der Armee sind veraltet. Bei der Ablösung durch neues Material gibt es Probleme. (Archivbild)Bild: keystone

Weitgehend abgeschlossen ist die 2008 aufgegleiste Beschaffung von sechs Aufklärungsdrohnen des Typs Hermes. Diese hätten ursprünglich bis Ende 2020 geliefert und in Betrieb genommen werden sollen. Gemäss aktuellem Stand erfolgt die Lieferung aller sechs Drohnen bis Ende 2026, die vollständige Integration in die Luftwaffe bis Ende 2027.

Zu den Verzögerungen haben neben Lieferschwierigkeiten aufgrund der Covid-Pandemie und dem Krieg im Nahen Osten auch technisch anspruchsvolle Sonderwünsche beigetragen, die der israelische Hersteller Elbit nicht erfüllen konnte.

Zwischenzeitlich stand ein Abbruch der Beschaffung im Raum. Im Herbst 2025 einigten sich das Rüstungsamt Armasuisse und Elbit auf den Verzicht auf drei Funktionen, was zu operationellen Einschränkungen führt. Elbit übernimmt im Gegenzug zusätzliche Wartungsarbeiten. Bei weiteren Verzögerungen drohen der Firma zudem Konventionalstrafen.

Verzögerung um drei Jahre

Doch auch der zweite Grossauftrag des Verteidigungsdepartements an Elbit ist in Schieflage. Dies zeigt ein neuer Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK).

Es handelt sich um das Projekt «Ersatz mobile Kommunikation» im Rahmen des Projekts «Telekommunikation der Armee». Im Oktober 2019 erteilte das Rüstungsamt Armasuisse einen Beschaffungsauftrag mit einem Volumen von 377 Millionen Franken an Elbit. Gekauft werden sollen Funkgeräte, Bordverständigungsanlagen und Sprechgarnituren, um rund 1800 militärische Fahrzeuge auszurüsten.

Dass diese Beschaffung in der Klemme steckt, hat das Verteidigungsdepartement bereits selber eingeräumt. Wegen Problemen mit der Liefer- und Produktqualität steht das Projekt Telekommunikation der Armee seit Ende 2024 in der internen Beurteilung des VBS auf Rot, sprich ungenügend. Der ursprünglich auf Ende 2032 geplante Abschluss verzögert sich Stand heute um drei Jahre. Diese Einschätzung bestätigte das Verteidigungsdepartement vorletzte Woche.

Wie die Finanzkontrolleure des Bundes gestützt auf ihre im August und September 2025 durchgeführte Prüfung schreiben, konnten Risiken für weitere Verzögerungen in der Zusammenarbeit mit Elbit zwar reduziert, aber nicht beseitigt werden. Die Qualitätsprobleme beim Lieferanten seien immer noch nicht behoben. Gemäss der Finanzkontrolle drohen Mehraufwände mit entsprechenden Kosten.

Armee: Tests stimmen optimistisch

Die Finanzkontrolle warnt, dass es «dringendst belastbare Aussagen» brauche, um die Konsequenzen für andere Projekte abschätzen zu können. Denn die bei Elbit bestellten Kommunikationsgeräte sind ein wichtiger Bestandteil der Neuen Digitalisierungsplattform (NDP) und sollen einen robusten, resilienten Sensoren-, Nachrichten-, Führungs- und Wirkungsverbund (SNFW-Verbund) ermöglichen.

Vereinfacht ausgedrückt: Damit die Ablösung der veralteten Kommunikationsinfrastruktur der Armee und der zivilen Einsatzorganisationen klappt, braucht es rasch Klarheit bei der Elbit-Beschaffung.

Die Schlussbesprechung der EFK-Prüfung mit den Verantwortlichen von Armee, Verteidigungsdepartement und Armasuisse fand Anfang November statt. Seither gab es offenbar Fortschritte. Wie das Kommando Cyber in einer Notiz vom 9. Februar festhält, konnten die technischen Tests der Gerätschaften bis Ende 2025 erfolgreich abgeschlossen werden. Die Befunde liegen «innerhalb der zulässigen Toleranzen» und werden derzeit mit der Lieferantin Elbit bearbeitet. Noch bis Mitte März laufen weitere Tests unter Einsatzbedingungen.

Bis Ende März soll schliesslich über das weitere Vorgehen entschieden werden. Bereits jetzt fordert Elbit aufgrund der ausserordentlichen Teuerung zusätzlich 50 Millionen Franken. Diese Forderung müsste mit einem neuen Nachtrag zum bestehenden Beschaffungsvertrag geregelt werden. Affaire à suivre. (aargauerzeitung.ch)

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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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wideglide
26.02.2026 05:17registriert Oktober 2021
Nennt mir 1 Beschaffungsprojekt der Armee das in Bezug auf Termin, Kosten und Termin nicht in Schieflage ist oder war ... und nein - der Einkauf der Hellebarden für den Morgarten zählt nicht !
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Überdimensionierte Riesenshrimps aka Reaper
26.02.2026 05:27registriert Juni 2016
Bevor wir mehr Geld in die Armee Pumpen, sollen die mal den Laden in Griff kriegen.
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MRDL
26.02.2026 06:01registriert August 2020
Also nur zur Sicherheit: Elbit liefert ein weiteres Mal nicht pünktlich und nicht in der (hoffentlich vertraglich) vereinbarten Qualität und fordert nun schon mal 50 Mio mehr "wegen Teuerung"?

Und bis sie dann liefern im Jahr 2034 (oder ..40) nochmals ein paar Millionen oder wir verzichten halt (wie bei den Drohnen) auf 2, 3 verlangte und teuer bezahlte Funktionen..?

Das schleckt keine Geiss weg!
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