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Armee

Kampfjets auf der Autobahn: Diese grossen Militärübungen gab es früher

40'000 Militärangehörige: So pompös waren die grössten Militärübungen der letzten Jahre

Grosse Militärübungen sind schon länger aus der Mode gefallen, doch mit der heutigen Kampfjet-Landung auf der Autobahn erhalten sie wieder neuen Aufwind. Ein Rückblick auf die grössten Armeemanöver.
05.06.2024, 05:0005.06.2024, 13:25
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Zum ersten Mal seit 33 Jahren findet wieder eine Militärübung mit Kampfflugzeugen auf der Autobahn statt. Acht Kampfjets üben heute die Landung auf der Autobahn zwischen Avenches und Payerne.

Wie viele Soldaten und Soldatinnen dabei im Einsatz sind, ist nicht bekannt. 1991, bei der letzten Übung im Tessin, standen rund 600 Soldaten bereit. Im Vergleich zu anderen Armeemanövern ist diese Zahl aber relativ klein, wie ein Blick zurück zeigt.

2023 Militärübung «LUX 23»

Im Mai 2023 kam es zu einer Militärübung in den vier Kantonen Genf, Waadt, Neuenburg und Bern. Rund 4000 Miliz- und Berufsmilitärs trainierten im Rahmen der Militärübung «LUX 23» die Abwehr einer terroristischen und paramilitärischen Bedrohung.

Kritische Infrastrukturen wie der Flughafen Genf oder die Raffinerie in Cressier NE standen dabei im Mittelpunkt. Das Manöver, das über eine Woche dauerte, basiert auf einem Szenario, bei dem bewaffnete separatistische Milizen aus einer fiktiven Region Europas die Schweiz bedrohen.

Des soldats de l'armee suisse participe a un exercice a munitions reelles sur des cibles sur la place d'armes aux Pradieres, lors d'un exercice de l'armee suisse de grande ampleur, ...
«LUX 23»: Militärübung im Mai 2023. Bild: KEYSTONE

Die Übung war bereits seit mehreren Jahren geplant und aufgrund der jüngsten Ereignisse in der Ukraine und in Afrika angepasst worden, sagte damals Divisionär Mathias Tüscher.

2022 Militärübung «Pilum 22»

Noch mehr Armeeangehörige nahmen an der Militärübung ein Jahr zuvor teil. Rund 5000 Personen waren im November 2022 in fünf Kantonen an der grössten Militärübung seit 33 Jahren beteiligt.

Angehoerige der Schwerizer Armee fahren in Militaerfahrzeugen an der Truppenuebung "Pilum 22" ueber die Autobahn A1 in Aargau, aufgenommen am Montag, 28. November 2022. (KEYSTONE/Ennio Leanz ...
Panzer auf der Autobahn: anlässlich der Militärübung «Pilum 22». Bild: keystone

Unter dem Namen «Pilum 22» testete die Schweizer Armee ihre Einsatzfähigkeit in Bern, Solothurn, Aargau, Luzern und Zürich. Im Mittelpunkt stand dabei die Brigade 11, eine von drei grossen Panzer-Formationen der Armee. Rund 300 Panzerfahrzeuge und Panzer sind Teil der Brigade.

Die Übung fand nur neun Monate nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs statt – hatte aber nichts damit zu tun. Bereits 2019 wurde «Pilum 22» geplant. Ziel der Übung war laut dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS, dass die Schweiz sich bei einem bewaffneten Konflikt auf dem Boden verteidigen kann.

2013 Militärübung im Wallis

Im März 2013 kam es zu einer verhältnismässig kleineren Militärübung im Kanton Wallis mit über 1600 Soldaten der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen. 72 Stunden lang dauerte das Manöver, bei dem die Koordination zwischen den Truppen rund um einen Luftwaffenstützpunkt geübt wurde.

Geschossen oder Raketen abgeworfen wurden jedoch nicht – jedoch wurden Schusssimulationen angewendet. Zuletzt wurde dieses Manöver rund zehn Jahre früher geübt.

2009 Truppenübung «Protector»

Ende August 2009 fand in der Nordwest- und Zentralschweiz die Truppenübung «Protector» statt. Am Manöver mit diversen Panzern nahmen rund 8000 Armeeangehörige teil.

Trainiert wurde bei der Übung die Bewachung und Überwachung wichtiger Infrastrukturen. Chef der Armee, Korpskommandant André Blattmann, sagte damals, dass die Armee als einzige strategische Reserve der Schweiz den Fall trainieren müsse, dass die Mittel der zivilen Einsatzkräfte nicht mehr genügen sollten.

Ein getroffenes Fahrzeug, rechts: der Angreifer auf das Atomkraftwerk (AKW) Goesgen ist umstellt von zwei Panzern der Verteidigungstruppe im Rahmen der militaerischen Truppenuebung PROTECTOR in Goesge ...
Ein getroffenes Fahrzeug, rechts: Der Angreifer auf das Atomkraftwerk (AKW) Goesgen ist umstellt von zwei Panzern der Verteidigungstruppe.Bild: KEYSTONE

1999 Militärübung «Rheintal 99»

Im Jahr 1999 trainierte die Schweiz zusammen mit Österreich den Ernstfall beim gemeinsamen Kampf gegen Terrorismus. Rund 500 Militärangehörige nahmen damals an der Übung im Rheintal teil. Ziel war es, die armeeübergreifende Stabsarbeit zu fördern.

Der Schweizer Major Andreas Schaer, links, und Oberst Marco Sieber, rechts, diskutieren am Dienstag, 9. November 1999 in der Kaserne Walgau in Bludesch im Kommandozentrum der Stabsrahmenuebung Rheinta ...
Der Schweizer Major Andreas Schär, links, und Oberst Marco Sieber, rechts, diskutieren mit dem Österreicher Oberstleutnant Heinz Hufler vor der Einsatzkarte der Übung.Bild: KEYSTONE

«Im Zentrum stehen Themen wie ‹Flüchtlingsströme, Terrorismus und Gewaltanwendung unterhalb der Kriegsschwelle›», teilte damals das VBS mit. Die Militärübung war eine Reaktion auf die Bedrohung von verdeckt agierenden und militärisch ausgebildeten Spezialkräften aus totalitären Staaten, hiess es aus Österreich.

1989: Militärübung «Dreizack 2»

Während den letzten Jahren des Kalten Krieges fanden in der Schweiz die zwei grössten Militärmanöver «Dreizack 1 und 2» statt. Die zweite Übung im Jahr 1989 wurde während des Falls der Berliner Mauer durchgeführt. Damals nahmen 20'000 Armeeangehörige am Einsatz in der Ostschweiz teil. Die Übung endete pikanterweise drei Tage vor der Abstimmung zur Armeeabschaffungsinitiative. Danach entschied die Landesregierung, keine solchen Manöver mehr durchzuführen.

1986: Die grösste aller Militärübungen «Dreizack 1»

Drei Jahre zuvor fand mit «Dreizack 1» das «gewaltigste aller Manöver» statt, wie es die Armee betitelte. 40’000 Menschen aus Armee und Zivilschutz waren dabei beteiligt.

Dreizack Übung 1986
«Dreizack»-Militärübung in der Schweiz: 1986 und 1989. Bild: screenshot srf

Die Verteidigungsübung offenbarte damals einen gewissen Handlungsbedarf. Etwa beim Bahn-Grosstransport der ganzen Feld-Division 6 mit 20’000 Soldaten und 2000 Rad- und Raupenfahrzeugen. Diese wurden mit dem Zug ins Manövergebiet gebracht, was nicht ganz reibungslos ablief. Zudem kam es durch das Grossmanöver auch zu Landschäden.

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Vor 54 Jahren landeten Kampfjets im Gäu auf der N1
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35 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Berner in Zürich
05.06.2024 07:29registriert August 2016
Viele unterschätzen diese Übung.
Das landen und starten der Flugzeug ist der kleinste Teil in der ganzen Kette der Übung.
Die ganze Infrastruktur und Logistik ist hochzufahren ist die eigentliche Herausforderung. Von der Dispositiv-Sicherung zur Flugsicherung über Betankungs-Zisternen bis hin zur Feuerwehr und Munitions Logistik....
Im Kriegsfall wäre noch die FLAP mit eingebunden.
Weit mehr als nur ein Flugzeug landen und starten lassen.
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RTFM
05.06.2024 06:51registriert Mai 2021
Ich bin zu jung dafür. Daher die ernste Frage. Sind die entgleisten Waggons ein Teil der Übung "Dreizack 1" oder ist dies das Ergebnis vom angemerkten Handlungsbedarf?
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Hans G. Muster
05.06.2024 07:09registriert Januar 2024
also unter pompös verstehe ich definitiv etwas anderes..
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