Zum ersten Mal seit 33 Jahren findet wieder eine Militärübung mit Kampfflugzeugen auf der Autobahn statt. Acht Kampfjets üben heute die Landung auf der Autobahn zwischen Avenches und Payerne.
Wie viele Soldaten und Soldatinnen dabei im Einsatz sind, ist nicht bekannt. 1991, bei der letzten Übung im Tessin, standen rund 600 Soldaten bereit. Im Vergleich zu anderen Armeemanövern ist diese Zahl aber relativ klein, wie ein Blick zurück zeigt.
Im Mai 2023 kam es zu einer Militärübung in den vier Kantonen Genf, Waadt, Neuenburg und Bern. Rund 4000 Miliz- und Berufsmilitärs trainierten im Rahmen der Militärübung «LUX 23» die Abwehr einer terroristischen und paramilitärischen Bedrohung.
Kritische Infrastrukturen wie der Flughafen Genf oder die Raffinerie in Cressier NE standen dabei im Mittelpunkt. Das Manöver, das über eine Woche dauerte, basiert auf einem Szenario, bei dem bewaffnete separatistische Milizen aus einer fiktiven Region Europas die Schweiz bedrohen.
Die Übung war bereits seit mehreren Jahren geplant und aufgrund der jüngsten Ereignisse in der Ukraine und in Afrika angepasst worden, sagte damals Divisionär Mathias Tüscher.
Noch mehr Armeeangehörige nahmen an der Militärübung ein Jahr zuvor teil. Rund 5000 Personen waren im November 2022 in fünf Kantonen an der grössten Militärübung seit 33 Jahren beteiligt.
Unter dem Namen «Pilum 22» testete die Schweizer Armee ihre Einsatzfähigkeit in Bern, Solothurn, Aargau, Luzern und Zürich. Im Mittelpunkt stand dabei die Brigade 11, eine von drei grossen Panzer-Formationen der Armee. Rund 300 Panzerfahrzeuge und Panzer sind Teil der Brigade.
Die Übung fand nur neun Monate nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs statt – hatte aber nichts damit zu tun. Bereits 2019 wurde «Pilum 22» geplant. Ziel der Übung war laut dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS, dass die Schweiz sich bei einem bewaffneten Konflikt auf dem Boden verteidigen kann.
Im März 2013 kam es zu einer verhältnismässig kleineren Militärübung im Kanton Wallis mit über 1600 Soldaten der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen. 72 Stunden lang dauerte das Manöver, bei dem die Koordination zwischen den Truppen rund um einen Luftwaffenstützpunkt geübt wurde.
Geschossen oder Raketen abgeworfen wurden jedoch nicht – jedoch wurden Schusssimulationen angewendet. Zuletzt wurde dieses Manöver rund zehn Jahre früher geübt.
Ende August 2009 fand in der Nordwest- und Zentralschweiz die Truppenübung «Protector» statt. Am Manöver mit diversen Panzern nahmen rund 8000 Armeeangehörige teil.
Trainiert wurde bei der Übung die Bewachung und Überwachung wichtiger Infrastrukturen. Chef der Armee, Korpskommandant André Blattmann, sagte damals, dass die Armee als einzige strategische Reserve der Schweiz den Fall trainieren müsse, dass die Mittel der zivilen Einsatzkräfte nicht mehr genügen sollten.
Im Jahr 1999 trainierte die Schweiz zusammen mit Österreich den Ernstfall beim gemeinsamen Kampf gegen Terrorismus. Rund 500 Militärangehörige nahmen damals an der Übung im Rheintal teil. Ziel war es, die armeeübergreifende Stabsarbeit zu fördern.
«Im Zentrum stehen Themen wie ‹Flüchtlingsströme, Terrorismus und Gewaltanwendung unterhalb der Kriegsschwelle›», teilte damals das VBS mit. Die Militärübung war eine Reaktion auf die Bedrohung von verdeckt agierenden und militärisch ausgebildeten Spezialkräften aus totalitären Staaten, hiess es aus Österreich.
Während den letzten Jahren des Kalten Krieges fanden in der Schweiz die zwei grössten Militärmanöver «Dreizack 1 und 2» statt. Die zweite Übung im Jahr 1989 wurde während des Falls der Berliner Mauer durchgeführt. Damals nahmen 20'000 Armeeangehörige am Einsatz in der Ostschweiz teil. Die Übung endete pikanterweise drei Tage vor der Abstimmung zur Armeeabschaffungsinitiative. Danach entschied die Landesregierung, keine solchen Manöver mehr durchzuführen.
Drei Jahre zuvor fand mit «Dreizack 1» das «gewaltigste aller Manöver» statt, wie es die Armee betitelte. 40’000 Menschen aus Armee und Zivilschutz waren dabei beteiligt.
Die Verteidigungsübung offenbarte damals einen gewissen Handlungsbedarf. Etwa beim Bahn-Grosstransport der ganzen Feld-Division 6 mit 20’000 Soldaten und 2000 Rad- und Raupenfahrzeugen. Diese wurden mit dem Zug ins Manövergebiet gebracht, was nicht ganz reibungslos ablief. Zudem kam es durch das Grossmanöver auch zu Landschäden.
Das landen und starten der Flugzeug ist der kleinste Teil in der ganzen Kette der Übung.
Die ganze Infrastruktur und Logistik ist hochzufahren ist die eigentliche Herausforderung. Von der Dispositiv-Sicherung zur Flugsicherung über Betankungs-Zisternen bis hin zur Feuerwehr und Munitions Logistik....
Im Kriegsfall wäre noch die FLAP mit eingebunden.
Weit mehr als nur ein Flugzeug landen und starten lassen.