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Glühwürmchen in der Schweiz: So kannst du sie an diesen Orten beobachten

Glühwürmchen Langzeitbelichtung
Langzeitbelichtung von männlichen Kleinen Glühwürmchen, die auf der Suche nach Liebesglück durch den Wald fliegen.Bild: Verein Glühwürmchen Projekt/Andreas Brodbeck
Rauszeit

Jetzt ist wieder Saison für eines der speziellsten Tierchen – aber nur kurz

Glühwürmchen haben etwas feenhaftes an sich. Allerdings verzaubern sie die Sommernächte nur ganz zum Schluss ihres Lebens. Das Spektakel kann jetzt während kurzer Zeit beobachtet werden.
24.06.2024, 19:1124.06.2024, 19:36
Reto Fehr
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Leuchtkäfer gehören zu den wohl speziellsten Tieren. Und wir klären grad zu Beginn zwei Dinge: 1. Glühwürmchen sind keine Würmer, sondern Käfer. 2. Sie glühen nicht, sondern verbreiten ein kaltes Licht (wie das mit dem Leuchten genau funktioniert, kannst du hier nachlesen).

Wann ist Saison?

Auch in der Schweiz lassen sich Glühwürmchen gut beobachten. Allerdings musst du den richtigen Zeitpunkt erwischen. Der ist jetzt. Und dauert nur rund zwei bis drei Wochen.

Gut zu beobachten sind die «leuchtenden Sternchen» jetzt, weil Paarungszeit ist (normalerweise von Mitte Juni bis Anfang Juli) und die Weibchen mit dem Leuchten auf sich aufmerksam machen. Sie locken damit die Männchen an, welche durch die Gegend fliegen – denn im Gegensatz zu den Weibchen haben diese Flügel. Leuchten tun aber nicht alle der 2000 verschiedenen Arten.

Glühwürmchen Weibchen kleines Glühwürmchen
Das weibliche Kleine Glühwürmchen lockt in diesen Tagen wieder die Männchen an.Bild: Verein Glühwürmchen Projekt/Max Springer

In der Schweiz leben vier Glühwürmchenarten. Neben den Kurzflügel-Leuchtkäfern – bei denen praktisch nur noch die Larven schwach leuchten können – und dem fast nur südlich der Alpen vertretenen Italienischen Leuchtkäfer (bei diesem blinken die Männchen etwa im Sekundentakt) sind bei uns vor allem zwei wichtig: das Grosse und Kleine Glühwürmchen.

So kannst du die Tiere gut beobachten

Obwohl das Grosse Glühwürmchen häufiger vertreten ist, lassen sich die Kleinen Glühwürmchen besser beobachten. Denn bei den Kleinen leuchten im Gegensatz zu den Grossen die Männchen im Flug. Das leicht pulsierende grüne Licht ist dabei gut zu erkennen.

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Wöchentlich präsentieren wir bei «Rauszeit» Ausflugstipps in der Schweiz. Das Spektrum ist fast endlos. Gerne möchte ich auch wissen, was für ein Thema dich interessieren würde. Darum: Schreib mir auf Instagram oder auf reto.fehr@watson.ch, was du an dieser Stelle gerne einmal lesen möchtest.

Wir haben Stefan Ineichen, Biologe und Präsident des Vereins Glühwürmchen Projekt, gefragt, ob man die Glühwürmchen auch wirklich gut beobachten könne: «Ja, das ist grundsätzlich kein Problem. Lärm beeinflusst die Käfer nicht, aber eine Taschenlampe sollte man nicht mitnehmen. Auf Licht reagieren die Tiere empfindlich. Und bleiben sie auf den Wegen.»

Grosse Glühwürmchen Weibchen in einer Mauer
Zwei Weibchen des Grossen Glühwürmchens signalisieren in einer Mauer Paarungsbereitschaft.Bild: Verein Glühwürmchen Projekt/Christian Schwager

Damit wären wir auch schon bei den Beobachtungstipps:

  • Eigentlich nur am Abend während der späten Dämmerung
  • An dunklen Stellen
  • An Wald- und Wegrändern und ähnlichen Übergangsbereichen
  • An Böschungen und Bahndämmen
  • Keine Taschenlampe mitnehmen
  • Tiere nicht anfassen
Der Verein Glühwürmchen Projekt setzt sich für die Leuchtkäfer in der Schweiz ein. Er wurde 2002 in Zürich gegründet und setzt sich aus verschiedenen Fachleuten und Privaten zusammen. Finanziert wird er über projektbezogene Unterstützungs- und Förderbeiträge sowie Spenden.

Zwei von vielen Beobachtungsorten

Ineichen verrät auch noch zwei konkrete Beobachtungsorte. «Der Waldfriedhof in Schaffhausen ist dafür ein beliebter Platz. Die Stadt informiert auf ihrer Website.» Das Spektakel hat dort vor wenigen Tagen begonnen. «Und in Zürich lohnt sich ein Spaziergang durch den Käferbergwald oberhalb des Bucheggplatzes und der Oberen Waidstrasse», so Ineichen. Zudem werden jeweils auf der Vereinsseite einige Exkursionen angeboten.

Kurze Doku über Glühwürmchen.Video: YouTube/Bayerischer Rundfunk

So hilfst du den Glühwürmchen

Auch im eigenen Garten kann man Voraussetzungen schaffen, um Glühwürmchen anzulocken. «Einsammeln und aussetzen funktioniert nicht», weiss Ineichen. Er hat aber einige Tipps bereit:

«Naturnahe Gärten helfen wie bei allen Tieren. Ist die Biodiversität hoch, fühlen sich die Käfer wohl. Stellen sie keine Lampen auf, denn die Lichtverschmutzung ist das grosse Problem in verschiedenen Lebensräumen. Hecken und Büsche sind ideal, wenn man zudem das Laub liegen lässt. Das nützt auch der Larve, welche feuchte und dunkle Orte bevorzugt, aber dann nach der Verpuppung auch ein bisschen Platz zum Fliegen braucht.»

Apropos Larven: Glühwürmchen verbringen mit drei Jahren den Grossteil ihres Lebens in diesem Stadium. Sie ernähren sich dabei übrigens von Schnecken, die auch doppelt so lang sein können. Noch ein Grund, Glühwürmchen im Garten zu haben. Überwältigt werden Schnecken dabei mit einem Giftbiss.

Glühwürmchen Larve Grosses Glühwürmchen
Die Larve eines Grossen Glühwürmchens macht sich an einer Schnecke zu schaffen.Bild: Verein Glühwürmchen Projekt/Daniel Keller

Nach dem rund siebentägigen Puppenstadium nimmt das ausgewachsene Glühwürmchen keine Nahrung mehr zu sich. Es geht jetzt nur noch um die Fortpflanzung. Haben sich zwei Tierchen gefunden, erlischt das Licht.

Weibchen sterben bald nach Paarung und Eiablage oder spätestens nach rund zwei Wochen, Männchen nach deren drei. Das ist dann Anfang/Mitte Juli auch gleichbedeutend mit dem Ende der Leuchtperiode und wir müssen uns ein Jahr gedulden, bis wir das Schauspiel wieder beobachten können.

Reto Fehr
Man muss die Schweiz verdammt gut kennen, wenn man sie besser kennen will als Reto Fehr. Mit seiner Tour dur d'Schwiiz radelte er 2015 alle damals 2324 Gemeinden ab. Entstanden ist daraus das preisgekrönte Buch Tour dur d'Schwiiz. Als einer von wenigen besuchte er somit schon jede Gemeinde der Schweiz. In der Folge absolvierte Reto die Ausbildung zum Wanderleiter des Schweizer Bergführerverbandes SBV und ist in seiner Freizeit meist in der Natur unterwegs, wozu er dich auf seinem Instagram-Account immer mal wieder mitnimmt. Als Mitglied des Rätsel-Kollektivs geoblog.ch lässt er die User zudem mehrmals wöchentlich die Schweiz in Bildern entdecken.
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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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fotzelschnitte
24.06.2024 19:22registriert November 2017
Für einmal finde ich es auch schade, dass hier zwei Plätze zum beobachten genannt werden. Ich kenne den Waldfriedhof in SH und es ist unglaublich, was da in der Glühwürmchensaison abgeht. Das ganze Quartier wird vollgeparkt und jeden Abend latschen hunderte mit Taschenlampe und Fotoblitz zwischen den Gräbern rum. Hab schon gesehen, das man die Tiere einfängt und in einem Glas mitnimmt......eigentlich sollte man das Tor am Abend schliessen, damit die Tiere ihre Ruhe haben.
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