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Twint: Busse trotz vermeintlich bezahlter Parkgebühr

Mit Twint bezahlt – Park-Busse kassiert

Bei einer von 150'000 Parkgebühr-Transaktionen kommt es bei Twint zu einer technischen Störung. So kommt es im Schnitt alle zwei Tage zu einer Busse.
15.02.2024, 18:5215.02.2024, 22:38
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Die Parkgebühren mit Twint zu bezahlen, ist praktisch und beliebt. Doch immer wieder kommt es trotz Zahlungsbestätigung zu einer Parkbusse. Schuld ist ein technischer Fehler.

Hinter der Funktion «Parkingpay» beim Bezahldienst Twint steht die Firma Digitalparking. Beim technischen Fehler kommt es zu einem Verbindungsproblem, bei dem Twint nicht auf eine Zahlungsanfrage von «Parkingpay» reagiert: Bereits nach drei Minuten bricht der Vorgang ab. Bei der eigenen App der Firma Parkingpay kommt dies nicht vor.

Wer Opfer dieses technischen Fehlers wird, bemerkt dies in der Regel gar nicht, denn es wird eine Bestätigung angezeigt, dass die Zahlung eingegangen sei. Es wird jedoch weder ein Beleg generiert noch der Betrag vom Konto abgebucht. Laut Twint betrifft der technische Fehler eine von 150'000 Transaktionen, wie der Beobachter schreibt. Somit kommt es im Schnitt jeden zweiten Tag zu einer ungerechtfertigten Busse, was Twint gegenüber dem «Beobachter» bestätigt. Das sind aber nur die Fälle, die bei Twint gemeldet werden. Es könnten also durchaus noch mehr Personen davon betroffen sein.

Bereits 3 Millionen Schweizer benutzen Twint. (Archiv)
Immer mehr bezahlen Parkgebühren per Twint.Bild: sda

Gegenüber watson sagte ein Sprecher von Twint, dass man an der Lösung des Problems arbeite:

«TWINT arbeitet an der Behebung des Fehlers und prüft dabei alle Möglichkeiten.»

Wer eine solche ungerechtfertigte Busse bekommt, kann sich dagegen wehren. Natürlich müssen Belege vorgewiesen werden, etwa gegenüber der Firma Parkon, die zu den grössten Parkplatzkontrolleurinnen gehört. Sie betont, bei technischen Fehlern setze man grundsätzlich auf Kulanz. Diese variiert jedoch je nach Supportperson, wie die Praxis zeigt. Der «Beobachter» hat Kenntnis von einem Fall, in dem ein Schreiben der Bank akzeptiert wurde. In einem zweiten Fall wurde trotz verschiedener Belege auf der Forderung beharrt.

Im schlimmsten Fall könnten betroffene Kundinnen und Kunden also betrieben werden, wenn sie die Busse nicht bezahlen. Wer die Busse aber bezahlt und das Geld dann bei den Verantwortlichen zurückfordern will, braucht schon mal Geduld: Digitalparking verweist jeweils an Twint, Twint hingegen auf die Datenschutzbestimmungen und die zuständige Bank.

Ein Sprecher von Twint teilte watson diesbezüglich mit, dass sich betroffene Kundinnen und Kunden an den jeweiligen Twint-Kundendienst ihrer Bank wenden könnten. «In der Regel» würde der Fall dann «schnell und einfach» gelöst.

Stellt sich schliesslich heraus, dass Twint ein technisches Problem hatte, kommt Twint gemäss Auskunft der Pressestelle die Busse. Bei einem Fall, der dem «Beobachter» vorliegt, geschah dies erst auf Nachfrage des «Beobachters» – in einem zweiten Fall ist bis dato nichts passiert.

(rbu)

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66 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gottlieb Duttweiler
15.02.2024 20:02registriert November 2015
Diese Parkon-Fritzen sind regelrechte Halsabschneider. Busse pünktlich und längst bezahlt und trotzdem beharrten sie auf Mahngebühren und drohten mit Betreibung. Der Fehler lag nachweislich bei ihnen, weil sie dummerweise zwei unterschiedliche Referenznummern ausstellten. Trotzdem nach Klärung keinerlei Spur von Einsicht. Die meinten sogar, ich müsse das nächste Mal besser aufpassen beim Parkieren. Lustig, dabei machen die doch gerade ihr Geld mit Bussen. Absurde Firma. Können froh sein, dass ich „kulant“ war.
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Cpt. Jeppesen
15.02.2024 21:28registriert Juni 2018
Finanztransaktion in Twint sind also nicht transaktions-sicher? Das wirft ein schlechtes Licht auf die Informatik, die hinter Twint steckt. Jede Finanztransaktion muss vom Anfang bis zum Ende in einer Transaktionsklammer sein und wenn nur ein Element der Transaktion nicht funktioniert, dann muss die ganze Transaktion zurückgerollt werden. Das was Twint da liefert und die Ausrede dazu ist Kindergarten und unverantwortlich. Wo noch überall können sie Transaktionen nicht nachvollziehen?
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Fred_64
15.02.2024 19:40registriert Dezember 2021
Bei der eigenen App der Firma Parkingpay kommt dieser Fehler nicht vor???
Hmmm, ein Schelm wer Böses denkt... 🙏🏻
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