Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Es geht um 50 Millionen: Wer lügt, Bundesrat Burkhalter oder die Bundesanwaltschaft?



Hat Botschafter Jacques Pitteloud zwei Kenianern angeboten, für 50 Millionen Franken dafür zu sorgen, dass die Schweiz das Verfahren gegen sie wegen Geldwäsche einstellt? Der Botschafter sagt, er habe auf das Angebot auf Anweisung der Bundesanwaltschaft gemacht. Auch Bundesrat Didier Burkhalter hält sich an diese Version. Die Bundesanwaltschaft bestreitet dies jedoch. Wer lügt?

Eric Cottier, Staatsanwalt des Kantons Waadt, soll als ausserordentlicher Staatsanwalt den kuriosen Fall des Botschafters Jacques Pitteloud nun untersuchen. Eingesetzt hat ihn die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA).


Jacques Pitteloud, Quelle: http://www.businessdailyafrica.com/mega-scandals-return-to-courts/539546-2568806-i3rck3/index.html

Botschafter Jacques Pitteloud.

Die Aufsichtsbehörde hat am Dienstag eine Meldung von Radio Télévision Suisse (RTS) bestätigt. Die Ernennung ist gut einen Monat nach der Ankündigung der Bundesanwaltschaft erfolgt, dass sie die Ermittlungen abgeben will. Damit wollte sie jeden Anschein von Befangenheit vermeiden.

Im August versicherte Bundesrat Didier Burkhalter, der ehemalige Botschafter in Kenia habe «in Absprache» mit der Bundesanwaltschaft gearbeitet. Diese Aussage wurde von der Bundesanwaltschaft bestritten, weshalb sie einen Antrag auf Einsetzung eines ausserordentlichen Staatsanwalts stellte.

Vorwurf der Nötigung

Eric Cottier muss nun abklären, ob an den Vorwürfen von zwei Kenianern gegen Pitteloud etwas dran ist. Gegen die beiden Brüder läuft in der Schweiz eine Strafuntersuchung wegen Geldwäscherei.

Sie werfen dem Botschafter vor, sie unter Druck gesetzt zu haben. Er soll ihnen die Einstellung der Untersuchung in Aussicht gestellt haben, wenn sie ihm 50 Millionen Franken bezahlen würden.

Die Bundesanwaltschaft trat zunächst nicht auf die Sache ein. Die Kenianer reichten dagegen Beschwerde beim Bundesstrafgericht ein, welches ihnen Recht gab.

«Angebot» per SMS

Das Bundesstrafgericht wies in seinem Entscheid auf eine SMS-Kommunikation zwischen Pitteloud und den beiden Kenianern vom Mai 2014 hin. Darin soll der Ex-Botschafter sein «Angebot» gemacht haben.

Gegenüber der kenianischen Presse hatte Jacques Pitteloud erklärt, aus persönlichem Antrieb gehandelt zu haben. Anschliessend präzisierte er, Anweisungen der Bundesanwaltschaft gefolgt zu sein. Diese hielt jedoch fest, dass sie keinerlei Aufträge oder Instruktionen an den Ex-Botschafter gegeben habe.

Nach einer Militärkarriere wurde der Walliser im Jahr 2000 im Alter von 38 Jahren der erste Nachrichtenkoordinator des Bundes. Nach mehreren Pannen wurde der Dienst reorganisiert und einem Krisenstab unterstellt. Pitteloud wechselte in der Folge zum Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten. (whr/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hierundjetzt 15.11.2016 18:47
    Highlight Highlight In der Privatwirtschaft wäre er jetzt beim Sozialamt.

    Klar, die BA lügt logisch. Wie praktisch das es keinen Schriftverkehr gab, gäll liebs EDA 🙄

    Anweisungen in der BV werden grundsätzlich mündlich gegeben oder mittels Rauchzeichen... Bitte...
  • N. Y. P. D. 15.11.2016 18:01
    Highlight Highlight Wäre ich bei der Bundesanwaltschaft, würde ich so eine Anweisung via Botschafter an die Kenianer mündlich machen. Falls die Kenianer nicht drauf eingehen, weiss man von nichts.
    Den schwarzen Peter hat jetzt der Botschafter, weil er nichts in der Hand hat.
    • Hierundjetzt 15.11.2016 18:48
      Highlight Highlight Nur funktioniert die Bundesverwaltung leeeeeider nicht so 😉
  • Kookaburra 15.11.2016 17:19
    Highlight Highlight Am Besten wäre wohl, wenn beide zurücktreten würden und die 50 Millionen abbezahlen müssten. Und alle Entwicklungshilfe und Zahlungen an Kenia wegen Korruptionsverdacht vorläufig eingestellt würden.
    • bebby 15.11.2016 18:05
      Highlight Highlight haben Sie den Artikel gelesen? es ist kein Geld geflossen. Vermutlich ein Ablenkungsmanöver zweier korrupter Politiker und wir sind wieder einmal zu naiv, um ihnen zu glauben...laut Aussage des Botschafters wollte man damit eine Falle stellen
  • thierry_haas 15.11.2016 17:14
    Highlight Highlight Mhhh.... ça pue!

Pink-Panther-Räuber in Zürich zu Freiheitsstrafen verurteilt

Das Bezirksgericht Zürich hat drei mutmassliche Mitglieder der Profi-Räuberorganisation Pink Panther zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Sie wurden bei Vorbereitungen zu einem Überfall observiert.

Die drei Serben im Alter zwischen 39 und 44 Jahren sind am Donnerstagnachmittag wegen versuchten Raubes und weiterer Delikte zu Freiheitsstrafen zwischen fünf und siebeneinhalb Jahren verurteilt worden. Dazu kommen Landesverweise von 10 respektive 15 Jahren.

Dem Trio wurde vorgeworfen, im …

Artikel lesen
Link zum Artikel