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Guy Parmelin stellt sich nach dem FDP-Hearing den Fragen der Medien.<br data-editable="remove">
Guy Parmelin stellt sich nach dem FDP-Hearing den Fragen der Medien.
Bild: KEYSTONE

Favorit Parmelin: «I can English understand, but je préfère repondre en français»

Nach den Hearings der bürgerlichen Parteien mit den drei SVP-Bundesratskandidaten ist nichts entschieden. Favorit bleibt der Waadtländer Guy Parmelin – weil er am wenigsten aneckt.
02.12.2015, 06:2202.12.2015, 14:46

Die Quote des Tages lieferte der Weinbauer aus dem Waadtland. Nach seinem Auftritt vor der FDP-Fraktion musste Nationalrat Guy Parmelin vor den Medien Auskunft geben, ob ihm eine Frage auf Englisch gestellt werden könne. Die neue Nationalratspräsidentin Christa Markwalder hatte dies im Vorfeld in Aussicht gestellt, um die Eignung der drei SVP-Kandidaten für Auftritte auf dem internationalen Parkett zu testen.

Parmelin bejahte die Frage und nannte seine Antwort: «I can English understand, but je préfère repondre en français

Parmelins Sprachtalent ist beschränkt. Sein Deutsch ist passabel, mehr nicht. Seine Kontrahenten, der Zuger Nationalrat Thomas Aeschi und der Tessiner Regierungsrat Norman Gobbi, sind polyglotter. Trotz dieses Handicaps, trotz seiner Herkunft, die ihn zum dritten Westschweizer im Bundesrat machen würde: Gespräche mit Parlamentariern nach den Hearings lassen darauf schliessen, dass Guy Parmelin nach wie vor der Favorit vieler Mitte-Politiker ist.

Fraktionschef Ignazio Cassis erläutert den Nicht-Entscheid der FDP.<br data-editable="remove">
Fraktionschef Ignazio Cassis erläutert den Nicht-Entscheid der FDP.
Bild: KEYSTONE

Oberflächlich betrachtet war dieser Dienstagnachmittag eine wenig ergiebige Übung. FDP, CVP und BDP kommunizierten, dass es faktisch nichts zu kommunizieren gab. Von den Grünliberalen war gar nichts zu vernehmen. Der neue FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis nannte zwei Entscheide seiner Partei, die niemanden überraschten: Man anerkenne den Anspruch der SVP auf einen zweiten Sitz im Bundesrat und werde jemanden aus dem Dreierticket wählen.

Vertagt auf nächsten Dienstag

«Wir wählen einen der drei offiziellen Kandidaten», sagte auch BDP-Präsident Martin Landolt. Wer das sein könnte, wollen die Parteien erst am nächsten Dienstag entscheiden, einen Tag vor der Bundesratswahl. «Bis dann kann noch einiges geschehen», sagte Cassis und spielte damit auf mögliche Enthüllungen in den Medien an. Grundsätzlich wolle sich die FDP auf eine Person festlegen, aber das sei nicht zwingend.

Sein CVP-Kollege Filippo Lombardi erklärte, es sei möglich, dass seine Partei sich für Stimmfreigabe entscheide. Die drei Bewerber seien unterschiedliche Persönlichkeiten. Wählbar seien sie alle.

Offenkundig gelang es keinem, sich in den Hearings von seinen Kontrahenten abzuheben, auch nicht dem als Geheimfavorit gehandelten Norman Gobbi. Zwar verfügt der 38-jährige Tessiner als einziger über ein gewisses Charisma. Das aber genügte offenbar nicht, um die diversen Vorbehalte gegen seine Person zu entkräften.

Die Mitte kuscht vor der SVP

Konkrete Ergebnisse brachten die Hearings also nicht, dennoch erlauben sie einen tiefen Einblick in die Gemütslage im bürgerlichen Lager. Man anerkennt den Anspruch der SVP nicht aus Überzeugung, sondern aus Fatalismus. Die Mitte hofft, die Blocherpartei möge danach endlich etwas Ruhe geben. Guy Parmelin ist für sie kein Wunschkandidat. Sie wollen ihn wählen, weil er am wenigsten aneckt und sich «von gewissen Extrempositionen seiner Partei distanziert», wie eine Nationalrätin ausführte.

Norman Gobbi (r.) und Thomas Aeschi muntern sich gegenseitig auf.<br data-editable="remove">
Norman Gobbi (r.) und Thomas Aeschi muntern sich gegenseitig auf.
Bild: KEYSTONE

Gleichzeitig fürchten manche, die SVP werde den Waadtländer aus diesem Grund kurz vor der Ziellinie noch «abschiessen». Hartnäckig hält sich im Bundeshaus das Gerücht, die «Weltwoche» wolle in ihrer nächsten Ausgabe am Donnerstag Parmelins dunkle Seiten aufdecken. Logisch wäre das nicht, es würde im Gegenteil die Glaubwürdigkeit der SVP beschädigen. Schliesslich hat die Partei eigens eine Findungskommission eingesetzt, um solche Fälle zu verhindern.

Allein die Angst vor einem solchen Szenario zeigt, wie sehr es der SVP gelungen ist, die bürgerliche Mitte einzuschüchtern. «Die SVP möchte, dass alles so bleibt, wie es heute ist», meinte besagte Nationalrätin. Vordergründig stimmt das, die SVP könnte damit ihren harten Oppositionskurs weiterhin rechtfertigen. Aber auch hier gilt: Glaubwürdig wäre die Volkspartei, die immerhin ein Dreierticket nominiert hat, mit solchen Manövern nicht.

Vielleicht ist alles ein Sturm im Wasserglas. Aber auch aus vermeintlichen Nicht-Entscheiden lässt sich vieles herauslesen. Am nächsten Dienstag weiss man (vielleicht) mehr. Dann wird auch die SP die drei Kandidaten anhören.

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