Schweiz
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Thomas Aeschi, SVP Bundesratskandidat, posiert am Zugersee am Montag, 23. November 2015, in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

SVP-Politiker Thomas Aeschi am Zugersee: Als einer von drei Kandidaten schlägt ihn seine Partei als Bundesrat vor.
Bild: KEYSTONE

SVP-Bundesratskandidat Thomas Aeschi stellt fünf Fragen, wenn andere eine stellen

Der Zuger SVP-Bundesratskandidat Thomas Aeschi verkörpert die neue SVP-Generation – doch wie unabhängig ist der strebsame 36-Jährige von Blocher und Co.?

Antonio Fumagalli / Aargauer Zeitung



Diese Party musste gut gewesen sein. Feiernde Studenten, ausgelassene CEOs und wohl auch Alkohol in nicht zu knappen Mengen. Ein Teil des Fussbodens war am nächsten Morgen jedenfalls derart von Zigaretten-Brandlöchern verunstaltet, dass er ersetzt werden musste. Passiert ist dies alles in der St. Galler Wohngemeinschaft von Thomas Aeschi, heute SVP-Nationalrat, damals knapp zwanzigjähriger Student an der HSG. Die Episode passt so gar nicht ins Bild, das man von jenem Mann hat, der von seiner Partei – zusammen mit dem Tessiner Norman Gobbi und dem Waadtländer Guy Parmelin – am 9. Dezember zur Wahl in den Bundesrat empfohlen wird.

Mit wem man auch spricht: Aeschi gilt als seriöser, fast schon streberhafter Politiker. Stets gut vorbereitet, akribisch in die Dossiers vertieft und mit einem Gestaltungsdrang, der an Übereifer grenzt. Wenn andere eine Frage stellen, stelle Aeschi fünf, sagt ein Parlamentarier. Die Anzahl Anträge, die er bei der Beratung von Gesetzesvorlagen in die Kommissionsarbeit einbringt, sind genauso legendär wie erfolglos – denn die meisten davon finden keine Mehrheit. Es sei das Fingerspitzengefühl, das dem smarten Zuger zuweilen abgehe, sagt ein Mitglied der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK).

Die Partei fördert ihn

Thomas Aeschi, SVP Bundesratskandidat, in seinem Buero am Montag, 23. November 2015, in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

Unternehmensberater Aeschi in seinem Büro.
Bild: KEYSTONE

Dass Aeschi im Herbst 2014, nach nicht einmal drei Jahren im Nationalrat, bereits in dieser einflussreichen Kommission Einsitz nehmen durfte, zeigt das Potenzial, das die Partei in ihm erkennt. In der Tat verlief sein politischer Aufstieg steil: Der SVP gehört er seit 2005 an, wurde 2009 Präsident der Ortspartei Baar, holte sich 2010 einen Sitz im Zuger Kantonsrat und bereits ein Jahr danach ein Mandat im nationalen Parlament. Seit diesem März ist er zudem Präsident der SVP Zug. Beruflich arbeitet er teilzeitig als Unternehmensberater, wobei er gemäss Lebenslauf «Geschäftsleitungsmitglieder in ihrer Entscheidungsfindung unterstützt». Den Vorwurf, dass er im Rahmen seiner Tätigkeit auch dem amerikanischen Nachrichtendienst NSA zugedient hat, hält er für «unwahr» und «frei erfunden». Das Rüstzeug für seinen Beruf holte sich Aeschi an der HSG und der Elite-Universität Harvard, ergänzt mit Auslandsemestern in Malaysia und Israel – was unterstreicht, warum er zur «neuen Generation» der SVP gezählt wird: Intellektuell, dynamisch, weit gereist. Hemdsärmeligkeit verkörpern in der Partei bereits genügend andere.

Wie nah steht er zu Blocher?

Inhaltlich politisiert Aeschi hingegen voll auf Parteilinie. Finanzpolitisch kennt er vor allem eine Devise: Sparen. In Asylfragen fährt er die harte Linie. Ein zentrales Anliegen ist ihm das Verhältnis zur EU: Bei der Masseneinwanderungsinitiative plädiert Aeschi für eine Umsetzung, die zu einer signifikanten Reduktion der Einwanderung führt, und ist gleichzeitig überzeugt, dass die EU letztlich mit sich reden lassen wird. Sprich: Dass sie trotz Guillotine-Klausel die Bilateralen I nicht kündigen wird. «Sie hat selbst ein vitales Interesse daran. Denken Sie nur an das Landverkehrsabkommen, das die Verkehrspolitik im Alpenraum regelt», sagt er. Und was, wenn die EU doch ernst macht? Es ist für ihn gar keine Option, Aeschi antwortet nochmals mit dem gleichen Satz.

Um seinen europapolitischen Positionen Nachdruck zu verleihen, ist der 36-Jährige Mitglied im von Christoph Blocher präsidierten Komitee «gegen den schleichenden EU-Beitritt» – notabene als Gründungsmitglied. Es sind Tatsachen wie diese, aufgrund derer namhafte Stimmen im Parlament Aeschi wahlweise als «Ziehsohn» oder als «Pudel» des SVP-Übervaters bezeichnen. Ein Mitglied der WAK vermutet, dass viele seiner Anträge in der Kommission «diktiert werden». Aeschi weist die Vorwürfe von sich: «Ich habe mit Christoph Blocher in der Finanzkommission zusammengearbeitet und einiges von ihm lernen dürfen, menschlich wie politisch. Dass ich sozusagen eine Standleitung nach Herrliberg haben soll, ist aber völlig aus der Luft gegriffen. Er hätte gar nicht erst die Zeit dafür», so Aeschi. Es gebe zwischen ihnen beiden «keine regelmässigen Telefonate». Die Vorwürfe seien einzig und alleine «eine Strategie, um mich politisch anzugreifen», sagt er.

(trs)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 25.11.2015 09:20
    Highlight Highlight Ich denke, dass der übereifrige und ferngelenkte Harvard-Jungspund im BR recht auflaufen würde und die Herrliberg-Partei dann stetig Opposition schreien würde wenn der Zuger nicht im Parteisinn zum Zuge kommen könnte. Er müsste sich aus der Partei emanzipieren und würde da eher zum FDP-Vertreter. Es kann Taktik sein ihn hineinzuwählen und kalt zu stellen, wie man das mit dem Übervater ja auch gemacht hat. Konkordanz wird an Eliteschulen nicht gelehrt. Mit Ehrgeiz und hohen Ellbogen kann man im Nationalrat punkten, ein Departement der Schweiz leiten ist dann noch eine andere Hausnummer.
  • amore 25.11.2015 08:34
    Highlight Highlight Blocher oder Brunner wählen. Mal schauen, ob sie dann von der Partei ausgeschlossen werden.
    • Bijouxly 25.11.2015 09:36
      Highlight Highlight jaja das haben wir jetzt genug gehört. in den statuten steht auch, dass ein ausgeschlossenes mitglied wieder in die partei aufgenommen wird, wenn eine mehrheit dafür stimmt. wird bei blocher und brunner wohl der fall sein.
  • Karl33 25.11.2015 08:15
    Highlight Highlight Aeschi, der Handlanger ausländischer Geheimdienste?
  • Linus Luchs 25.11.2015 08:13
    Highlight Highlight Aeschi intellektuell? Sich im SVP-Wahlkampfvideo für den K.o.-Tropfenscherz zur Verfügung zu stellen, zeugt von stammtischtauglicher Begrenztheit. Vertrauliche Informationen für einen Leserbrief zu verwenden, ist ebenfalls alles andere als gescheit. Der Mann bewegt sich geistig auf dem parteiüblichen Tiefflug.
    • Sir Jonathan Ive 25.11.2015 11:06
      Highlight Highlight Total einverstanden, aber das "parteiüblichen" ist sehr pauschalisierend gegenüber allen Parteimitgliedern.
      Es macht damit für mich den ganzen Kommentar unbrauchbar...
    • Linus Luchs 25.11.2015 12:15
      Highlight Highlight Menschen, die ich als Intellektuelle bezeichnen würde, zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf der Grundlage von Bildung die Phänomene und Vorgänge in unserer Welt differenziert wahrnehmen und begreifen. Die Interpretationsmuster der SVP sind das pure Gegenteil: simpel, plakativ, realitätsfern, oft schlichtweg falsch oder gar gelogen. Leute, die sich davon überzeugen lassen, denken in ähnlich groben Kategorien. Ich bin auch gegen Pauschalisierungen, wenn sie unzutreffend sind. Aber in diesem Falle halte ich sie für angebracht. Mir ist noch nie ein intellektuelles SVP-Mitglied begegnet.
  • blueberry muffin 25.11.2015 08:09
    Highlight Highlight Wer menschlich was von Blocher lernen kann, muss wirklich ziemlich unmenschlich sein.
  • Mr_Burton 25.11.2015 07:12
    Highlight Highlight Ein Blocher-Ministrant der Vergewaltigungen toll findet. Ein solcher Typ im Bundesrat wäre eine echte Schande.
  • PhTM 25.11.2015 07:05
    Highlight Highlight Dass K.O.-Tropfen-Aeschi sich mit seiner Gaga-Video-Einlage moralisch völlig diskreditiert hat, interessiert wohl niemanden? Mit billiger Satire als chauvinistischer SVP-Held auf kleine Kantonspolitikerinnen schiessen, beweist doch wahrhaftes Bundesratsformat...

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