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Schweiz
Coronavirus

Corona im Appenzell: Brautpaar feiert in Schwellbrunn mit Infizierten

Trügerische Idylle: Schwellbrunn AR ist ein Corona-Hotspot. Jetzt scheint klar, warum.
Trügerische Idylle: Schwellbrunn AR ist ein Corona-Hotspot. Jetzt scheint klar, warum. https://www.facebook.com/Schwellbrunn.AR/

Brautpaar feiert im Appenzell bewusst mit Corona-Infizierten: So reagiert die Gemeinde

26.10.2020, 16:0227.10.2020, 13:15

Das 1400-Seelen-Dorf Schwellbrunn AR ist mit über 1000 Fällen pro 100'000 Einwohnern ein Corona-Hotspot. So ist es dazu gekommen:

«In Schwellbrunn hat eine Hochzeit mit über 200 Gästen stattgefunden. Mehrere Gäste sollen positiv an der Veranstaltung teilgenommen haben. Abstand- und Hygienemassnahmen wurden nicht eingehalten.» Besonders fragwürdig: Das Brautpaar habe von den Infektionen gewusst. Dies sagte der Gesundheitsdirektor des Kantons Appenzell Ausserrhoden, Yves Noël Balmer, laut dem Tagblatt an einer Medienorientierung am Montagmorgen.

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Hochzeitsgäste vereinbarten, sich nicht testen zu lassen

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Hochzeitsgäste vereinbarten, sich nicht auf Corona testen zu lassen. Bild: www.imago-images.de

Viele Personen hätten von dem Vorfall um die Hochzeit gewusst, ihn aber nicht dem Kanton gemeldet. Erst zwei Wochen nach der Hochzeit habe man zufälligerweise davon erfahren, sagte Balmer. Im Rahmen der Hochzeit hätten die Gäste vereinbart, sich nicht testen zu lassen, um eine mögliche Quarantäne zu umgehen. «Ein solches Verhalten lässt mich verärgert und entsetzt zurück», sagte der Gesundheitsdirektor. Verzeigungen müssten nun geprüft werden.

Gewisse Gäste der Hochzeit hätten dann später auch noch am Oktoberfest in einem Schwellbrunner Restaurant und an Vereinsaktivitäten teilgenommen.

«Trotz des Aufrufs und trotz der Telefongespräche mit dem Gemeindepräsidenten scheinen einige Leute den Ernst der Lage nicht begriffen zu haben.»
Gemeindepräsident Schwellbrunn

Der Gemeindepräsident von Schwellbrunn, Ueli Frischknecht, ist erzürnt über das Verhalten der Leute. «Das macht mich traurig, entsetzt und wütend», sagt er im Tagblatt-Interview. Von den Vorkommnissen habe er aus der Bevölkerung erfahren. Besorgte, aber auch empörte Bürger hätten sich an ihn gewandt, um ihn über die legere Handhabung einiger Schwellbrunner zu unterrichten.

Wird Schwellbrunn abgeriegelt?

Er habe sich bemüht, einige «Verdächtige» telefonisch zu kontaktieren. «Wir haben sozusagen unser eigenes Contact-Tracing aufgebaut», so Frischknecht.

Sollten in den nächsten Tagen noch mehr Corona-Fälle in Schwellbrunn bekannt werden, dann könnte auch die Abriegelung des Dorfes ein Thema werden. «Ich hoffe, dass das nicht passiert», sagt Frischknecht weiter. Das wäre fatal für das Gewerbe und die Leute, die sich an die Regeln hielten.

Das Ergebnis ist aber ernüchternd. «Trotz des Aufrufs der Gemeinde und trotz der Telefongespräche mit dem Gemeindepräsidenten scheinen einige Leute den Ernst der Lage nicht begriffen zu haben», wie Frischknecht weiter zum Tagblatt sagt.
(amü)

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170 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Flunkie
26.10.2020 16:23registriert Juni 2019
So ein Verhalten ist gemeingefährlich - gemein, gefährlich und eine Gefahr für die Gemeinschaft. Ich hoffe sehr, dass diese egoistischen Ignoranten mit allen rechtlichen Möglichkeiten zur Verantwortung gezogen werden.

Du lieber Himmel, wie kann man seine Ehe damit beginnen, möglicherweise für die Erkrankung oder sogar den Tod seiner Mitmenschen verantwortlich zu sein? Unglaublich.
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marcog
26.10.2020 16:21registriert Februar 2016
Zuerst liest man darüber, wie gut der Umgang mit Corona funktioniert, und dann so was. Das Problem hier ist nicht, dass wir ungenügende Regeln hätten. Aber wenn die Gesellschaft ein Mentalitätsproblem hat, dann kann die Politik dies mit Regeln nur schwer zurechtbiegen.
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chrissy_dieb
26.10.2020 16:18registriert Januar 2020
In solchen Momenten würde ich gerne gehässig über die Verantwortlichen herziehen. Beruhigend besinne ich mich dann auf Hanlon's Rasiermesser[1], welches besagt:


"Geh nicht von Böswilligkeit aus, wenn Dummheit genügt"


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Hanlon’s_Razor
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Eklat beim «Magazin» – das dürfen wir nicht aussitzen
Journalistinnen und Journalisten decken Missstände auf. Das ist ihr Job. Im Fall «Roshani vs. Canonica» sind viele von ihnen dieser journalistischen Pflicht nicht nachgekommen. Für Aufarbeitungen ist es aber noch nicht zu spät.

Die Journalistin Anuschka Roshani hat am Freitag in einem Gastbeitrag im Spiegel berichtet, wie sie beim «Magazin» – der Samstagsbeilage der Tamedia-Zeitungen – «Opfer eines Machtmissbrauchs» wurde. Sie war dort von 2002 bis 2022 Redaktorin. Die Vorwürfe richten sich hauptsächlich gegen ihren langjährigen Chef Finn Canonica. Er leitete die Redaktion des «Magazins» von 2007 bis 2022 und bestreitet die Vorwürfe vehement.

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