Schweiz
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Ein Schild mit der Aufschrift

Der Ansturm wird kommen: Die Schweizer Spitäler rüsten auf. Bild: KEYSTONE

Aufrüstung unter Hochdruck: So wappnen sich Schweizer Spitäler gegen den Kollaps

Es ist eine Belastungsprobe für das Schweizer Gesundheitssystem: Spitäler im ganzen Land bereiten sich auf den drohenden Patientenansturm vor.

Sven Altermatt / CH Media



Dass der Bundesrat das öffentliche Leben in der Schweiz wie nie zuvor in Friedenszeiten eingeschränkt hat, dient vor allem dem Ziel, die Ansteckungskurve möglichst flach zu halten. Zeit zu gewinnen. Die Spitäler zu entlasten. Und so Menschenleben zu retten.

Für die meisten Menschen hat Covid-19 – die Krankheit, die das neuartige Coronavirus verursacht – keine ernsthaften Folgen. Doch rund jeder fünfte Infizierte dürfte laut Experten ernst oder schwer erkranken. Manche von ihnen benötigen wochenlange Intensivpflege mit künstlicher Beatmung.

Unter Hochdruck rüsten sich die Spitäler für eine Krisensituation. Nicht dringende Operationen sollen aufgeschoben, Verlegungen in die Reha vorgezogen werden. Die Behörden haben die Spitäler angewiesen, laufend ihre Intensivpflegeplätze zu melden.

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Namentlich die fünf Universitätskliniken arbeiten in ihrer Planung mit verschiedenen Szenarien, um sich auf einen weiteren Anstieg der Corona-Fälle so gut wie möglich vorzubereiten. Die Mehrheit von ihnen ist derzeit noch in der Lage, den Betrieb mit dem regulären Personal aufrechtzuerhalten.

Allerdings sind teilweise bereits Massnahmen wie der Verzicht auf Weiterbildungen ergriffen worden, um die Präsenzzeit der Angestellten zu erhöhen. In einigen Spitälern wurden die Angestellten gewisser Abteilungen gebeten, auf geplante Ferien zu verzichten.

Studenten und Pensionierte helfen aus

Das Universitätsspital Lausanne hat wegen der Corona-Epidemie bereits vor dem Wochenende einen Ferienstopp verhängt. Bis mindestens Ende April müssen Mitarbeiter auf ihre Ferientage verzichten. Diese Massnahme sei notwendig, um die Pflege der Patienten gewährleisten zu können, erklärte die Leitung der Waadtländer Klinik.

Andere grössere Spitäler haben bisher darauf verzichtet, einen flächendeckenden Ferienstopp für das Klinikpersonal zu verhängen, wie eine Umfrage von CH Media zeigt. Bisher sei dies nicht notwendig gewesen, sagen die Verantwortlichen unisono.

Exemplarisch erklärt ein Sprecher des Kantonsspitals Baden: Man beurteile die Lage laufend und werde auch einen Ferienstopp ins Auge fassen, sobald man das zu erwartende höhere Patientenaufkommen bewältigen müsse. Dass eine entsprechende Massnahme für Ärzteschaft und Pflegekräfte noch angeordnet wird, scheint vielerorts jedoch nur eine Frage der Zeit.

«Der Betrieb kann aktuell mit dem regulären Personal bestritten werden», sagt eine Sprecherin des Universitätsspitals Zürich. Ähnlich klingt es beim Berner Inselspital. «Unsere Einschätzung kann sich jedoch jederzeit ändern», heisst es. Keine Personalengpässe verzeichnet bisher auch das Universitätsspital Basel, wie dessen Sprecher bestätigt. «Natürlich kann es aber sein, dass aufgrund einer neuen Lagebeurteilung ein Ferienstopp ausgesprochen werden muss.»

«Wir haben unter uns Studentinnen und Studenten schnell gemerkt, dass in dieser aussergewöhnlichen Lage viele helfen wollen.»

In manchen Abteilungen liefen ohnehin schon Absprachen, wer wann frei nehme. «Die Einsatzbereitschaft ist hoch», sagt der Sprecher. Nach der Absage der Fasnacht hätten Angestellte gar von sich aus angeboten, ihre Ferientage zurückzugeben.

In den Planungen der Kliniken spielen teilweise auch Medizinstudenten im letzten Studienjahr eine Rolle. Sie haben bereits in Spitälern gearbeitet und bringen praktische Erfahrung mit. Die Medizinstudenten Leonie Plastina und Nikola Rakic haben in Zürich betroffene Institute des Universitätsspitals angeschrieben und ihre Hilfe angeboten. «Wir haben unter uns Studentinnen und Studenten schnell gemerkt, dass in dieser aussergewöhnlichen Lage viele helfen wollen», sagt Plastina. Ab dieser Woche sollten die ersten Studenten bereitstehen. Sie werden für ihren Einsatz geschult.

Vielerorts befasst man sich zudem mit der Frage, welche Hilfsdienste pensionierte Ärzte und Pflegefachkräfte übernehmen könnten. Das Universitätsspital Basel hat per Stelleninserat nach Ärzten im Ruhestand gesucht. Hier gilt es aber allgemein zu bedenken, dass Pensionierte teilweise selbst zur Risikogruppe gehören.

Das Tessin hat derweil seine medizinische Versorgung neu organisiert. Das Kantonsspital von Locarno wurde zum Covid-19-Spital umgerüstet. Ab sofort werden alle Tessiner Corona-Patienten nur noch dort behandelt. Ähnlich im Kanton Basel-Landschaft: Zur Sicherstellung der Spitalversorgung hat die Kantonsregierung das Bruderholz-Spital an der Basler Stadtgrenze zur Spezialklinik für Corona erklärt.

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Score 16.03.2020 16:38
    Highlight Highlight Also so wie ich das immer interpretiere braucht es vor allem Beatmungsmaschinen oder?
    • Wupsie 17.03.2020 10:39
      Highlight Highlight Nicht nur, es fehlen auch Leute, die wissen wie man ein Beatmungsgerät bedient. Diese sind so schon Mangelware. Es gibt in der Schweiz viel zu wenige Pflegefachleute mit einer zusätzlichen Intensivstationausbildung.
  • Chris Senn 16.03.2020 12:34
    Highlight Highlight [...]Doch rund jeder fünfte Infizierte dürfte laut Experten ernst oder schwer erkranken.[...], kann mir jemand erklären woher die Zahl stammt? Konnte im verlinkten Artikel nichts finden? (Vielleicht hab ichs ja überlesen.)
  • twentynine 16.03.2020 11:14
    Highlight Highlight Wenn das Ganze überstanden ist, bitte mindestens je 10’000 CHF Prämie für alle die sich im Gesundheitswesen den Arsch aufgerissen haben, und dann eine substantielle Lohnerhöhung!
    • blueberry muffin 16.03.2020 12:33
      Highlight Highlight Wäre vorallem für das Pflege Personal an der Zeit.

      Dafür darf gerne der Lohn vom Krankenkassen Management gekürzt werden.
    • Markus97 16.03.2020 14:41
      Highlight Highlight Gerne, aber dann nicht wegen den krankenkassenprämien motzen.
  • Pipikaka Man 16.03.2020 10:05
    Highlight Highlight Wenn schon nicht jeder gelockdowned wird, wäre ich dafür das man die Armee teilmobilisiert und die Risikogruppen unter Zwangsquarantäne zu ihren eigenen Schutz stellt. Der Rest der Bevölkerung wird mit noch mehr einschneidenden Massnahmen leben müssen. Die ungefährdeten werden dann eine Herdenimmunität aufbauen, etwas was gewisse Wissenschaftler denken, das es funktionieren könnte. Würde man das machen hält man den Spitälern den Rücken frei und minimiert den Massenansturm erheblich und kann sich viel Zeit erkaufen.
  • thatvphissue 16.03.2020 09:42
    Highlight Highlight Man stelle sich das vor: ganze Spitäler. D.h. alle Betten da. Und der Bundesrat kommuniziert, dass er zusammengesessen ist und geplaudert hat. Ende Kommunikation. Wie fantastisch. Noch nichtmal die Ankündigung einer Pressekonferenz. Derweil einzelne Kantone was machen und die anderen nicht. In Tschechien haben sie gestern Abend spät noch eine Pressekonferenz auf die Beine gestellt. In der CH geht man erstmal arbeiten.
  • hässig 16.03.2020 09:27
    Highlight Highlight Leute nehmt es endlich ernst! Dieses Wochenende war alles überfüllt, weil schönes Wetter war, als ob es gar keine Pandemie gäbe. Arbeitgeber tuen auch so gut wie nichts gegen die Ausbreitung, bei uns gibt es kein Home office, jeder wurde einfach aufs Händewaschen hingewiesen und alle sitzen entfernt voneinander an ihren Tischen. Stoppt endlich ans Geld zu denken, Gesundheit ist wichtiger!!

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