Schweiz
Coronavirus

Berset möchte Turbo-Öffnung – GDK-Chef Engelberger mahnt zur Vorsicht

Berset möchte Turbo-Öffnung – GDK-Chef Engelberger mahnt zur Vorsicht

30.01.2022, 06:0930.01.2022, 12:08

Gesundheitsminister Alain Berset bereitet laut der «SonntagsZeitung» eine Turbo-Öffnung vor. Bereits am Mittwoch sei geplant, die Homeoffice-Pflicht und die Quarantäne nach Kontakten mit Infizierten zu streichen. Ausserdem werde der Bundesrat die Aufhebung aller weiterer Massnahmen gegen das Coronavirus den Kantonen zur Konsultation vorlegen, berichtet das Blatt gestützt auf Quellen im Bundeshaus.

Bundesrat Alain Berset, rechts, spricht vor Regierungsrat Jean-Pierre Gallati waehrend einer Medienkonferenz zur aktuellen Situation im Zusammenhang mit dem Coronavirus im Kanton Aarau, am Freitag, 28 ...
Möchte die Lockerungen vorantreiben: Bundesrat Alain Berset.Bild: keystone

Am 16. Februar könnte die Öffnung im besten Fall beschlossen werden. Noch offen blieb, wann die Masken fallen dürfen. Auch die Isolationspflicht für Infizierte und das Testgebot bei Symptomen sollen bleiben.

Engelberger mahnt zur Vorsicht

Lukas Engelberger, Präsident der Gesundheitsdirektoren-Konferenz, will mit grossen Lockerungsschritten der Pandemie-Schutzmassnahmen noch zuwarten. Die von Bundesrat Alain Berset angekündigten Lockerungen nannte er «in der Tonalität sehr optimistisch».

Lukas Engelberger, Praesident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) spricht waehrend einer Medienkonferenz ueber das weitere Vorgehen bei der Bekaempfung des Coro ...
Lukas Engelberger möchte vorsichtig bleiben, was die Massnahmen betrifft.Bild: keystone

Damit wecke der Bundesrat Erwartungen, sagte Engelberger im Interview mit dem «SonntagsBlick». Die Massnahmen verhinderten einen Kollaps der Spitäler und sollten systemrelevante Betriebe schützen. «Deshalb müssen wir mit den grossen Lockerungsschritten zuwarten, bis der Höhepunkt der Omikron-Welle erreicht ist.»

Unbeliebte Maskenpflicht

Er habe Verständnis dafür, dass Berset zur Aufhebung der Quarantäne und der Homeoffice-Pflicht keine neue Konsultation der Kantone durchführe. Eine Aufhebung von 2G und der Zertifikatspflicht im Inland hingegen dürften nicht ohne Vernehmlassung beschlossen werden.

Nachdem Grossbritannien und Dänemark die Maskenpflicht aufgehoben habe, solle die Schweiz nicht nachziehen. «Die Maskenpflicht ist unbeliebt», räumte der Baselstädter Gesundheitsdirektor ein. «Doch sie ist ein relativ milder Eingriff in unsere Freiheiten.»

«Wir sind jetzt nicht einfach aus dem Schneider», mahnte Engelberger. In seinem Kanton seien die Intensivstationen zwar stabil. Doch die Spitaleintritte hätten in der vergangenen Woche um fast ein Drittel zugenommen. «Es ist also ein uneinheitliches Bild.»

«Nicht wie ein Krieg»

Engelberger warnte davor, die Pandemie voreilig für beendet zu erklären. «Die Pandemie endet nicht wie ein Krieg mit einem Waffenstillstand um zwölf Uhr mittags.» Sie ebbe ab, und neue Mutationen könnten die Lage auch wieder verschlechtern.

Gesundheitsminister Alain Berset hatte am Freitag bereits auf den 2. Februar eine Aufhebung der Quarantäne- und Homeoffice-Pflicht in Aussicht gestellt. Über weitere Lockerungen wollte er sich noch nicht konkret äussern. Er kündigte in der «Samstagsrundschau» aber Vernehmlassungen zur Anpassung weiterer Massnahmen an.

Die Zeit der harten Massnahmen sei zu Ende, sagte Berset in der Radiosendung. Denn trotz sehr hohen Fallzahlen drohe derzeit keine Überlastung des Gesundheitswesens. (saw/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Einer der letzten Holocaust-Überlebenden über das KZ und Corona
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Natalie Rickli will nicht in den Bundesrat
Bei der Nachfolge von Guy Parmelin kassiert die SVP die Absage einer weiteren prominenten Politikerin: Natalie Rickli will nicht ins Bundeshaus, sondern weiterhin im Zürcher Regierungsrat politisieren.
Natalie Rickli wird nicht neue SVP-Bundesrätin und Nachfolgerin von Guy Parmelin. Das gab die Zürcher Politikerin am Montag bekannt. Stattdessen will sie weiterhin im Regierungsrat bleiben, wo im April 2027 Wahlen anstehen. «Ich will meine Verantwortung im Kanton Zürich wahrnehmen und mich weiterhin mit Motivation und Engagement für die Zürcher Bevölkerung einsetzen», sagt sie.
Zur Story