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Personenwagen stauen sich im Abendverkehr auf der Autobahn A1 auf der Nordumfahrung Zürich vor dem Nordportal des Gubrist Tunnels.
Personenwagen stauen sich im Abendverkehr auf der Autobahn A1 auf der Nordumfahrung Zürich vor dem Nordportal des Gubrist Tunnels.Bild: KEYSTONE

Viel mehr Stau seit den Herbstferien: Ende des Home-Office treibt die Menschen ans Steuer

Seit den Herbstferien haben die Staumeldungen auf den Schweizer Strassen stark zugenommen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Die SBB hingegen erholen sich nur langsam.
06.11.2021, 11:42
Francesco Benini / ch media

Die Staumeldungen am Radio sind so lange, dass man sich fragt: Wäre es nicht effizienter, wenn die Sprecherin die Autobahnabschnitte verläse, auf denen der Verkehr ungehindert fliesst?

Seit dem Ende der Herbstferien nehmen die Staus und Störungen auf dem Schweizer Strassennetz stark zu. Das zeigen die Zahlen von Viasuisse. In der letzten Woche des Oktobers waren es im Schnitt 100 Staumeldungen – pro Tag. Auf einigen Abschnitten des Autobahnnetzes stockt der Verkehr nicht mehr nur in den Stosszeiten morgens und abends; auch dazwischen kommt es zu längeren Störungen.

Was ist da los? Warum diese Häufung von Staus, welche die Nerven der Auto- und Lastwagenlenker strapazieren, zu verpassten Terminen und verspäteten Auslieferungen führen?

Im Sommer hob der Bundesrat die Home-Office-Pflicht auf. Auf den Verkehr wirkt sich das so aus: Es wird wieder Auto gefahren wie vor dem Ausbruch der Pandemie. An einzelnen Tagen registriert das Bundesamt für Strassen auf einigen Abschnitten sogar deutlich mehr Fahrten als vor Anfang 2020.

ÖV erholt sich nur langsam

Bild: keystone

Der Autoverkehr ging wegen der Coronakrise zunächst um rund ein Drittel zurück. Der Einbruch bei den öffentlichen Verkehrsmitteln war heftiger: Die SBB verzeichneten Rückgänge von bis zu 80 Prozent. Nun holen die Bundesbahnen auf, aber sie tun das eher langsam. «Die Auslastung lag in der Woche vom 18. Oktober bis 24. Oktober im Fernverkehr bei 75 Prozent gegenüber 2019, im Regionalverkehr bei 70 Prozent», sagt SBB-Sprecher Martin Meier.

Trams wieder voll

Nach wie vor meiden viele Menschen die Bahn. Die städtischen Verkehrsbetriebe erholen sich hingegen schneller: Die VBZ in Zürich melden, dass die Passagierfrequenz bei 92 Prozent angelangt sei verglichen mit der Zeit vor Corona.

Neben der Aufhebung der Home-Office-Pflicht gibt es weitere Faktoren, die zu einer Zunahme des Autoverkehrs führen: Nach den Lockdowns lässt sich in der Bevölkerung ein Nachholbedürfnis feststellen, was grössere Anschaffungen und Freizeitaktivitäten anbelangt. Ins Thermalbad fahren die meisten Besucher im Auto, nicht mit der Bahn.

Ausserdem führt jede wirtschaftliche Erholung zu mehr Autoverkehr. In der Schweiz sind neben den schweren Nutzfahrzeugen Tausende kleinere Lieferwagen unterwegs; sie transportieren unter anderem die Waren, welche die Konsumenten auf Online-Portalen kaufen.

Warum gibt es seit den Herbstferien so viele Staus? In den Hauptverkehrszeiten sind manche Strassen schlicht überlastet. Erschwerend hinzu kommen Baustellen. Das Limmattaler Autobahnkreuz wird derzeit saniert; die Arbeiter sperren darum Fahrspuren, was zu kilometerlangen Staus führt.

An der Zürcher Nordumfahrung wird noch bis 2025 gebaut; die Kolonnen reichen bis auf die Westachse. Auch auf der Umfahrung Winterthurs sind die Bagger aufgefahren. Barbara Roelli von Viasuisse verweist darauf, dass es im Oktober in den Morgenstunden zu mehreren Unfällen gekommen sei, die Staus verursacht hätten. Auch der herbstliche Nebel führe dazu, dass die Autos und Lastwagen weniger schnell vorankämen.

Soll die Strassenkapazität erhöht werden oder nicht?

Das Bundesamt für Strassen hat inzwischen an den Autobahnen Wechselanzeigen installiert: Steigt die Zahl der Fahrzeuge stark an, gilt Tempo 100 oder 80. Mit der tieferen Geschwindigkeit ist der Verkehrsfluss ruhiger und gleichmässiger. Auch die Umnutzung von Pannenstreifen zu Fahrspuren soll zur Limitierung der Staus beitragen.

Der Zahl der motorisierten Fahrzeuge steigt in der Schweiz jedes Jahr um 30'000 bis 40'000. Soll die Strassenkapazität weiter ausgebaut werden oder nicht? Politiker aus dem rot-grünen Lager sind dagegen. Sie sagen, dass ein Ausbau nur mehr Verkehr anziehe und darum letztlich nichts bringe.

Bild: keystone

Thierry Burkart, FDP-Präsident und Präsident des Nutzfahrzeugverbandes Astag, findet hingegen, dass die Kapazität an den neuralgischen Stellen des Autobahnnetzes erhöht werden sollte. Andernfalls weiche der Verkehr auf Kantonsstrassen aus, was die Anwohner belaste. Er sagt:

«Die wachsende Wirtschaft und die Zuwanderung führen dazu, dass die Schweiz ihre Infrastruktur anpassen muss. Tut sie das nicht, fällt das Land zurück.»

Im Kanton Aargau sollen bis 2030 mehrere Abschnitte der A1 auf sechs Spuren ausgebaut werden. Ziel ist es, dass der Verkehr frühmorgens und abends nicht mehr stillsteht. Und die Staumeldungen, die das Radio verbreitet, nicht mehr ausufern. (aargauerzeitung.ch)

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