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Bundesrat Alain Berset, auf dem Weg zur Medienkonferenz zu den neusten Massnahmen zur Bewaeltigung der Coronavirus-Pandemie im Anschluss an die Bundesratssitzung, am Freitag, 19. Maerz 2021 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Bundesrat Alain Berset, auf dem Weg zur Medienkonferenz zu den neuesten Corona-Massnahmen am Freitag, 19. März 2021 in Bern. Bild: keystone

Medienkonferenz des Bundesrates verpasst? Das waren die wichtigsten 5 Aussagen

Die Lockerungsträume mancher Kantone und Branchen sind geplatzt: Der britische Mutant lässt die Zahlen steigen. Die fünf essentiellen Punkte des Bundesrats.



Die epidemiologische Lage der Schweiz ist seit einer Woche wieder etwas angespannter: Die britische Virusmutation lässt die Zahlen steigen. Der Bundesrat lockert deshalb nur in einem Punkt, bittet um Geduld und will mehr testen.

Die Pressekonferenz von Bundesrat Alain Berset in fünf Punkten zusammengefasst:

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Eine Prise Geduld, bitte

Gesundheitsminister Alain Berset hat die Menschen für einige weitere Wochen um Geduld gebeten. Gerade über Ostern, wenn mehr Menschen unterwegs seien und sich träfen, gelte es, besonders aufmerksam zu sein, sagte er an der Medienkonferenz.

«Ein anderer Entscheid wäre in der jetzigen Lage nicht gerechtfertigt.»

Alain Berset

«Ein anderer Entscheid wäre in der jetzigen Lage nicht gerechtfertigt», sagte der Gesundheitsminister. Für die betroffenen Branchen, aber auch Veranstalter und Kulturschaffende sei die Lage sehr schwierig, etwa für den Tourismus.

Der Bundesrat habe bei seiner Strategie in der Pandemie einen Mittelweg gewählt. Er habe keine Null-Corona-Politik angestrebt, noch habe er die Dinge einfach laufen lassen wollen. Diese Strategie habe es erlaubt, ab 1. März Läden wieder zu öffnen und jetzt die Fünferregel für private Treffen fallenzulassen.

Erst impfen, dann lockern

Die nächsten Lockerungsschritte sollen laut dem Bundesrat erst erfolgen, «wenn alle Risikogruppen geimpft sind». Das sei heute noch nicht der Fall.

Bundesrat Alain Berset, spricht an der Medienkonferenz zu den neusten Massnahmen zur Bewaeltigung der Coronavirus-Pandemie im Anschluss an die Bundesratssitzung, am Freitag, 19. Maerz 2021 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Bundesrat Alain Berset spricht an der Medienkonferenz am 19. März 2021. Bild: keystone

Gleichzeitig verschlechtere sich die epidemiologische Situation. Drei von vier Richtwerten für rasche Öffnungen würden nicht eingehalten. Berset verteidigte diese Kriterien: «Sie wurden in der Vernehmlassung im Februar von den Kantonen begrüsst.» Auch das Parlament habe keine Retuschen angebracht.

«Für mehr [Lockerungen] ist es jetzt zu früh.»

Alain Berset

Berset kommentierte den Entscheid des Bundesrats als «schwierig». Der Bundesrat übernehme aber seine Verantwortung und müsse immer ein Gleichgewicht finden. «Wir haben vier Monate gebraucht, um auf das heutige Niveau zu kommen.» Diese Anstrengungen dürfe man nun nicht aufs Spiel setzen. «Wir wollen die Krise nicht verlängern. Wenn die Welle jetzt hochgeht, geht es viel länger, bis wir da wieder rauskommen», sagte Berset.

Die aktuelle Impf-Situation:

Es gebe 120 Corona-Impfstoffe, die letztes Jahr entwickelt wurden: «Wir mussten herausfinden, welches die vielversprechendsten und wirksamsten Impfstoffe sind», sagt Alain Berset. Die Schweiz habe die drei schnellsten gewählt: Astrazeneca, Pfizer/Biontech und Moderna.

Der Zulassungsentscheid für den Astrazeneca-Impfstoff stehe noch aus, sagt Nora Kronig vom BAG. Trotzdem beschaffe sich die Schweiz fünf Millionen Dosen des Vakzins des schwedisch-britischen Herstellers.

Was aber, wenn die Impfbereitschaft geringer ist, als der Bundesrat erwartet? Es sei eine persönliche Entscheidung, ob sich eine Person impfen lasse. Es sei eine Frage der Eigenbeantwortung und wenn sich so viele Leute nicht impfen lassen wollte, sei es schwierig, noch einschneidende Massnahmen zu rechtfertigen. «Dann kann der Bund auch nichts tun», sagt Berset.

80 Prozent Mutanten

Der Hauptgrund für die sich verschlechternde Lage in der Schweiz ist laut Bundesrat der britische Mutant: Die Virusmutation mache inzwischen bereits 80 Prozent der Fälle aus, sagt Alain Berset. Da sie ansteckender sei, rufe sie bei den gleichen Massnahmen mehr Coronafälle hervor. Die Teststrategie muss sich jetzt erst entfalten können. Berset betont nochmals: «Für alle die sich treffen im Privaten: Gehen Sie sich vorher testen!»

«Es ist unbestritten, dass die britische Variante deutlich ansteckender ist.»

Patrick Mathys

Unsicherheiten lösen laut Berset auch verschiedene Studien aus, die zeigten, dass die neuen Virusvarianten gefährlicher seien als der ursprüngliche Typ. Auch für die weiterhin angespannte Situation in der Schweiz sei die agressivere Virusmutation B.1.1.7 verantwortlich.

Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewaeltigung und internationale Zusammenarbeit, Bundesamt fuer Gesundheit BAG, links, spricht an der Seite von Nora Kronig, Leiterin Abteilung Internationales im BAG, rechts, an der Medienkonferenz zu den neusten Massnahmen zur Bewaeltigung der Coronavirus-Pandemie im Anschluss an die Bundesratssitzung, am Freitag, 19. Maerz 2021 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit, Bundesamt für Gesundheit BAG. Bild: keystone

Auf die Frage, ob die britische Mutation tödlicher sei als das Ursprungsvirus, antwortet Patrick Mathys vom BAG: «Es ist unbestritten, dass die britische Variante deutlich ansteckender ist.» Ausserdem seien die Verläufe schwerer und Mortalität erhöht. Um sich auf konkrete Zahlen zu stützen, sei es jetzt allerdings zu früh.

«Testen Sie sich unbedingt»

Bundesrat Alain Berset ruft die Bevölkerung dazu auf, sich künftig vor einem Treffen in Innenräumen – zum Beispiel an den Ostertagen – einem Antigen-Test in einer Apotheke zu unterziehen. Dann wisse man Bescheid über eine mögliche Ansteckung, bevor man andere Leute treffe.

«Machen Sie einen Antigen-Test bevor sie sich treffen, er ist verfügbar und gratis.»

Alain Berset

So sei ein sicheres Treffen auch im Privaten möglich. Ihm sei aber bewusst, dass die Massnahme mit der beschränkten Personenzahl noch immer einschneidend sei. Es sei selbstverständlich klar, dass der Entscheid vom Freitag revidiert würde, wenn sich die Situation verbessern sollte, «was wir alle hoffen», sagte Berset. Leider sehe es jetzt anders aus.

Immerhin sei die Schweiz nicht auf derselben Spur wie die Nachbarländer, wo die Aktivitäten wieder heruntergefahren würden. Das solle in der Schweiz verhindert werden. «Wir hoffen schwer, dass wir so die Situation im Griff behalten können in der nächsten Zeit», sagte Berset zum Entscheid vom Freitag.

Kritik an Mini-Öffnung

Bereits wird Kritik laut an der Vertröstung des Bundesrats: Sowohl die Kantone als auch die Gastro- und Fitnessbranche reagieren unzufrieden auf die Mini-Öffnung für Familien und den Appell an die Geduld. Für die Mehrheit der Kantone sei es enttäuschend, dass der Bundesrat die meisten vorgeschlagenen Öffnungsschritte vertagt habe, teilt etwa die Gesundheitsdirektion mit.

«Die Situation hat sich in den letzten sieben Tagen wieder massiv verschlechtert.»

Alain Berset

Obwohl die Direktion den Entscheid des Bundesrats bedaure, sieht Alain Berset die Zusammenarbeit nicht gefährdet. Man sei sich immer wieder nicht einig, das gehöre dazu. «Wir versuchen, alle Meinungen zu integrieren.»

Auf die Frage, weshalb im Privaten gelockert wurde, Restaurants (mit und ohne Terrassen) sowie Veranstaltungen aber weiterhin abwarten müssen, antwortet Berset: «Die Situation hat sich in den letzten sieben Tagen wieder massiv verschlechtert». Das Ziel sei, in vier Wochen einen weiteren Öffnungsschritt zu machen – dann jedoch mit mehr Stabilität.

«Fürchten Sie, dass die Glaubwürdigkeit des Bundesrates verloren geht?», fragt ein Medienschaffender den Bundesrat. Dieser antwortet: «Wir hätten uns alle gewünscht, dass sich die Lage anders entwickelt». Der Bundesrat muss die Situation zu managen und vulnerablen Personen schützen. «Ich hoffe auf das Verständnis der Bevölkerung. Es ist nicht angenehm oder einfach, was wir tun.»

(adi/sda)

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