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Schweiz
Coronavirus

Schweiz: Berger nimmt erstmals Stellung zu seiner Entführung

Impf-Chef Berger über Entführung: «Täter hatte mich eine Stunde lang in seiner Gewalt»

10.04.2022, 20:16

Erstmals nimmt Christoph Berger Stellung zu den Vorgängen seiner Entführung am 31. März 2022. Berger selbst hatte den Eindruck, die Entführung stehe nicht mit seinem Amt bei der Impf-Kommission im Zusammenhang. Dem Täter ginge es um Geld. Sein Statement:

«Ich bin letzte Woche Opfer der Entführung im Kanton Zürich geworden, über die in verschiedenen Medien berichtet wurde.

Das Medium, das meinen Namen als Opfer der genannten Straftat publiziert hat, brachte diese Straftat mit meiner Rolle als Präsident der Impfkommission in Verbindung. Dieses Narrativ widerspricht meinem persönlichen Erleben während der Entführung. Gleichzeitig sind mir die grossen emotionalen und gesellschaftlichen Spannungen bewusst, die Impffragen in den letzten beiden Jahren erhalten haben.

Der mir bis dahin unbekannte Täter hatte mich eine gute Stunde in seiner Gewalt. Er hat mich in dieser Zeit mit der Forderung eines substanziellen Geldbetrags konfrontiert. Diese Forderung hat er mit Drohungen verknüpft, was passieren könnte, wenn ich der Forderung nicht innert der von ihm genannten Frist nachkäme. Es standen also einzig wirtschaftliche Interessen des Täters im Vordergrund. Bezüge zu meiner Rolle als Präsident der Impfkommission machte der Täter dabei nicht. Nachdem ich dem Täter die Erfüllung seiner Forderung zugesichert hatte, liess er mich wieder frei. Ich habe mich danach sofort mit der Kantonspolizei in Verbindung gesetzt, die mich und meine verängstigte Familie seither sehr gut betreut. Der Schutz meiner Familie stand in dieser Phase und selbstverständlich auch jetzt noch für mich an erster Stelle.»
Christoph Berger.

Am Mittwoch, 6. April, sorgte eine Polizeimeldung für Schlagzeilen. In Wallisellen ZH kamen bei einem Polizeieinsatz zwei Personen ums Leben. Ein 38-jähriger Mann tötete seine 28-jährige Begleiterin, ehe er selbst bei einem Schusswechsel mit der Polizei uns Leben kam. Grund für den Polizeieinsatz war eine vorangegangene Entführung: Der 38-Jährige hatte am 31. März einen Mann gekidnappt und mit Waffen bedroht, ehe er ihn noch in derselben Nacht wieder gehen liess.

Christoph Berger, Praesident Eidgenpessische Kommission fuer Impffragen EKIF, rechts, und Tanja Stadler, Praesidentin National COVID-19 Science Task Force, waehrend einer Medienkonferenz zur aktuellen ...
Christoph Berger bei einer Medienkonferenz zur Corona-Pandemie am 22. März.Bild: keystone

Flat-Earther festgenommen

Eine Verbindung zu Corona-Massnahmengegnern gibt es allerdings. Die Staatsanwaltschaft Zürich gab am Freitag bekannt, in Zusammenhang mit dem Vorfall in Wallisellen einen 34-jährigen Schweizer festgenommen zu haben. Es werde derzeit abgeklärt, wie und ob er an der Tat beteiligt gewesen sei, so die Polizei. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Gemäss dem «SonntagsBlick» handelt es sich beim 34-Jährigen um den Geschäftspartner des Entführers – einen «glühenden Verschwörungstheoretiker», wird berichtet. Dieser soll bekennender Anhänger der Flat-Earth-Theorie sein, also der festen Überzeugung, die Erde sei flach.

Zudem soll er gemäss dem «Blick» bei einer Demonstration von Corona-Massnahmengegnern in Liestal mitmarschiert sein. Dabei soll er mit einem Transparent mit dem Schriftzug «The earth ist flat» sowie einem QR-Code, der zu einer Website mit Verschwörungstheorien, die unter anderem den Holocaust leugneten, durch die Strassen gezogen sein.

Anhaenger des Vereins Stiller Protest bei einer Demonstration gegen die Massnahmen zur Eindaemmung des Coronavirus in Liestal, am Samstag, 20. Maerz 2021. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
In Liestal BL nahmen über 10'000 Leute an einer Demonstration gegen Corona-Massnahmen teil.Bild: keystone

Zahlreiche Anfeindungen und Drohungen

Die Entführung von einem der präsentesten Exponenten der Schweizer Corona-Politik könnte die Spitze des Eisbergs sein, den es seit Beginn der Pandemie gibt. Zu einem derartigen Zwischenfall war es bisher nicht gekommen, allerdings wurden Politiker und Experten zuletzt immer wieder bedroht. Laut einer Statistik des Bundesamtes für Polizei stieg die Anzahl Bedrohungen in der Schweiz im Jahr 2021 auf 1215 an. Damit sind die Meldungen mehr als viermal so hoch wie noch vor zwei Jahren.

Leute aus der Corona-Politik sind dabei stark betroffen: Der oberste Kantonsarzt Rudolf Hauri sagte gegenüber der «NZZ am Sonntag», in den letzten Jahren seien «Beschimpfungen und auch sehr konkrete Gewaltdrohungen» an Corona-Exponenten gerichtet worden. Einzelne Personen würden deshalb polizeilich überwacht. FDP-Politiker Christian Wasserfallen wurde gedroht, er und seine Partei würden «gerichtet werden». Mitte-Nationalrat Lorenz Hess erfuhr von einem Aufruf, ihn «kaltzumachen». Und SP-Gesundheitsminister Mathias Reynard erhielt Morddrohungen, als er sich im Oktober für ein Ja zum Covid-Gesetz aussprach. (dab)

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