DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Für die Wissenschaft ist klar: Genesene und Geimpfte sind gleich gut geschützt

Die Deutsche Gesellschaft für Virologie und die Schweizer Covid-Taskforce sagen, dass man Genesene gleich behandeln könne wie Geimpfte. Doch das BAG wartet dennoch zu mit der Verlängerung des Zertifikates.
05.10.2021, 08:08
Sabine Kuster / ch media
Mit dem Zertifikat ein ganzes Jahr lang an Konzerte? Das sollte für Genesene laut dem wissenschaftlichen Update möglich sein.
Mit dem Zertifikat ein ganzes Jahr lang an Konzerte? Das sollte für Genesene laut dem wissenschaftlichen Update möglich sein.Bild: keystone

Die wissenschaftliche Meinung ist inzwischen recht einheitlich: Genesene sollen mindestens gleich behandelt werden wie Geimpfte. Auch die Gesellschaft für Virologie in Deutschland setzt sich in einer aktualisierten Stellungnahme dafür ein.

Die Virologen schreiben, in den ersten Monaten der Pandemie sei man von einer nur kurzlebigen, schützenden Immunität ausgegangen, weil einige Antikörper-Typen bereits wenige Monate nach der Infektion nicht mehr messbar gewesen seien.

«Auf Grund dieser aktuellen Erkenntnisse sollten Genesene bei der Pandemie-Bekämpfung den vollständig Geimpften für mindestens ein Jahr gleichgestellt werden.»
Gesellschaft für Virologie (2021): Aktualisierte Stellungnahme zur Immunität von Genesenen.

Aber: «Diese Einschätzung ist mittlerweile überholt. In einer Vielzahl von Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass eine Sars-CoV-2 Infektion beim Menschen zur Ausbildung immunologischer Gedächtniszellen führt.» Diese sorgen dafür, dass bei erneutem Kontakt mit dem Erreger schnell Antikörper hergestellt werden. Sie seien auch in der Lage, Varianten von Sars-CoV-2 effizient zu neutralisieren. Wenn eine Infektion nicht verhindert werden könne, so erkrankten die Genesenen zumindest nicht schwer.

Der Langzeitschutz ist sehr hoch

In den ersten sechs Monaten bleibe der Schutz vor erneuter Corona-Infektion mindestens so gut ausgeprägt wie jener von Geimpften. «Darüber hinaus zeigen die Untersuchungen, dass eine Infektion sogar nach einem Jahr noch sehr gut vor Reinfektionen und schweren Krankheitsverläufen schützte.» Die Virologen kommen zum Schluss: «Auf Grund dieser aktuellen Erkenntnisse sollten Genesene bei der Pandemie-Bekämpfung den vollständig Geimpften für mindestens ein Jahr gleichgestellt werden.»

«Genesene sind mindestens gleich gut gegen eine Durchbruchsinfektion mit Delta geschützt, im Vergleich zu Personen welche doppelt mit Pfizer geimpft wurden.»
Schweizer Covid Taskforce (2021)

Dieser Meinung ist auch die Schweizer Covid-Taskforce. Am 21. September schrieb sie bereits in einem wissenschaftlichen Update: Zahlreiche neue Studien zeigten, dass der Langzeitschutz sehr hoch sei. Auf Anfrage präzisiert die Taskforce: «Genesene sind mindestens gleich gut oder besser gegen eine Durchbruchsinfektion mit Delta geschützt, im Vergleich zu Personen welche doppelt mit Pfizer/Biontech geimpft wurden.»

Vergleichsdaten von Genesenen mit Personen, welche mit Moderna geimpft wurden, seien nicht bekannt – der Langzeitschutz nach Impfung mit Moderna scheine robuster zu sein als nach Impfung mit Pfizer/Biontech.

Immunität bei Genesenen ist unterschiedlicher als bei Geimpften

«Aus wissenschaftlicher Perspektive kann die Dauer der Zertifikate von Genesenen und doppelt Geimpften angeglichen werden», sagt die Taskforce auf Anfrage. Die Taskforce sagt aber auch, letztendlich sei das eine Entscheidung von Behörden und Politik, welche idealerweise auch international koordiniert getroffen werde.

Damit widerspricht die Taskforce dem Schweizer Epidemiologen und Leiter der Studie Corona-Immunitas, Milo Puhan, der sagt, zumindest nach drei Monaten sei die Antikörper-Antwort nach einer Impfung viel konstanter und höher als nach einer Genesung. Seine Daten reichen noch nicht über sechs oder gar zwölf Monate.

Puhan und auch das BAG halten zudem den Schutz der Impfung vor den neuen Virusvarianten für höher als durch eine Erkrankung. Nani Moras vom BAG sagte letzten Samstag gegenüber dieser Zeitung: Das Ausmass der Immunität der Genesenen sei unterschiedlicher als bei Geimpften. Es brauche deshalb noch mehr Nachweise, um das Zertifikat für Genesene über sechs Monate hinaus zu verlängern.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

BAG verteilt Torte zur Feier des Impffortschritts

1 / 11
BAG verteilt Torte zur Feier des Impffortschritts
quelle: keystone / peter schneider
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Sputim legt Impfskeptiker rein

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

65 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Zamorano1
05.10.2021 09:51registriert Oktober 2021
Ohh wow, das überrasch mich voll! LOL! Das haben Experten schon vor längerer Zeit vorausgesagt. Auch auf Nature wurde vor einer Weile eine interessante Studie dazu veröffentlicht. Auch wenn keine Antikörper im Blut nachgewiesen werden können, ist der Schutz über die T-Zellen noch da.
306
Melden
Zum Kommentar
avatar
Kramofix
05.10.2021 11:21registriert August 2021
Es wäre wohl an der Zeit, dass das BAG nicht mehr von Geimpften und Genesen, sondern von Immunisierten spricht.
233
Melden
Zum Kommentar
avatar
Ragusa242
05.10.2021 08:46registriert Oktober 2019
Dann wäre auch klar, dass man zu den Geimpften auch die Genesenen zählen sollte, wenn es darum geht, wieviele sogenannt immun gegen Corona sind. Und dann sieht es punkto Herdenimmunität schon anders aus...!
215
Melden
Zum Kommentar
65
14 Jahre Ueli – 14 denkwürdige Momente
Nach 14 Jahren im Amt hat Bundesrat Ueli Maurer heute Nachmittag seinen Rücktritt bekannt gegeben. Das sind die 14 prägendsten (und lustigen) Momente.

Weniger Sorgen, weniger Falten – eines von Maurers ersten offiziellen Bundesrats-Porträts. Mit 58 Jahren wird der Zürcher Oberländer zum Bundesrat gewählt. Ob er damals schon geahnt hat, dass er 14 Jahre im Amt bleiben würde?

Zur Story