bedeckt
DE | FR
Schweiz
Coronavirus

Graubünden hat den ersten Corona-Massentest hinter sich

Ein Mann macht einen Schnelltest bei Covid-19 Flaechentests, aufgenommen am Freitag, 11. Dezember 2020, in Zuoz. Der Kanton Graubuenden fuehrt derzeit in drei Regionen freiwillige Flaechentests als Pi ...
In Graubünden durften sich über 15'000 Freiwillige kostenlos auf das Coronavirus testen lassen.Bild: keystone

Graubünden hat den ersten Massentest hinter sich – das bedeuten die Zahlen

Rund 15'000 Tests und 150 entdeckte Infizierte: So lautet das Fazit des ersten Schweizer Corona-Massentests. Der Science-Task-Force-Mann für Diagnostik erklärt, was die Resultate bedeuten.
14.12.2020, 19:3315.12.2020, 15:12
Mehr «Schweiz»

Der Kanton Graubünden hat den ersten grossflächigen Massen-Corona-Test hinter sich. Stattgefunden hat diese schweizweite Premiere am vergangenen Wochenende: Insgesamt 15'151 Personen liessen sich freiwillig ein Röhrchen in die Nase schieben, um bald darauf zu erfahren, ob Sars-CoV-2-Viren gemessen werden konnten.

Durchgeführt wurde dieser Test in den drei Bündner Regionen Bernina, Engiadina Bassa/Val Müstair und Maloja. Das erste Fazit: Es wurden 150 Personen entdeckt, die sich angesteckt hatten und mangels klarer Symptome nichts davon wussten. Das entspricht ungefähr einer Positivitätsrate von einem Prozent, wobei die Unterschiede zwischen den Regionen nicht unwesentlich sind.

150 symptomfreie Personen wurden nach dem Test isoliert

Der Kanton Graubünden veröffentlichte am Montagnachmittag die Resultate des Massentests. Die Verantwortlichen sehen einen klaren Nutzen aus dem Massentest, weil asymptomatische Personen «in erheblichem Mass zur Verbreitung und Aufrechterhaltung der Pandemie» beitragen würden – und nun eben entdeckt wurden.

Doch was sagen uns die Zahlen? Müssen wir uns Sorgen machen oder können die Gesundheitsverantwortlichen nach den Bündner Erkenntnissen «business as usual» machen? Wir haben darüber mit gesprochen.

Le professeur Didier Trono parle lors d'une conference de presse sur la nomination de Pierre-Francois Leyvraz, comme nouveau directeur general ad interiem de l'Hopital Riviera-Chablais le je ...
Didier Trono, Chef Abteilung Diagnostik der Corona-Taskforce des Bundes. Bild: keystone

Resultate sagen nichts über die Dunkelziffer

Didier Trono, Chef der Abteilung «Diagnostik» bei der Corona-Task-Force des Bundes, hat sich die ersten Ergebnisse angeschaut und stellt fest: «Die Positivitätsrate bewegt sich eher im tiefen Bereich – aber das überrascht auch nicht.» Sie würde sich etwa in dem Rahmen bewegen wie bei den Corona-Massentests im Südtirol oder in der Slowakei.

Trotzdem will er die Zahlen nicht für die gesamte Schweiz vergleichen. «Die Resultate aus Graubünden kann man nicht einfach hochrechnen. Einerseits wurden hier nur drei Bündner Regionen getestet, andererseits ist der Inzidenzwert des Kantons nicht mit anderen Landesteilen vergleichbar», sagt Trono. Er meint damit die Anzahl positiv getesteter Personen pro 100'000 Einwohner. Graubünden liegt bei diesem Wert etwa im Mittelfeld aller Kantone.

Er warnt jedoch, die Zahlen auf die Goldwaage zu legen. Der Grund liege beim Antigen-Schnelltest. «Dieser Test benötigt eine höhere Virenlast, damit das Resultat positiv ausfällt.» Sprich: Es gibt eine Dunkelziffer an Personen, die das Virus in sich tragen, aber keine Symptome haben und negativ getestet wurden. Der Kanton Graubünden schätzt ein, dass die Hälfte aller Infizierten noch nicht «entdeckt» wurden.

Massentest alleine können eine Epidemie nicht stoppen

Zudem handle es sich bei den Resultaten um eine Momentaufnahme: «Wir wissen nicht, ob eine Person, die am Samstag negativ getestet wurde, am Montag wegen höherer Virenlast erkrankt.» Man müsste dafür die Bevölkerung mehrmals testen. «Das würde man in einer idealen Welt tun, die logistischen Herausforderungen sind aber enorm.»

Doch selbst dann würden solche landesweiten Schnelltests die Epidemie nicht ganz aufhalten. Trono verweist dazu auf die Erfahrungen aus der Slowakei: Dort wurden mit enormem logistischem Aufwand zwei Drittel der 5,5 Millionen Einwohner des Landes getestet, wo Berichten zufolge nur zwischen 40 und 50 Prozent aller Infizierten entdeckt wurden.

Trono sieht trotzdem einen Vorteil für den bündnerischen Massentest: «Jetzt wissen die infizierten Personen, dass sie sich isolieren müssen. So gibt es weniger Menschen in der kleinräumigen Deutschschweiz, die beim Pendeln oder im Freizeitbereich andere Leute anstecken können.»

Der Diagnostiker schmälert jedoch allfällige Hoffnungen im Bergkanton: Wegen der «grossen Attraktivität des Engadins und der Nachbartäler» sei damit zu rechnen, dass in den nächsten Tagen durch den zu erwartenden Besucheransturm viele neue Infektionsherde entstehen – «sofern nicht strenge Schutzmassnahmen getroffen werden», so Trono.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Skurrile Stockfotos: Weihnachten während der Pandemie
1 / 20
Skurrile Stockfotos: Weihnachten während der Pandemie
Auch die Christbaumkugeln müssen sich schützen.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Diese Animation zeigt die Ansteckungsgefahr durch Gesichtsvisiere
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
41 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Lebenundlebenlassen
14.12.2020 21:07registriert März 2019
Interessant wäre doch auch tu testen wer Antikörper hat und dementsprechend umwissend Corona bereits hatte. Kann eigentlich eine Person die Antikörper hat die Anderen trotzdem noch anstecken als Übertäger?
1055
Melden
Zum Kommentar
avatar
LeChef
14.12.2020 21:34registriert Januar 2016
Ich kapiers nicht. Also waren diese 15‘000 Personen alle symptomlos? Und alle wurden mit dem Schnelltest getestet, und nicht mit dem PCR Test? Ich dachte der Schnelltest sei nur sensitiv, wenn der Erkrankte auch symptomatisch ist. Wieso ist dann die Positivitätsrate trotzdem so hoch?
718
Melden
Zum Kommentar
avatar
tinu32
14.12.2020 20:54registriert September 2015
Bei der Karte kann etwas nicht stimmen, z. B. 71% von 100000 im Tessin. Zudem macht Prozent und pro 100000 gemeinsam keinen Sinn. Was ist also gemeint?
271
Melden
Zum Kommentar
41
Einschränkung im Bahnhof Olten aufgehoben

Die Einschränkung des Bahnverkehrs im Bahnhof Olten SO ist um 17.00 Uhr aufgehoben worden. Es sei jedoch noch mit Verspätungen und einzelnen Zugausfällen zu rechnen, teilten die SBB über X, vormals Twitter, am frühen Sonntagabend mit.

Zur Story