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Psychologie Corona-Virus

Die Corona-Pandemie sorgt für mehr Depressionen, Angst- und Zwangserkrankungen. bild: shutterstock

Zwei Drittel müssen Patienten abweisen – so spitzte sich die psychische Not der Schweiz zu

Die Corona-Pandemie beschäftigt uns seit über einem Jahr. Die lebensverändernden Massnahmen schlagen aufs Gemüt. Die psychologischen Folgen für Teile der Bevölkerung spüren die Exponenten stark. Eine neue Umfrage zeigt: In der zweiten Welle ist es sogar noch schlimmer geworden.



Die Corona-Pandemie drückt auf die Stimmung. Das ist schon länger bekannt. Ebenfalls bekannt ist, dass nicht alle gleich gut damit umgehen können. Expertinnen und Experten aus den Bereichen Psychologie und Ernährung liessen hier vor drei Wochen in ihren Alltag blicken. Der Tenor war weitestgehend der gleiche: Die Probleme nehmen zu.

Jetzt bestätigt eine Umfrage der drei grossen Schweizer psychologischen Berufsverbänden FSP, ASP und SBAP diese Entwicklung. In der heute publizierten Medienmitteilung werden die Ergebnisse aus der aktuellsten Umfrage, welche am 1. März beendet wurde, veröffentlicht.

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Darin halten die Verbände fest: «Die psychische Belastung hat in der zweiten Covid-19-Welle deutlich zugenommen.» 1700 Psychologinnen und Psychologen beteiligten sich bei der Umfrage. Die Hauptergebnisse:

Depressionen, Angst- und Zwangserkrankungen

Die Auslastungen haben dabei seit September 2020, also praktisch mit Beginn der zweiten Welle, bei 60 Prozent der Befragten nochmals zugenommen. Ein Grossteil davon muss regelmässig Patienten aus Mangel an Kapazitäten an andere Stellen verweisen.

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Neun von zehn berichten, dass sich die «Problemstellungen und Symptome während der Pandemie verschlimmert haben bzw. aufgrund der Belastungssituation neue Probleme und Symptome entstanden sind». Die hauptsächlichen Erkrankungen sind Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Probleme in der Familie/Paarbeziehung sowie Probleme am Arbeitsplatz und in der Schule. Alles Probleme, die (zumindest teilweise) durch die veränderten Lebenssituationen durch die Corona-Pandemie noch verstärkt wurden. 22 Prozent berichten von einer gestiegenen Suizidalität.

Sechs Monate Wartezeit für Therapieplatz

Yvik Adler, Co-Präsidentin der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP), sagt dazu: «Bereits vor der Pandemie gab es Lücken in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung. In ländlichen Regionen und wenn Kinder und Jugendliche betroffen waren, mussten Patientinnen und Patienten bis zu sechs Monate auf einen Therapieplatz warten.»

Durch die Corona-Pandemie stieg der Bedarf weiter an. «Wenn psychische Störungen nicht frühzeitig behandelt werden, kann dies zu Chronifizierung und dauerhaften Beeinträchtigungen führen, was hohe Kosten zur Folge hat», erklärt Adler.

Warten auf den Bundesrat

Neben den knappen Behandlungsplätzen kommt ein finanzielles Problem bei Patienten noch hinzu. 86 Prozent der selbstständig erwerbenden Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (die Grundversicherung bezahlt hier die Behandlung nicht) geben an, dass Menschen aus finanziellen Gründen auf eine Behandlung verzichten oder diese früher abbrechen.

«Dieses Problem muss nun dringend gelöst werden», sagt Gabi Rüttimann, Präsidentin derAssoziation Schweizer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (ASP). Mit dem geforderten Anordnungsmodell (siehe Box) könnten hier Psychothearpieplätze, die von der Grundversicherung finanziert sind, ausgebaut werden. Der Bundesrat hat dabei seinen Entscheid für das erste Quartal 2021 angekündigt.

Gemäss der Mitteilung könnten mit frühzeitig erfolgten Behandlungen «Einsparungen von jährlich rund 500 Millionen Franken» erzielt werden.

Das fordern die grossen Psychologie-Verbände

Im offenen Brief an den Bundesrat forderten die grossen Psychologie-Verbände FSP, ASP und SBAP im Januar ein rasches Handeln bei der Einführung des Anordnungsmodells für die psychologische Psychotherapie.

Vereinfacht gesagt: Aktuell können psychologische Angebote nur über die Grundversicherung abgerechnet werden, wenn ein Arzt mit an Bord ist. Ansonsten muss der Patient mit der Zusatzversicherung einen Teil der Kosten selbst berappen. Die Plätze, welche über die Grundversicherung abgerechnet werden können, sind oft schon in «normalen» Zeiten gut besetzt.

Gemäss einer Studie im vergangenen Juni bleiben in der Schweiz rund 400'000 Personen mit behandlungsbedürftigen psychischen Störungen unbehandelt. Was zu langen Wartefristen und hohen Folgekosten führt. Mit dem Anordnungsmodell erhofft sich die Branche rund 100'000 mehr Behandlungsplätze und glaubt an den volkswirtschaftlichen Nutzen.

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