Schweiz
Coronavirus

Coronavirus: So hoch ist die Dunkelziffer wirklich

40'000 statt 5000 Infektionen täglich – so hoch ist die Corona-Dunkelziffer wirklich

Laut Ex-Taskforcechefin Tanja Stadler liegen die tatsächlichen Fallzahlen sechs bis acht mal höher.
30.06.2022, 06:4030.06.2022, 06:40
Sabine Kuster / ch media

So wenig aussagekräftig waren die gemeldeten Corona-Fallzahlen schon lange nicht mehr. Es lässt sich nur noch die Tendenz ablesen – und diese zeigt deutlich nach oben. Die Leute lassen sich so selten testen wie zuletzt im Sommer 2020, als es noch keine Antigentests gab. Täglich werden noch rund 11'000 PCR- oder Antigentests gemacht. Beim Höchststand im Januar waren es 110'000.

Tanja Stadler, Praesidentin National COVID-19 Science Task Force, spricht waehrend einer Medienkonferenz zur aktuellen Situation des Coronavirus, am Dienstag, 22. Maerz 2022 in Bern. (KEYSTONE/Peter K ...
«Momentan stecken sich unter Annahme einer Dunkelziffer von 8 etwa drei Prozent der Bevölkerung pro Woche an.»: Tanja Stadler, ehemalige Taskforce-Chefin. Bild: keystone

Eine Nachfrage beim BAG nach der Dunkelziffer hilft nicht: «Wir können das nicht beziffern. Da die Positivitätsrate bei den Tests gestiegen ist, gehen wir aber davon aus, dass die Dunkelziffer ebenfalls angestiegen ist», heisst es seitens der Medienstelle.

In der gestrigen Mitteilung des Bundes zur aktuellen Corona-Situation heisst es lediglich: «Aufgrund der vorliegenden Daten ist auch bei einer weiteren Zunahme der Fallzahlen eine starke Belastung des Gesundheitssystems wenig wahrscheinlich.»

Die Dunkelziffer eingeschätzt hat schliesslich die ehemalige Taskforce-Chefin Tanja Stadler. Sie geht davon aus, dass die Zahl der tatsächlichen Infektionen sechs bis acht mal höher sind, als die laborbestätigten Fälle. Damit ist die Dunkelziffer doppelt so hoch wie noch in der Omikron-BA.2.-Welle im März. Und Stadler sagt: «Momentan stecken sich unter Annahme einer Dunkelziffer von 8 etwa drei Prozent der Bevölkerung pro Woche an.» Das sind 260'000 Personen.

Sie geht, wie auch Epidemiologe Christian Althaus, davon aus, dass sich in der momentanen Welle rund 15 Prozent anstecken werden. Das würde bedeuten, dass die BA.5-Fallzahlen im Juli ihren Peak erreichen könnten.

Weniger Long Covid wegen Omikron

Auch Stadler ist bezüglich der Spitäler optimistisch: Statt 11'000 Corona-Patienten wie in der BA.1/BA.2-Welle rechnet sie «nur» noch mit einer vierstelligen Zahl an Hospitalisierungen in dieser Sommerwelle. Auch für jene, die zwar Symptome haben, aber nicht ins Spital müssen, sieht es etwas besser aus als während Delta wütete: Die Zahl der Long-Covid-Fälle nach einer Omikron-Infektion wird auf einen einstelligen Prozentbereich geschätzt und nicht wie davor auf rund 20 Prozent.

Infektionen zu vermeiden ist immer noch wichtig: David Nabarro, Covid-19 Sonderbeauftragter der WHO sagte am Dienstag, er denke nicht, dass man mit jeder Infektion besser geschützt sei, da sich das Virus zu schnell wandle. Hingegen gehe man jedes Mal das Risiko von Long Covid ein.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
«Er lebt, er lebt» – Shanghai-Senior wird für tot gehalten
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
USA geben grünes Licht für Mini-AKW – was das für die Schweiz bedeutet
Die USA geben grünes Licht für einen neuartigen Kleinreaktor. Weltweit wird in modulare Kernreaktoren investiert. Ein Modell für die Schweiz?
Der Energiehunger in den USA ist riesig, auch weil der Ausbau von Rechenzentren den Strombedarf zunehmend erhöht. Deshalb steht die Kernenergie wieder im Fokus. Da stellt sich die Frage, ob die Atomkraft schnell genug ausgebaut werden kann. Nun hat die US-Atomaufsichtsbehörde NRC erstmals eine Baubewilligung für einen kleinen wassergekühlten Atomreaktor, einen Small Modular Reactor (SMR), erteilt.
Zur Story