Sonderfall Schweiz: In keinem anderen Land konnte die Bevölkerung während der Covid-19-Pandemie über die von der Regierung beschlossenen Schutzmassnahmen abstimmen – im Juni 2021, im November 2021 und im Juni 2023.
Dreimal sagte die Bevölkerung Ja, stets mit etwas mehr als 60 Prozent Zustimmung. «Das hat viel zur Akzeptanz der Massnahmen in der Bevölkerung beigetragen», sagt Matthias Egger. Der Professor für Epidemiologie an der Universität Bern war der erste Präsident der Science-Taskforce, die den Bundesrat während der Pandemie beriet.
Für Egger als Wissenschafter hatten die Abstimmungen noch einen anderen positiven Effekt. Sie lieferten ihm für seine Forschung Daten, die in keinem anderen Land verfügbar waren: die Abstimmungsergebnisse jeder einzelnen Gemeinde. Und diese förderten nun eine brisante Erkenntnis zutage: «In einer Studie konnten wir nachweisen, dass in Gemeinden mit einem höheren Nein-Anteil zu den Covid-Massnahmen mehr Menschen an Covid starben», sagt Egger.
Publiziert wurde die Arbeit im «European Journal of Public Health» unter dem Titel: «Lokale Übersterblichkeit in Zeiten von Covid-19 in der Schweiz».
Als Grundlage dafür dienten die Daten der ersten Abstimmung über das Covid-Gesetz vom Juni 2021. Zudem berechneten Egger und seine Mitarbeitenden für jede Gemeinde die Übersterblichkeit während der Pandemie – also die Differenz der statistisch zu erwartenden Zahl Verstorbener und der Zahl der tatsächlich gestorbenen Personen pro Gemeinde.
Egger räumt ein, dass die Berechnung der Übersterblichkeit für einzelne Kleinstgemeinden schwierig sei, weil sich ein einzelner Todesfall stark auswirken könne. Doch das Ergebnis sei klar:
Frühere Studien zeigten bereits, dass sozioökonomische Faktoren wie etwa ein tiefes Bildungsniveau, die Wohnverhältnisse oder der Beruf das Risiko erhöhten, an Covid-19 zu erkranken; jüngst publizierte das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) einen entsprechenden Bericht. Es sind Erkenntnisse, die Eggers neue Studie bestätigt. Wie auch, dass die grenznahen Gebiete im Südtessin, in Genf und der Ostschweiz stark betroffen waren.
Neu ist, dass ausserdem ein politischer Faktor Einfluss hatte auf das Sterberisiko. Wie lässt sich das erklären? «Naheliegend ist, dass jene Personen, die Nein stimmten, grundsätzlich skeptisch waren gegenüber Schutzmassnahmen und diese folglich weniger befolgten», sagt Egger.
Das Phänomen zeige sich vorab in ländlichen Gebieten. Anders als in den Städten und Agglomerationen, wo viele Menschen einen Bürojob haben, konnten sich die Berufsleute auf dem Land oft nicht einfach ins schützende Homeoffice zurückziehen: «Wer Postautochauffeur ist, im Service arbeitet oder auf der Baustelle, war exponierter und erlebte auch viele der gesetzlich vorgeschriebenen Schutzmassnahmen unmittelbarer; möglicherweise führte das zu einer stärkeren Ablehnung.»
Dies seien lediglich Interpretationen, sagt Egger:
(aargauerzeitung.ch)
Es ist traurig, wie die Zivilisation, die vermutlich am einfachsten auf Wissen zurückgreifen kann, es teilweise am schlechtesten macht.
Die Menschheit existierte seit tausenden von Jahren, wir haben als Zivilisation viele Fehler gemacht und sogar viele Fehler wiederholt. Dabei haben wir aber stets Wissen aufgeschrieben. Jetzt müssen wir dieses Wissen nutzen, um das erneute Begehen ebendieser Fehler zu vermeiden und eine bessere Zukunft zu haben …
Was Mr. "Kä Luscht" wohl dazu meint? Oder übernimmt der Rechtspopulist endlich mal Verantwortung?