Verschlüsselter Bundesrat-Chat bleibt trotz deutscher Übernahme auf Messenger Threema
Millionen Schweizerinnen und Schweizer tauschen sich in einer Chatgruppe mit den Arbeitskollegen rasch und unkompliziert über geschäftliche Themen aus, zwischendurch vielleicht auch mal über Privates: ein Ferienfoto, Geburtstagsglückwünsche oder die Frage, wo man sich zum Mittagessen trifft.
Für Angestellte der Bundesverwaltung gilt seit 2019: Berufliche Kommunikation via Messenger hat über das Angebot Threema Work des Schweizer Unternehmens Threema zu erfolgen. Davor hatten einige Departemente auf WhatsApp gesetzt, einem Angebot des US-Techgiganten Meta. Dies hatte Bedenken bezüglich der Datensicherheit ausgelöst.
Auch der Bundesrat hat eine eigene, verschlüsselte Threema-Chatgruppe. Dort tauscht sich die Landesregierung regelmässig über aktuelle Themen aus. Wie aus dem PUK-Bericht hervorging, setzte Finanzministerin Karin Keller-Sutter ihre Bundesratskollegen am Vorabend des Deals mit der UBS zur Rettung der Credit Suisse via Threema-Chat über den aktuellen Stand der Verhandlungen in Kenntnis.
Threema wirbt mit hohen Standards bei Datensicherheit und Privatsphäre – und mit Swissness. Das Angebot Threema Work biete eine «hochsichere Kommunikation für Unternehmen», schreibt die Firma auf ihrer Website. Der Dienst werde ausschliesslich auf eigenen Servern in der Schweiz betrieben, geschützt durch Schweizer Datenschutzgesetze.
Frankfurter Investmentfirma übernimmt
Doch nun wechselt Threema den Besitzer: Wie letzte Woche bekannt wurde, wird die Firma von der Beteiligungsgesellschaft Comitis Capital mit Sitz in Frankfurt am Main übernommen. Comitis übernimmt die Anteile des bisherigen Mehrheitseigners Afinum aus München. Die Schweizer Gründer sind bereits Ende 2024 aus der Geschäftsleitung ausgeschieden.
Der Firmensitz der Threema Holding AG verbleibt jedoch in Zürich, das in der Threema GmbH angesiedelte Management in Freienbach SZ. Die Übernahme soll im Laufe dieses Monats abgeschlossen sein. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Wie Threema in einem Blogbeitrag versichert, ändert sich für die Benutzer nichts: «Mission, Werte und Unternehmensstrategie ändern sich nicht. Auch die Geschäftsleitung bleibt unverändert und wird Threema weiterhin nach den bewährten Grundsätzen führen.»
Bundesverwaltung und Armee bleiben Threema treu
Die Bundeskanzlei schreibt auf Anfrage, für die Bundesverwaltung habe sich mit der Übernahme nichts Grundsätzliches geändert: «Threema wird weiterhin eingesetzt. Die Herstellerfirma ist weiterhin eine Schweizer Firma, die Schweizer Gesetzen unterliegt, und die verwendeten Server befinden sich in der Schweiz.» Die Bundeskanzlei verweist darauf, dass Threema bis anhin auch schon eine ausländische Beteiligung hatte.
Die Schweizer Armee, die ebenfalls auf Threema setzt, äusserte sich gegenüber «Le Temps» ähnlich und bleibt dem Anbieter ebenfalls treu. Bundesverwaltung und Armee betonen aber mit Blick auf die Datensicherheit, dass man die laufenden Entwicklungen «genau beobachten» werde.
Der Bundesrat wird sich also in absehbarer Zukunft weiterhin über Threema austauschen. Nicht immer geht es dort so ernst zu wie in den dramatischen Tagen der CS-Krise. Wie diese Redaktion in einem Portrait über Bundespräsident Guy Parmelin schrieb, benutzt der Waadtländer im Bundesratschat häufig Emojis. (aargauerzeitung.ch)
