Nicht so einfach wie gedacht: Solarstrom von der Autobahn lässt auf sich warten
Die damalige Umweltministerin Simonetta Sommaruga hat 2022 die Solaroffensive lanciert. Die Idee: Autobahnabschnitte mit Solarpanels zu überdachen oder Solaranlagen an Lärmschutzwänden zu installieren. Damit hätte Strom bis zu 140 Gigawattstunden pro Jahr respektive für 38'000 Haushalte produziert werden sollen. 350 Lärmschutzwände und 100 Rastplätze standen dafür zur Verfügung.
Nun läuft die Frist für die Umsetzung der Anlagen bald ab. Viele Firmen hatten sich für die Projekte beworben, umgesetzt ist bis heute aber nichts, wie die NZZ schreibt. Drei Projekte haben zwar eine Baubewilligung, Solarpanels sucht man dort aber vergeblich.
Auf das grosse Interesse bei der Lancierung der Solaroffensive hat sich Ernüchterung eingestellt. «Unsere Projekte werden nicht weiterverfolgt», heisst es etwa bei Energie 360°, das Pläne für 75 Standorte in den Kantonen Aargau, Solothurn und Bern hatte.
Noch nicht ganz aufgegeben hat das Unternehmen Rhiienergie, das Lärmschutzwände an der A13 mit Solarpanels versehen wollte. Doch auch hier räumt man ein: «Die Installation solcher Anlagen ist deutlich komplexer und aufwendiger, als wir erwartet haben.»
Das Problem: Die Panels können nicht einfach an den Lärmschutzwänden aufgehängt werden. Damit die Tragfähigkeit gewährleistet bleibt, wären bauliche Massnahmen nötig. Eine einheitliche Lösung gibt es nicht, schreibt die «NZZ».
Hinzu kommt die veränderte Marktsituation. Bei der Lancierung des Projekts war gerade der Ukraine-Krieg ausgebrochen, die Strompreise schnellten damals in die Höhe. Mittlerweile hat sich der Markt wieder etwas erholt, weshalb die Solaranlagen an den Autobahnen kaum mehr wirtschaftlich wären.
Abnehmer fehlen
Schliesslich stellt sich auch die Frage, wer den Strom dann abnimmt, sollte er einmal doch produziert werden. Eine Einspeisung ins Netz lohnt sich nicht. Und das Gesetz sieht vor, dass nur Unternehmen in Frage kommen, die über 100'000 Kilowattstunden pro Jahr verbrauchen.
Bei Rhiienergie hat man einen anderen Vorschlag: Das Bundesamt für Strassen (Astra) soll den Strom direkt abnehmen und damit Tunnelbelüftungen oder Strassenbeleuchtungen betreiben. «Da bei Eigenverbrauch keine Netzgebühren anfallen, wäre dieser Strom auch vergleichsweise günstig», erklärt Geschäftsführer Christian Capaul gegenüber der Zeitung.
«Wir erwarten, dass der Bund seine Vorbildfunktion bei den Erneuerbaren wahrnimmt und den an Autobahnen produzierten Sonnenstrom selber abnimmt», fordert auch Thomas Nordmann, Chef von TNC Consulting. Doch das Astra winkt ab. Dies, weil es selbst Solaranlagen auf Tunnelzentralen und Nationalstrassen-Galerien plant, um damit die eigene Infrastruktur zu betreiben.
Dennoch zeigt man beim Astra Verständnis für die unerwarteten Hürden. Es habe sich gezeigt, dass die Umsetzung anspruchsvoll sei und ein Teil der Projekte deshalb nicht fristgerecht umgesetzt werden könne. «Wir haben die betroffenen Unternehmen kontaktiert, um den Projektstand sowie das Interesse an einer Verlängerung der Reservationsfrist zu klären», erklärt Sprecherin Martina Wirth der NZZ. Die Firmen sollen damit mehr Zeit für die Umsetzung erhalten. (vro)
