bedeckt, wenig Regen
DE | FR
40
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Schweiz
Energie

Axpo plant 11 grosse Alpen-Solaranlagen

Axpo plant 11 grosse Alpen-Solaranlagen – und will 1,5 Milliarden Franken investieren

22.11.2022, 14:19

Die Axpo will in der Schweiz viele grosse Solaranlagen bauen. Dafür nimmt der Energiekonzern einen Milliardenbetrag in die Hand nehmen.

Bis 2030 will die Axpo Photovoltaikanlagen mit mehr als 1,2 Gigawatt Leistung in den Alpen und im Schweizer Mittelland bauen, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Mit dieser «Solaroffensive» soll insbesondere im kritischen Winter, wenn die Schweiz auf Stromimporte aus dem Ausland angewiesen ist, die hiesige Stromversorgung mit gesichert werden. Umgesetzt werden sollen die Pläne von der Tochtergesellschaft CKW.

Blick auf die Baustelle von "Alpin Solar", aufgenommen am Donnerstag, 19. August 2021, in Linthal. Der Stromkonzern Axpo baut an der Muttsee-Staumauer die groesste alpine Solaranlage der Sch ...
Die Axpo betreibt an der Muttsee-Staumauer die zurzeit grösste alpine Solaranlage der Schweiz.Bild: keystone

Mit 1,2 Gigawatt liessen sich jährlich rund 1,5 Milliarden Kilowattstunden Strom produzieren, was dem Jahresbedarf von mehr als 300'000 Haushalten entspreche. Die Axpo will rund 1,5 Milliarden Franken investieren.

Elf Projekte «über dem Nebelmeer»

Geplant sind zum einen grosse alpine Anlagen sowie zum anderen PV-Anlagen auf Industriegebäuden oder Hausdächern. Gerade von den Anlagen in den hohen Bergen verspricht sich die Axpo viel: Alpine Solaranlagen «über dem Nebelmeer» würden im Winter rund dreimal so viel Strom produzieren wie vergleichbare Anlagen im Schweizer Mittelland. Das habe auch das erste Projekt bestätigt.

Voraussichtlich ab Frühjahr 2024 soll daher neben dem Nalps-Stausee in der bündnerischen Surselva auf 2000 Meter über dem Meer eine Anlage mit einer Leistung von 10 Megawatt gebaut werden. Ab Herbst 2025 soll diese dann 13 Millionen Kilowattstunden im Jahr Strom produzieren, und 3'000 Haushalte gerade auch im Winter versorgen. Die Solarfläche aus 30'000 Modulen wäre so gross wie zwölf Fussballfelder. Das Projekt sei aber noch in einer frühen Phase, sagte CKW-Chef Martin Schwab am Dienstag vor Journalisten.

Über weitere zehn Standorte in den Alpen werden derzeit Gespräche geführt, und es sollen laufend weitere Projekte geprüft werden. Im Wohngebiet rechnet die Axpo mit 600 Dachanlagen pro Jahr.

«Unsere Kernkompetenz»

Eine noch relativ kleine hochalpine Solaranlage von der Axpo und von IWB (Industrielle Werke Basel) ist bereits in Betrieb: Die dennoch bisher grösste alpine Solaranlage der Schweiz steht auf 2500 Meter über Meer an der Muttsee-Staumauer im Kanton Glarus. Sie ist seit Ende August in Betrieb, seit Oktober 2021 war sie im Teilbetrieb. Die Anlage hat eine Leistung von 2.2 Megawatt und produziert im Jahr 3,3 Millionen Kilowattstunden Strom.

Zur Einordnung: Ein Windrad an Land kann eine Leistung von bis zu 7 Megawatt erreichen. Ein etwas grösseres Wasserkraftwerk hat mehr als 10 Megawatt Leistung, und das grösste Atomkraftwerk der Schweiz in Leibstadt hat eine Kapazität von rund 1200 Megawatt Leistung. Im Vollbetrieb produziert das AKW pro Jahr rund 9600 Gigawattstunden Strom. Diese Menge versorgt 2 Millionen Haushalte mit Strom und entspricht rund 14 Prozent der Stromproduktion hierzulande.

Es wären in dieser Grössenordnung Hunderte alpine Solaranlagen nötig, um bis 2030 auf die angepeilten 1200 Megawatt zu kommen. Es seien aber durchaus noch viel grössere Anlagen vorstellbar, sagte Schwab. In den Schweizer Alpen gibt es dafür ihm zufolge auch genügend geeignete Flächen.

«Wir mögen grosse Anlagen, das ist unsere Kernkompetenz», fügte Axpo-Chef Christoph Brand an der Medienkonferenz hinzu.

Vereinfachte Bewilligungen

Brand verwies auch auf ein grosses Solar-Knowhow, das innerhalb der grössten Schweizer Energiegruppe bereits vorhanden sei. Die Tochter CKW installiere heute mehr als zwei PV-Anlagen pro Tag und beschäftige über 150 Spezialisten. Auch greife das Innerschweizer Unternehmen auf die Erfahrung der französischen Axpo-Tochter Urbasolar zu, welche im Ausland seit vielen Jahren Grossanlagen baue. Bekanntes Beispiel ist die Solar-Parkplatzüberdachung beim Disneyland Paris.

In der Vergangenheit standen die Axpo, aber auch die anderen Schweizer Energieunternehmen immer wieder in der Kritik, viel in erneuerbare Energien im Ausland zu investieren statt in der Schweiz. «Wir wollten schon bauen, wir durften nicht», sagte Brand am Dienstag auf die Frage, wieso nicht bereits viel früher in der Schweiz hochalpine Solaranlagen im grossen Stil gebaut wurden.

Aber in den vergangenen Monaten habe ein Umdenken sowohl in der Bevölkerung als auch in der Politik eingesetzt, sagte CKW-Chef Schwab. Das habe er bei der Vorstellung von neuen Projekten in der Öffentlichkeit festgestellt.

Die politischen Rahmenbedingungen, welche derartige Investitionen überhaupt erst ermöglichen, kombiniert mit den höheren Marktpreisen für Strom erlaubten diese Offensive, sagte Brand. In der Herbstsession 2022 habe das Parlament die Voraussetzungen für den raschen Zubau von PV-Freiflächenanlagen mit hoher Winterproduktion geschaffen: vereinfachte Bewilligungsverfahren und zusätzliche Fördermittel. (sda/awp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Ich habe keine Angst vor Kühen. Sicher nicht

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

40 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Bynaus
22.11.2022 15:00registriert März 2016
Grossanlagen in den Alpen: gut, so lange es ohnehin mehr oder weniger tote Gebiete (wie Staumauern oder Felswände) betrifft. Aber genauso wichtig oder vielleicht auch wichtiger wäre es, endlich im Tiefland die enormen Hürden beim Bau von PV-Anlagen aus dem Weg zu räumen. Es gibt genügend Dächer, Lärmschutzwände, Fassaden etc, um mehrere AKW zu ersetzen. Eine PV-Anlage sollte grundsätzlich bewilligt und überall zulässig sein, so lange sie fachgerecht gebaut wird. Das "Ortsbild" hat sich schon immer gewandelt und muss auch hier endlich hinter die wahren Prioritäten zurücktreten! Initiative?
516
Melden
Zum Kommentar
avatar
Einer mit interkantonalem Migrationshintergrund
22.11.2022 15:57registriert April 2021
Gefällt mir sehr gut!

Jedoch @Watson was mir schon in mehreren Artikeln auffiel... Warum scheut ihr euch davor, bsw. 1.5 Terawattstunden zu schreiben? Soll die Aufschlüsselung in Milliarden Kilowattstunden irgendwie dem Verständnis dienen?

Man schreibt ja auch nicht dass der Mond Ø 384.5 Milliarden Millimeter von der Erde entfernt ist, sondern wählt eine passendere Grösseneinheit...

Also wenn es wegen dem Verständnis ist, dann gibt das bei mir gewisse Fragezeichen zum erwarteten Bildungsstand der durchschnittlichen Watson-Leser:in...
361
Melden
Zum Kommentar
avatar
Overton Window
22.11.2022 15:49registriert August 2022
Halleluja. Nach 35 Jahren Beamten-Mikado regt sich was.
248
Melden
Zum Kommentar
40
Darum muss jeder dritte Vergewaltiger nicht ins Gefängnis
Heute Montag entscheidet der Nationalrat, ob bedingte Freiheitsstrafen für Vergewaltiger abgeschafft werden sollen oder nicht. Nur SVP und Mitte sind dafür.

Die Tat nahm an einem kleinen Thurgauer Bahnhof ihren Anfang. Vier junge Männer lockten eine 16-Jährige unter dem Vorwand, zusammen Marihuana rauchen zu wollen, in ihr Auto. Auf einem Parkplatz in einem Industriequartier begannen sie, die Frau zu küssen und überall zu berühren. Sie wehrte sich anfangs und sagte: «Nei, hör uff!» Einer der Männer sagte, dies sei doch nicht so schlimm, und vergewaltigte sie. Ein anderer rief «schneller, schneller» und ein weiterer filmte das Geschehen mit seinem Handy.

Zur Story