Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Yul Brynner

1957 gewann ein Schweizer den Oscar für best actor – nur wusste niemand, dass er Schweizer war  



Stellen Sie sich vor, am Sonntag bekommt Bradley Cooper einen Oscar verliehen, und ein Jahr später stellt sich heraus, dass er Aargauer ist. Was hier los wäre! Aber so ähnlich hat es sich beim ersten Schweizer Preisträger in der Kategorie «bester Hauptdarsteller» zugetragen: Als Yul Brynner 1957 für seine Rolle im Film «The King and I» die begehrte Trophäe gewann, hielt ihn die Welt für einen Amerikaner russischer Herkunft. Niemand wusste, dass der charismatische Glatzkopf seit seiner Geburt Schweizer war.

abspielen

Anna Magnani überreicht Brynner 1957 den Oscar für den besten Hauptdarsteller. video: youtube/oscars

Geboren wurde Yul Brynner – Filmfans vor allem durch den Kultwestern «Die glorreichen Sieben» in Erinnerung – 1920 sehr weit weg von der Schweiz, im russischen Wladiwostok. Sein Grossvater, der Abenteurer Jules Briner, hatte sich in den 1870er Jahren aus der Aargauer Gemeinde Möriken-Wildegg aufgemacht, die Welt zu erobern. Am äussersten Zipfel des Zarenreiches wurde er erfolgreicher Import-Export-Unternehmer und sein Sohn Boris, Yul Brynners Vater, gar Schweizer Konsul. 

«The Magnificent Seven» (1960)

abspielen

video: youtube/43shen

Doch über seine Wurzeln sprach der Filmstar nur selten, und wenn, dann log er absichtlich. Brynner liebte es, neugierigen Medien immer wieder sensationelle – aber frei erfundene – Details über seine Herkunft aufzutischen. Damit alimentierte er sein enormes Ego und die Aura des geheimnisvollen Exoten, die ihn im Hollywood der 1950er Jahre umgab. Möglicherweise schwindelte er aus Selbstschutz, denn es gab auch schmerzhafte Kindheitserinnerungen: Er war ohne Vater aufgewachsen, Boris Briner hatte die Familie verlassen, als Yul Brynner vier Jahre alt gewesen war.

Wie dem auch sei: Brynner hätte seine Schweizer Herkunft vielleicht mit ins Grab genommen, wäre da nicht seine ältere Schwester Vera gewesen. Im Mai 1958 verriet sie dem US-Magazin «Newsweek», dass der Vater ein Schweizer Geschäftsmann gewesen sei, und entlarvte so die Märchen ihres Bruders. Darüber war dieser so erbost, dass er jahrelang kein Wort mehr mit ihr wechselte.

«The Brothers Karamazov» (1958)

abspielen

video: youtube/jrussell11nov

Die sensationelle Enthüllung erreichte noch im selben Jahr die Schweiz. In einer Besprechung des neuen Films «Die Brüder Karamasow» schrieb etwa die NZZ: «Yul Brynner hingegen (unser Schweizer Landsmann) sieht leicht komisch aus, wenn er als Dimitri dämonisch zu blicken versucht.» Auch in Brynners Heimatgemeinde Möriken-Wildegg nahm man die frohe Kunde zur Kenntnis, aber davon später mehr.

Jetset am Genfersee

Mit 17 Jahren betrat Yul Brynner erstmals Schweizer Boden. Anfang der 1930er Jahre war er mit seiner Mutter und Schwester wegen der Mandschurei-Krise nach Paris übergesiedelt. Von dort war es nur ein Katzensprung zu seiner Tante in Lausanne. Der Besuch stand unter einem schlechten Stern: Brynner war opiumabhängig und kollabierte kurz nach seiner Ankunft. Er wurde in eine Privatklinik eingeliefert, wo er von seinem Laster kuriert wurde. Für den Rest des Jahres blieb er in Lausanne.

«Solomon and Sheba» (1959)

abspielen

video: youtube/Victor Creed

20 Jahre später kehrte Brynner unter völlig anderen Umständen ins Land seiner Vorväter zurück. Inzwischen hatte er in Hollywood Karriere gemacht, doch wegen seines ausschweifenden Lebensstils war er auch chronisch pleite. Mit seiner Gage aus dem Monumentalfilm «Solomon and Sheba» hätte sich der Superstar sanieren können – doch der US-Fiskus war gnadenlos: Auf eine Million Dollar wurden 90 Prozent Einkommenssteuer fällig! Brynner fand ein Schlupfloch: Er verlegte seinen Wohnsitz in die Schweiz.

Mit seiner zweiten Ehefrau, dem chilenischen Model Doris Kleiner, bezog Brynner 1959 ein luxuriöses Anwesen am Nordufer des Genfersees. In der exklusiven Umgebung wandelte sich der Bohème allmählich zum Aristokraten. Der «King», wie er wegen seiner vielen Königsrollen genannt wurde, beschäftigte ein Heer von Bediensteten und verkehrte im internationalen Jetset. Weil er zu Dreharbeiten häufig in die USA reiste, drohte ihm allerdings die Aberkennung seiner Steuererleichterung. 1965 wählte er die Radikallösung und gab die amerikanische Staatsbürgerschaft auf.

Yul Brynner

Homecoming in Möriken-Wildegg

Etwa zur gleichen Zeit schickte sich Brynners Heimatdorf Möriken-Wildegg an, ein Ferienhaus im Wallis zu bauen. Der landwirtschaftlich geprägten 700-Seelen-Gemeinde fehlte aber das Geld, also veranstaltete man im Sommer 1967 ein Dorffest und lud auch den berühmten Bürger ein. Brynner kam tatsächlich, mit Frau und Anwalt, «im selbstgesteuerten Chrysler», wie der «Blick» schrieb. Nach einem Bankett im Gemeindesaal lief er beim Umzug mit, besichtigte Häuser seiner Vorfahren und versuchte sich im Kegeln. Parliert wurde übrigens nicht in der Landessprache Französisch, die der Filmstar perfekt beherrschte, sondern auf Englisch.

«The Ten Commandments» (1956)

abspielen

youtube/MoviesHistory

Noch heute soll es in Möriken-Wildegg Leute geben, die glauben, Yul Brynner habe das Ferienhaus auf der Bettmeralp im Alleingang bezahlt. Wahr ist: Er spendete 5000 Franken, sein Anwalt 1000. Viel Geld für die damalige Zeit, aber es bedurfte noch der Grosszügigkeit vieler anderer, um das Projekt zu finanzieren. 2014 ehrte Möriken-Wildegg seinen berühmten Sohn und weihte den Yul-Brynner-Platz ein. Zur Feier kamen auch sein Sohn Rock sowie Doris Kleiner, die ihn anno 1967 begleitet hatte.

«Wir werden nie richtig irgendwo hingehören»

Nicht nur in Möriken-Wildegg, im ganzen Land sind wir stolz auf Yul Brynner. Doch wie viel Schweiz steckte letztlich in ihm?

Genug, dass er seinen Namen bereits 1943 von Bryner in Brynner ändern liess, damit ihn die Amerikaner annähernd korrekt (und nicht «Breiner») aussprachen. Und weil er sich so schön auf «sinner» (Sünder) reimte, wie er gerne anfügte.

«The King and I» (1956)

abspielen

video: youtube/AgelessTrailers

Mindestens ebenso sehr, wenn nicht mehr, schätzte er Frankreich: «In Frankreich bin ich bei mir, in Frankreich bin ich glücklich», sagte er einmal in einem Interview. Hier hatte er den Grossteil seiner Jugend verbracht und hier liegt er auch begraben

Es gab seltene Momente, da kam sogar Yul Brynner, der Russe, zum Vorschein. Am Sterbebett seiner Schwester Vera unterhielten sich die beiden in der Sprache ihrer Kindheit. Eine besondere Verbundenheit empfand er zudem zu den Roma, die ihm in seiner Jugend in Paris wohl ein Stück weit den Vater ersetzten.

Was meinte Yul Brynner selbst zu der Frage? «Vater, glaubst du, du gehörst nach Amerika oder nach Europa?», fragte ihn einmal sein Sohn Rock. Seine Antwort: «Unser Leben wird immer anders sein, Rock. Wir werden nie richtig irgendwo hingehören.»

Das könnte dich auch interessieren:

Siehst du öfters diesen Vogel? Das hat einen bestimmten Grund

Link zum Artikel

Teenie-Idol Billie Eilish (18!) macht Bond-Song. And WHY NOT? Könnte geil werden

Link zum Artikel

Weshalb sich Experten nach dem Freispruch der Klimaaktivisten an den Kopf fassen

Link zum Artikel

Der lange Weg des Daniele Sette zu seinen ersten Weltcup-Punkten – mit 27 Jahren

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Kreditkarten – so schützen uns die Karten-Detektive

Link zum Artikel

5 idiotische Menschentypen, die es im Leben einfacher haben als du

Link zum Artikel

Das Wahljahr hat begonnen und Donald Trump steht ziemlich gut da

Link zum Artikel

«Warum können viele Männer nicht mit einem Korb umgehen?»

Link zum Artikel

Grün wie die Hoffnung – hier kommt das erste Quizz den Huber im 2020!

Link zum Artikel

Déjà-vu für die Queen: Als eine geschiedene Amerikanerin den Briten ihren König stahl

Link zum Artikel

So viele Ordnungsbussen werden in Basel verteilt – und das sind die häufigsten Vergehen

Link zum Artikel

17 neue Fälle mysteriöser Lungenkrankheit in China

Link zum Artikel

«Habe versucht, so cool wie möglich zu tun» – die Stimmen zu Rinnes rarem Goalie-Goal

Link zum Artikel

Sie war Junkie, Kult und Bitch – jetzt ist Elizabeth Wurtzel gestorben

Link zum Artikel

Ulrich Tilgner: «Die Amerikaner schiessen im Nahen Osten gerade Eigentor um Eigentor»

Link zum Artikel

Ein Shitstorm entlädt sich über Roger Federer – und Greta Thunberg ist mitschuldig

Link zum Artikel

Besser extra zu spät als nie: PICDUMP!

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Siehst du öfters diesen Vogel? Das hat einen bestimmten Grund

75
Link zum Artikel

Teenie-Idol Billie Eilish (18!) macht Bond-Song. And WHY NOT? Könnte geil werden

73
Link zum Artikel

Weshalb sich Experten nach dem Freispruch der Klimaaktivisten an den Kopf fassen

470
Link zum Artikel

Der lange Weg des Daniele Sette zu seinen ersten Weltcup-Punkten – mit 27 Jahren

3
Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Kreditkarten – so schützen uns die Karten-Detektive

30
Link zum Artikel

5 idiotische Menschentypen, die es im Leben einfacher haben als du

60
Link zum Artikel

Das Wahljahr hat begonnen und Donald Trump steht ziemlich gut da

91
Link zum Artikel

«Warum können viele Männer nicht mit einem Korb umgehen?»

326
Link zum Artikel

Grün wie die Hoffnung – hier kommt das erste Quizz den Huber im 2020!

71
Link zum Artikel

Déjà-vu für die Queen: Als eine geschiedene Amerikanerin den Briten ihren König stahl

28
Link zum Artikel

So viele Ordnungsbussen werden in Basel verteilt – und das sind die häufigsten Vergehen

171
Link zum Artikel

17 neue Fälle mysteriöser Lungenkrankheit in China

20
Link zum Artikel

«Habe versucht, so cool wie möglich zu tun» – die Stimmen zu Rinnes rarem Goalie-Goal

7
Link zum Artikel

Sie war Junkie, Kult und Bitch – jetzt ist Elizabeth Wurtzel gestorben

9
Link zum Artikel

Ulrich Tilgner: «Die Amerikaner schiessen im Nahen Osten gerade Eigentor um Eigentor»

102
Link zum Artikel

Ein Shitstorm entlädt sich über Roger Federer – und Greta Thunberg ist mitschuldig

363
Link zum Artikel

Besser extra zu spät als nie: PICDUMP!

131
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Siehst du öfters diesen Vogel? Das hat einen bestimmten Grund

75
Link zum Artikel

Teenie-Idol Billie Eilish (18!) macht Bond-Song. And WHY NOT? Könnte geil werden

73
Link zum Artikel

Weshalb sich Experten nach dem Freispruch der Klimaaktivisten an den Kopf fassen

470
Link zum Artikel

Der lange Weg des Daniele Sette zu seinen ersten Weltcup-Punkten – mit 27 Jahren

3
Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Kreditkarten – so schützen uns die Karten-Detektive

30
Link zum Artikel

5 idiotische Menschentypen, die es im Leben einfacher haben als du

60
Link zum Artikel

Das Wahljahr hat begonnen und Donald Trump steht ziemlich gut da

91
Link zum Artikel

«Warum können viele Männer nicht mit einem Korb umgehen?»

326
Link zum Artikel

Grün wie die Hoffnung – hier kommt das erste Quizz den Huber im 2020!

71
Link zum Artikel

Déjà-vu für die Queen: Als eine geschiedene Amerikanerin den Briten ihren König stahl

28
Link zum Artikel

So viele Ordnungsbussen werden in Basel verteilt – und das sind die häufigsten Vergehen

171
Link zum Artikel

17 neue Fälle mysteriöser Lungenkrankheit in China

20
Link zum Artikel

«Habe versucht, so cool wie möglich zu tun» – die Stimmen zu Rinnes rarem Goalie-Goal

7
Link zum Artikel

Sie war Junkie, Kult und Bitch – jetzt ist Elizabeth Wurtzel gestorben

9
Link zum Artikel

Ulrich Tilgner: «Die Amerikaner schiessen im Nahen Osten gerade Eigentor um Eigentor»

102
Link zum Artikel

Ein Shitstorm entlädt sich über Roger Federer – und Greta Thunberg ist mitschuldig

363
Link zum Artikel

Besser extra zu spät als nie: PICDUMP!

131
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen

Studie zeigt: So verbreitet ist Homophobie in der Schweiz wirklich

Eine neue Erhebung zeigt: Homophobie ist in der Schweiz bis heute verbreitet. Die Lesbenorganisation LOS fordert nun eine Veränderung in den Klassenzimmern – und dass Homosexualität dort nicht mehr als etwas Aussergewöhnliches präsentiert wird.

Schlechter als Montenegro, Albanien oder das erzkatholische Irland: Im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern haben Schwule und Lesben bei uns deutlich weniger Rechte. Bisher unveröffentlichte Erhebungen der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) zeigen nun, dass auch Homophobie in Teilen der Schweizer Bevölkerung noch immer tief verwurzelt ist: Jeder zehnte Schweizer hält gleichgeschlechtliche Liebe für unmoralisch. Weiter sind 22,7 Prozent der Befragten gegen …

Artikel lesen
Link zum Artikel