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Mann wickelt sein Kind. bild: shutterstock 

Wickeltisch-Pflicht auf Männer-WC: Und was ist mit dir, Schweiz?

In New York müssen neu alle Herrentoiletten in öffentlichen Gebäuden mit Wickeltischen ausgestattet werden. Auch in der Schweiz stossen Männer beim Wickeln auf Probleme. SP-Nationalrat Cédric Wermuth will nun prüfen, ob ein ähnliches Gesetz hierzulande sinnvoll wäre.



Viele Familien sind noch weit entfernt von einer 50-50-Aufteilung der elterlichen Aufgaben – doch Wickeln gehört heute zum Glück bei den meisten Männern in den westlichen Ländern zur Vaterrolle dazu. Müssen sie ihren Nachwuchs ausserhalb der vier Wände von der vollen Windel befreien, kann sie das jedoch in brenzlige Situationen bringen. Denn oft steht der einzige Wickeltisch im Damen-WC.

«Überraschung: Wir schreiben das 21. Jahrhundert – Väter wickeln heutzutage.»

Bill de Blasio auf Twitter

In New York soll sich das ändern. Hier müssen künftig alle Herrentoiletten in öffentlichen Gebäuden mit Wickeltischen ausgestattet werden. Bürgermeister Bill de Blasio hat am Mittwoch ein entsprechendes Gesetz verkündet. Die neue Regelung soll innerhalb der nächsten sechs Monate umgesetzt werden.

Auf Twitter kommentierte der Demokrat: Überraschung: Wir schreiben das 21. Jahrhundert – Väter wickeln heutzutage. Doch für sie ist es nicht immer einfach, geeignete Wickeltische zu finden. Das ist schlecht – es unterstützt Gender-Stereotype und hindert Männer daran, ihre Rolle als Väter wahrzunehmen.»

Wickeln neben dem dreckigen Waschbecken

Den Gesetzesentwurf eingebracht hat Rafael Espinal, ein Mitglied des New Yorker Stadtrats. Sein «Erweckungserlebnis» hatte Espinal, der selbst nicht Vater ist, als er eine öffentliche New Yorker Toilette benutzte. Dort sah er, wie ein Vater damit kämpfte, seinen Sohn auf der schmutzigen Ablage neben dem Waschbecken zu wickeln. Er fand die Situation für Vater und Kind entwürdigend und beschloss, etwas zu ändern. 

Auch in der Schweiz sind mangelnde Wickeltische für Männer ein Problem. SP-Nationalrat Cédric Wermuth ist selbst Vater und hält das neue Gesetz in New York deshalb für lobenswert. «Ich enervierte mich jeweils, wenn ich mit meiner Familie unterwegs war und nur meine Frau die Kinder wickeln konnte.» Er wolle sich nun kundig machen, ob ein ähnliches Gesetz auch in der Schweiz sinnvoll wäre. 

«Solche Umstände sind diskriminierend und zeigen, wie sehr die Rollenbilder heute noch eingeschränkt sind.»

Nicolas Zogg von Männer.ch

Auch Nicolas Zogg von Männer.ch erzählt, er habe selbst erlebt, wie schwierig es als Vater sei, einen geeigneten Platz fürs Wickeln zu finden. «Solche Umstände sind diskriminierend und zeigen, wie sehr die Rollenbilder heute noch eingeschränkt sind. Es braucht endlich ein Umdenken.» Männer.ch überlege sich deshalb, väterfreundliche Betriebe mit einem Logo zu kennzeichnen. Ein Gesetz wie in New York hielte Zogg auch hierzulande für gerechtfertigt. Doch: «Lieber wären mir freiwillige Massnahmen der diversen Akteure.» 

«Das Gesetz zeigt: Eltern sein – so auch das Windel-Wechseln – ist die Angelegenheit von Frau und Mann.»

Die Soziologin Lucia Lanfranconi ist Expertin in Gleichstellungsbelangen. Sie betont die Symbolkraft eines solchen Gesetzes: «Es zeigt: Eltern sein – so auch das Windel-Wechseln – ist die Angelegenheit von Frau und Mann.» 

Andere Länder wie beispielsweise Schweden seien der Schweiz in diesen Belangen weit voraus: «Ich war erst kürzlich dort. Dass die Wickeltische an genderneutralen Orten stehen, ist in Schweden schon seit langem ganz normal.» 

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Aufschrift auf einer Stockholmer Unisex-Toilette. Bild: Lucia Lanfranconi

«Heute wickeln halt immer noch mehrheitlich die Frauen ihre Kinder.»

SVP-Nationalrat Sebastian Frehner

Nur unnötige staatliche Vorschrift?

Gegen ein Gesetz spricht sich SVP-Nationalrat Sebastian Frehner aus: «Ich habe noch nie gehört, dass der Mangel an Wickelauflagen in Männer-WCs ein grosses Problem sei. Heute wickeln halt immer noch mehrheitlich die Frauen ihre Kinder.» Staatliche Eingriffe müssten sich an den Bedürfnissen der Gesellschaft orientieren – «und nicht daran, wie sich Politiker eine Gesellschaft wünschen.»

Solch starre Regeln vom Staat würden sowieso nur zu Schwierigkeiten in der Wirtschaft führen – und sollten deshalb möglichst verhindert werden. «Denn wenn zum Beispiel ein Unternehmen extra einen Wickeltisch installieren muss, obwohl gar niemand einen solchen braucht, bringt das doch nichts.» Er selbst sei beim Wickeln ausserhalb der eigenen vier Wände nie auf Probleme gestossen: «Irgendwie findet man immer eine Lösung.»

Brigitte Meier-Schmid, Leiterin Marketing und Kommunikation des Branchenverbands Gastro Suisse, hält es ähnlich: «Ein Vater, der sein Kind wickeln möchte und einen passenden Ort sucht, wendet sich am besten an den Gastgeber, der nach Möglichkeit helfen wird. Im direkten Gespräch lassen sich viele Probleme lösen, ohne dass gleich neu reglementiert werden muss.»

Bei den grossen Akteuren scheint der Wickeltisch auch ausserhalb des Frauen-WCs die Regel zu sein. «Wickeltische für Väter sind bei uns schon länger Standard», sagt Coop-Sprecherin Yvette Petillon. Die Tische seien im Herren-WC oder in den IV-Toiletten angesiedelt. Auch in den Hiltl-Restaurants gibt es Wickeltische für Väter. In den Restaurants der Bindella-Gruppe finden Männer ebenfalls «praktisch durchgehend» Wickelmöglichkeiten vor, dasselbe teilen Migros und Manor mit. Und sind die Wickeltische nur im Frauen-WC, seien die Manor-Mitarbeitenden «jederzeit schnell behilflich, auch für Männer eine akzeptable Lösung zum Wickeln zu finden.» 

Du glaubst, das ist nur Baby-Gebrabbel? Du hast ja keine Ahnung!

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