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Schweiz
Gesellschaft & Politik

Paul Rechsteiner – der St. Galler Ständerat tritt nach 36 Jahren zurück

Paul Rechsteiner, SP-SG, spricht zur sogenannten 99 Prozent Initiative, an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 2. Maerz 2021 im Staenderat Bern. (KEYSTONE/Alessandro della V ...
Nebst seiner Parlaments-Laufbahn war Paul Rechsteiner unter anderem auch Präsident des Gewerkschaftsbunds.Bild: keystone

36 Jahre Paul Rechsteiner – nun tritt der St. Galler Ständerat zurück

Der Abschied kommt kurz und schmerzlos: Paul Rechsteiner hört noch vor Ende Jahr auf. Der Ständerat hat im Interview mit dem «St. Galler Tagblatt» über seinen Rücktritt, seine Nachfolge und seine Zukunft gesprochen.
07.10.2022, 09:2307.10.2022, 15:38

Paul Rechsteiner zu seinem Rücktritt:

Dass er nicht mehr antrete, sei wohl keine grosse Überraschung. Überraschender sei eher, dass der Rücktritt bereits per Ende der Wintersession erfolgt, sagt Rechsteiner. Als Grund für den kurzfristigen Abgang gibt der St. Galler unter anderem an, dass dieser zu einer Einer-Vakanz führt. Dadurch gäbe es vor den eidgenössischen Wahlen im Herbst eine separate Ersatz-Wahl, die weniger parteipolitisch geprägt sei.

«Für mich war schon lange klar, dass ich nicht mehr antrete. Die Frage war nur, wann und wie ich zurücktrete.»
Paul Rechsteiner

Rechsteiner zu seiner Nachfolge:

Das Polit-Urgestein hat keinen Nachfolge-Favoriten, sagt Rechsteiner dem «St. Galler Tagblatt». Es sei schlussendlich ein Parteientscheid. Die bisherige Kombination aus ehemaligem Nationalrats- und Regierungsmitglied habe aber gut funktioniert.

Mitte-Politiker Benedikt Würth stellt momentan das ehemalige Ratsmitglied. Möchte man die Formel weiter anwenden und in der SP bleiben, so sind die möglichen Nationalrätinnen Barbara Gysi und Claudia Friedl.

Die St. Galler Vertreter in der Kleinen Kammer, Paul Rechsteiner, SP, rechts, und Benedikt Wuerth, Mitte, diskutieren an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 13. September 2022 i ...
Paul Rechsteiner mit seinem co-Ständerat Benedikt Würth.Bild: keystone

Rechsteiner zu seiner Zukunft:

Der aus einer Arbeiterfamilie stammende Rechsteiner möchte nach seinem Rücktritt weiterhin politisch aktiv bleiben – bloss ohne Parlamentsmandat. Auch möchte er seinen angestammten Beruf weiter ausführen: «Ich bin auch weiterhin als Anwalt tätig mit ausgewählten Mandaten im Straf- und Arbeitsrecht.» Rechsteiner hatte den Beruf niemals abgelegt, um sich seine finanzielle Freiheit zu wahren, und weil er sich nie vorgestellt hatte, ein Leben lang Politik zu treiben.

«Die Politik hielt mich immer in Atem und brachte stets neue Überraschungen.»
Paul Rechsteiner

Politische Karriere

Paul Rechsteiner begann seine parlamentarische Laufbahn 1977 im St. Galler Stadtparlament. Von 1984 bis 1986 vertrat der die SP im Kantonsrat; ab 1986 vertrat er St. Gallen im Nationalrat. In den ersten Jahren im Nationalrat waren Fragen der Rechtsetzung und der sozialen Sicherheit zentral. Mit der Wahl in den Ständerat kam ab 2011 als Schwerpunkt die Interessen der Ostschweizer hinzu. Der SP-Kandidat, der eigentlich das Rampenlicht scheute, eroberte den Sitz von der CVP. Auch SVP-Schwergewicht Toni Brunner konnte nichts daran ändern.

«Es gibt immer noch viele Leute, die angewiesen sind auf einen funktionierenden Sozialstaat.»
Paul Rechsteiner

Die seriöse und nüchterne Art von Rechsteiner überzeugte die Wählerinnen und Wähler bis tief in das bürgerliche Lager. Der Wahlkampfschwerpunkt «Gute Renten, gute Löhne» und ein intensiver Strassenwahlkampf sorgten für viel Bewegung im konservativen Landkanton.

Trotz seiner politischen Prinzipien war Paul Rechsteiner immer wieder für Überraschungen gut. In der kleinen Kammer verstand er es, mit der St. Galler FDP-Vertreterin Karin Keller-Sutter zusammenarbeiten und für den Kanton St. Gallen Erfolge zu verbuchen, etwa beim Bahnausbau im Rheintal.

Zeit als Gewerkschaftler

Paul Rechsteiner wurde 1998 Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB), den er während 20 Jahren entscheidend prägte. Die Verteidigung der Interessen der Lohnabhängigen und Rentnerinnen und Rentner lag ihm immer besonders am Herzen. «Es gibt immer noch viele Leute, die angewiesen sind auf einen funktionierenden Sozialstaat», sagte er in einem TV-Interview zum seinem 70. Geburtstag.

Zur Gewerkschaftspolitik kam er durch seinen Beruf. Der St. Galler, der in Fribourg in nur vier Jahren sein Jus-Studium absolvierte, arbeitet seit 1980 als selbständiger Rechtsanwalt. Rechsteiner war Vertrauensanwalt verschiedener Gewerkschaften und führte Pilotprozesse im Arbeitsrecht und in Lohngleichheitsfragen. Noch immer vertritt der 70-Jährige vor Gericht als Strafverteidiger sozial Schwächere. (cpf)

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35 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Munchkin
07.10.2022 09:40registriert Januar 2019
Ein sehr bodenständiger und kompetenter Mensch. Für so ein konservativen Kanton wie meiner auch ungewöhnlich, dass ein so "linker Wurm" überhaupt gewählt wurde. Ich wünsche ihm alles Gute.
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TanookiStormtrooper
07.10.2022 12:28registriert August 2015
Während sich die SVP immer laut als Büezer-Partei darstellt hat sich ein Rechsteiner ruhig und sachlich für den einfachen Arbeiter eingesetzt. Die SP bräuchte mehr von seiner Sorte, bodenständig, anständig aber in der Sache immer hart.
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Fanfj
07.10.2022 10:33registriert Dezember 2020
Ich mochte Hernn Rechtsteiner sehr auch wenn ich nie für ihn Stimmen konnte da ich in einem anderen kanton lebte. Aber ich traf ihn auf diversen Veranstaltungen und konnte immer interessante Gespräche führen. Schade das er geht. Danke für ihre Arbeit im Nationalrat.
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