Konkret wird geprüft, ob die Geschäfte, unter denen sich auch dubiose Barbershops und Kosmetiksalons befinden, ihre Preise richtig bekannt geben beziehungsweise anschreiben. Also im Einklang mit der Preisbekanntgabeverordnung des Bundes (PBV). Das teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) im Department von SVP-Bundesrat Guy Parmelin am Montag mit.
«Als Oberaufsichtsbehörde über den kantonalen Vollzug der PBV wird das Seco in Zusammenarbeit mit den Kantonen auch im Jahr 2025 eine Kontrollkampagne durchführen. Im nächsten Jahr wird die Preisbekanntgabe in Barbershops, Coiffeurgeschäften und Kosmetikstudios kontrolliert», heisst es.
Die Preisbekanntgabeverordnung schreibt etwa vor, dass «Preisanschläge, Preislisten, Kataloge und so weiter leicht zugänglich und gut lesbar sein müssen». Und: «Aus der Bekanntgabe muss hervorgehen, auf welche Art und Einheit der Dienstleistung oder auf welche Verrechnungssätze sich der Preis bezieht.»
Nun dürfte die Preisbekanntgabe gerade bei dubiosen Barbershops noch das kleinste Problem sein. Tiefpreise, nicht selten 25 Franken für einen Haarschnitt oder 15 Franken für eine Bartrasur, sind aussen am Geschäft meist gross ausgeschildert.
Frage ans Seco: Werden auch offensichtlich nicht kostendeckende Preise beanstandet beziehungsweise mit Blick auf Schwarzarbeit oder andere Delikte hinterfragt? Werden die Kontrollen im Verbund mit anderen Behörden durchgeführt, zum Beispiel mit dem Zoll wegen Fälschungen oder den Migrationsbehörden? Wird beispielsweise auch überprüft, ob das Personal über die erforderlichen Ausbildungen – in der Kosmetikbranche teilweise ein Problem – verfügt?
Seco-Sprecher Fabian Maienfisch antwortet: «Bei dieser Kampagne geht es ausschliesslich um die Preise.» Die in den Fragen aufgeworfenen Probleme würden «in anderem Zusammenhang und basierend auf anderen Gesetzen überprüft».
Einer, der seit Jahren erfolgreich und beispielhaft auf Kontrollen im Verbund setzt, also auf gleichzeitige Kontrollen mit allen betroffenen Behörden, ist der Berner Fremdenpolizeichef Alexander Ott. Er bezeichnet diese Kontrollen als «Pariter». Benannt nach dem lateinischen Adverb, weil sie von verschiedenen Behörden gleichzeitig und in gleicher Weise durchgeführt werden. Auf die Frage, ob das Vorgehen des Bundes, der allein die Preisangabe kontrollieren will, etwas bringe, antwortet er: «Das ist eine typische Antwort der Bundesverwaltung.»
Aber immerhin, die Barbershop-Offensive des Bundes zeigt, dass sich, auch im Zuge der Clan-Serie von CH Media, etwas bewegt. Und Ott sieht insgesamt durchaus Fortschritte. Wichtig sei, dass der Bund überhaupt aktiv werde. Und: «Immer mehr Behörden interessieren sich für unsere Pariter-Verbundkontrollen. Das werte ich als einen schönen Erfolg. Zudem lanciert der VSSA mit dem VKM zusammen nächstes Jahr eine Sensibilisierungskampagne zu diesem Thema.»
Der VSSA ist der Verband Schweizerischer Arbeitsmarktbehörden, der VKM der Fachverband der kantonalen und städtischen Migrationsbehörden.
Dort geht es unter anderem darum, Arbeitsmarktinspektoren zu sensibilisieren. Damit sie noch besser die Indikatoren erkennen, die auf Ausbeutungssituationen hindeuten.
Im laufenden Jahr widmete sich die jährliche Kontrollkampagne des Seco den Lebensmittelgeschäften. Die grosse Mehrheit der 2505 kontrollierten Betriebe habe die Preise korrekt angegeben, so das Seco.
Die kantonalen Vollzugsstellen hätten total achtzehn Ordnungsbussen ausgesprochen und zwölf Strafanzeigen gegen Betriebe eingereicht, die die Preise trotz Mangelfeststellung nicht korrekt angegeben hatten.