Schweiz
Gesellschaft & Politik

So viel Geld geben die Parteien für die Wahlen 2023 aus

Parteien Wahlkampfbudget
Geldsegen bei den Parteien: Wer gibt am meisten für die Wahlen aus?Bild: watson

So viel geben die Parteien für die Wahlen aus – und so viel für einen einzelnen Sitz

Durch die neue Transparenzregelung müssen die Schweizer Parteien spätestens nach den Wahlen ausweisen, wie viel Geld sie für den Wahlkampf ausgeben. Interessant ist aber, wie viel eine Partei für einen Sitz im Parlament bezahlt.
14.07.2023, 15:2314.07.2023, 17:08
Folge mir
Mehr «Schweiz»

Geld regiert die Welt. Auch in der Schweiz spielt das Geld eine Rolle, wer in Zukunft mitentscheiden darf – wenn es um die Wahlkampfbudgets der nationalen Parteien geht.

watson hat bei den sechs grössten Parteien nachgefragt, wie viel Geld sie für den Wahlkampf aufwenden, woher es kommt und wofür sie es ausgeben.

GLP

Am wenigsten Geld für den Wahlkampf haben die Grünliberalen Schweiz (GLP). Wie viel die Partei bereits eingenommen hat, kommuniziert sie nicht, doch «die geplanten Ausgaben bewegen sich in der Grössenordnung von 1 Million Franken», teilt die GLP auf Anfrage mit. Die Mittel würden zum einen aus Überschüssen aus den letzten Jahren stammen, welche die Partei gezielt für die Wahlen angespart habe. Und zum anderen aus Einnahmen durch Spenden und Zuwendungen.

Ausgegeben werde das Geld als finanzielle Unterstützung für die Kantone. Gleichzeitig würden aber die Kantonalparteien und Kandidierenden selbst viel Geld in den Wahlkampf einbringen, dies komme noch zu der Million hinzu.

Rund ein Drittel, also 320'000 Franken, gehe als finanzielle Unterstützung an die Kantone und die Jungen Grünliberalen. Zudem werde die GLP Schweiz viel in Werbung im digitalen Raum investieren, aber noch mehr «im öffentlichen Raum wie Plakate». Diese Ausgaben könnten am Schluss aber höher oder tiefer ausfallen. «Wenn die Einnahmen im Wahlkampf unsere Erwartungen übertreffen sollten, könnten wir mehr Geld in den Wahlkampf investieren.»

SP

Ein vergleichbares kleines Portemonnaie für den Wahlkampf hat die zweitgrösste Schweizer Partei: die SP. Sie budgetiert 1,5 Millionen Franken für den nationalen Wahlkampf, wie die Sozialdemokraten auf Anfrage mitteilen.

«Finanziert wird der Wahlkampf über Spenden von Privatpersonen, insgesamt haben über 10’000 Menschen dazu beigetragen», schreibt die SP. Die Durchschnittsspende betrage 73 Franken. Im Gegensatz zu den Grünen fällt die höchste Einzelspende deutlich tiefer aus: 5000 Franken war der Höchstbetrag, der jemand der nationalen Partei geschenkt hat. Bei den kantonalen Parteien dürfte dies nochmals anders aussehen.

Und wie setzt die SP Schweiz ihr Geld ein? 550’000 Franken sollen an Campaigner und Campaignerinnen gehen. Für Plakate und Inserate gibt die Partei 450’000 Franken aus, für Flyer und Drucksachen 250’000 Franken und für Webseiten und für Werbung in den sozialen Medien 250’000 Franken.

Grüne

Dass die nationalen Grünen ebenfalls mit 1’500’000 Franken dasselbe Wahlkampfbudget wie die SP haben, hat mit einer historischen Riesenspende einer Einzelperson zu tun. Eine Million Franken erhielt die Partei von der Erbin des Baustoffkonzerns Sika, Carmita Burkard. Damit ist die höchste Einzelspende der Grünen 200 Mal höher als die der SP.

Die restlichen Einnahmen von 500’000 Franken stammen «aus Kleinspenden unserer Mitglieder und Sympathisantinnen sowie aus Rückstellungen», wie die Grünen auf Anfrage schreiben. Und: «Wir rechnen damit, dass sich das Budget noch auf rund 1’600’000 vergrössert.» Die grössten Ausgabepunkte für die Grünen seien zusätzliche Mitarbeitende, also Campaigner oder Programmierer für die angekündigte Mobilisierungs-App.

«Wir geben rund eine halbe Million Franken weiter an Kantonalparteien sowie die Unterstützung der Jungen Grünen», schreibt die Partei. Zudem seien über 100’000 Franken vorgesehen für Events. Besonders unterstützen möchten die Grünen vor allem Frauen und Kandidierende mit Migrationshintergrund oder aus der LGBTQIA+ Community. Warum? «Weil sie häufiger Hate-Speech und anderen Hürden ausgesetzt sind.» Mehrere hunderttausend Franken seien zudem geplant für die Produktion und Verteilung von Werbematerialien.

Mitte

Wortkarg äussert sich die Mitte-Partei auf Anfrage zu ihrem Wahlkampf-Budget. Wie viel sie bereits gesammelt hat, kommuniziert die Partei nicht. Aber: «Die Zielgrösse für unser Wahlkampfbudget ist zwei Millionen Franken.»

Woher das Geld stammt, beantwortet die Partei nicht. Wofür es eingesetzt wird, hingegen schon: «Für den Wahlkampf verfolgt die Mitte Schweiz einen digitalen Ansatz und schaltet Werbung in den gängigen sozialen Medien, Onlinezeitschriften sowie in ausgewählten Applikationen.»

Bekannt ist, dass die Unterschiede bei den kantonalen Sektionen der Mitte-Partei gross sein dürften. So wird geschätzt, dass alleine die Mitte Zug 200’000 Franken für den nationalen Wahlkampf aufwendet.

FDP

Das zweitgrösste Wahlkampf-Portemonnaie haben die Freisinnigen: 2,5 Millionen Franken. «Wir sammeln aber weiter Spendengelder für den Wahlkampf», schreibt die FDP Schweiz auf Anfrage. Das Geld stamme aus «einer Vielzahl von Spenderinnen und Spendern» und von den Reserven der letzten Jahre.

Ausgegeben werde das Geld vor allem für die nationale Plakatkampagne, die auch online läuft – wie etwa jene zu den Klimaklebern. «Zudem markieren wir auch auf Social Media Präsenz und werden unsere Anstrengungen in diesem Bereich in den nächsten Wochen noch verstärken.»

SVP

Den grössten Geldsack für die Wahlen hat die grösste Partei: die SVP Schweiz. Sie verfügt über ein Budget von rund 4,5 Millionen Franken. «Die Summe haben wir erreicht, weil wir unmittelbar nach den Wahlen 2019 Rückstellungen getätigt und damit begonnen haben, Spenden für den Wahlkampf 2023 zu sammeln», schreibt die SVP auf Anfrage. Aber auch viele Kleinspenden habe die Partei erhalten.

Die SVP hofft darauf, ihren Budget-Vorsprung noch weiter auszubauen. «Wir sammeln mit Hochdruck weiter Spenden. Wie viel wir letztlich effektiv zur Verfügung haben, werden wir gemäss der neuen gesetzlichen Transparenzregelung ausweisen.» Ausgegeben werde das Geld im Wahlkampf für Offline- und Online-Werbung.

Wie viel die Parteien pro Parlamentssitz ausgeben

Die SVP Schweiz hat aber nicht nur gesamthaft das grösste Wahlkampfbudget, sondern auch verteilt auf die Parlamentssitze. Kombiniert mit den Parlamentssitzen pro Partei gibt die SVP für einen Sitz 75’000 Franken aus.

Dahinter folgt die Partei mit dem kleinsten Budget, aber auch den wenigsten Parlamentariern: Die GLP gibt 62’500 Franken aus pro Sitz.

Auf dem dritten Platz liegt die FDP mit 61’000 Franken, dann die Grünen mit 48’500 Franken sowie die Mitte mit 44’500 Franken. Das Schlusslicht bildet die SP mit 33’500 Franken pro Sitz und damit knapp der Hälfte weniger als die SVP.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Mögliche Bundesratsnachfolge für Alain Berset
1 / 8
Diese SPler wollen für Alain Berset in den Bundesrat
Evi Allemann, Berner Regierungsrätin, kandidiert bereits das zweite Mal. Sie wollte bereits 2022 als Nachfolgerin von Simonetta Sommaruga kandidieren, landete jedoch nicht auf dem Wahlvorschlag der SP. Allemann erreichte den dritten Platz und wurde nicht nominiert. Die ausgebildete Juristin hat zwei Kinder.
quelle: keystone / peter klaunzer
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Hier verkündet Berset seinen Abgang aus dem Bundesrat
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
58 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
insert_brain_here
14.07.2023 16:37registriert Oktober 2019
Wenig überraschend, wer Politik für Reiche macht wird von jenen auch grosszügig unterstützt. Sich für sozial schwache Menschen einzusetzen lohnt sich finanziell nicht.
13819
Melden
Zum Kommentar
avatar
Don Alejandro
14.07.2023 16:45registriert August 2015
Wirklich demokratisch wäre es, wenn alle Parteien gleich viel Geld für die Wahlen zur Verfügung hätten. Nun bleibt einem nichts mehr anderes übrig, als erneut an so manchen geschmacklosen Plakaten vorbei laufen zu müssen.
11126
Melden
Zum Kommentar
avatar
Ökonometriker
14.07.2023 16:50registriert Januar 2017
Diese Wahlkampfbudgets sind im Vergleich zu den Parteibudgets alle sehr tief. Mehr ins Gewicht fallen Parteispenden: gem. nat. Steuerregister werden pro Jahr gut 50 Mio. von Privatpersonen an Parteien gespendet. Dazu kommen noch spenden durch Unternehmen und Spenden über 10k, die nicht von der Statistik erfasst wurden.

Dass manche Parteien auch ganze Medienhäuser defacto kontrollieren, fällt ebenfalls aus der Statistik. Und Firmenchefs, die ihrer Partei gratis Dienstleistungen erbringen, ebenfalls.
707
Melden
Zum Kommentar
58
Doch keine Landesverweisung für Bieler Laienprediger Abu Ramadan

Der frühere Bieler Laienprediger Abu Ramadan muss die Schweiz doch nicht verlassen. Das hat das Berner Obergericht am Freitag in zweiter Instanz entschieden.

Zur Story