Schweiz
Gesundheit

Grippewelle und Covid in der Schweiz: Ein Infektiologe schätzt ein

Bei starken Grippesymptomen empfiehlt der Infektiologe, zuhause zu bleiben.
Bei starken Grippesymptomen empfiehlt der Infektiologe, zuhause zu bleiben.Bild: Shutterstock

Sind wirklich alle krank? Eine Übersicht in 5 Punkten

05.01.2025, 14:5705.01.2025, 15:28

Im Büro, in der Familie, im Kollegenkreis. Die vergangenen Wochen erweckten den Eindruck, als sei gefühlt die ganze Schweiz krank. Bei der Arbeit waren Teams unterbesetzt, familiäre Weihnachtsessen mussten verschoben und Treffen mit Freunden abgesagt werden.

Und überall war zu hören: «Ich werde einfach nicht gesund.» Auch der Autor dieser Zeilen wurde durch einen grippalen Infekt zwei Wochen ausser Gefecht gesetzt. Eine hartnäckige Erkältung mit bis jetzt laufender Nase, Halsschmerzen und Husten. Nichts Tragisches, aber halt mühsam.

Doch lässt sich das subjektive Gefühl mit Daten erhärten? Sind tatsächlich alle krank? Ist vielleicht sogar eine Häufung von Covid-Erkrankungen zu beobachten? Walter Zingg, leitender Arzt in der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich, hat Antworten.

Sind überdurchschnittlich viele Menschen krank?

Nein, sagt Walter Zingg. Die Dynamik sehe aktuell nicht sehr anders aus als noch im Dezember vor einem Jahr. Auch einen Anstieg an Covid-Fällen stellt der Infektiologe nicht fest. Die erkrankten Personen litten vorwiegend unter einer Grippe. «Wir haben deutlich weniger Fälle mit Covid-19.»

Walter Zingg, leitender Arzt in der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich.
Walter Zingg, leitender Arzt in der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich.bild: zvg

Welche Grippeviren kursieren?

In den Abwassermessungen verzeichneten Influenza A und Influenza B ähnliche Werte, so Zingg. «Im Spital stellen wir hauptsächlich Influenza A fest.»

Gelegentlich würden auch Respiratorische-Synzytial-Viren (RSV) nachgewiesen, «im Vergleich zu Kindern spielt dieses Virus bei Erwachsenen jedoch eine kleinere Rolle». Saisonal bedingt gebe es zudem Patienten mit einer invasiven Pneumokokken-Infektion, teilweise litten diese Personen bereits unter einer Grippe.

Respiratorische-Synzytial-Viren (RSV)
In gemässigtem Klima kommt es häufig im Winter zu eher lokalen Ausbrüchen von RSV. Kinder haben meistens Schnupfen und Fieber, Erwachsene Halsschmerzen und wenig Fieber. Die Wiederansteckung ist häufig, aber jeweils mit einem milderen Verlauf. Schwer kann der Verlauf bei immunsupprimierten Patienten sein.
quelle: usz.ch

Soll man sich bei Symptomen auf Covid testen lassen?

Infektiologe Zingg sagt: «Grundsätzlich gibt es keinen Grund, sich bei einer unkomplizierten Infektion der oberen Atemwege (Nase, Nasennebenhöhlen und Rachenraum) testen zu lassen.» Bei einer Verschlechterung der Symptome und bei einer Hospitalisierung sei dies jedoch angezeigt.

Das Universitätsspital Zürich testet alle Patienten mit Symptomen, welche die Atemwege betreffen, auf Covid, Influenza und RSV, weil dies «praktische Konsequenzen im Patientenmanagement» habe.

Warst du diesen Winter schon mal krank?
An dieser Umfrage haben insgesamt 5476 Personen teilgenommen

Wie lange soll man bei einer Erkrankung zuhause bleiben?

Zingg empfiehlt: «Bis das Fieber weg ist und die schwereren Symptome abgeklungen sind.» Bei leichten Symptomen könne man arbeiten gehen, jedoch unter Berücksichtigung von Hygienemassnahmen wie Hände waschen, in die Armbeuge niesen und verwendete Papiertaschentücher sogleich entsorgen.

Soll man im öffentlichen Verkehr oder beim Einkaufen eine Maske tragen?

«Eigentlich sollten diejenigen Masken tragen, die Symptome haben – das wäre am effektivsten», so die Meinung von Infektiologe Zingg. Wer sich grundsätzlich schützen möchte, könne ebenfalls eine Maske tragen. Dann aber vorzugsweise eine normale Atemschutzmaske.

FFP-Masken sollten nur in besonderen Situationen und von Personen getragen werden, die darin geübt seien (z. B. immunkranke Menschen, die den Umgang mit FFP-Masken gewohnt sind).

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