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Im Mai demonstrierte Gesundheitspersonal in Basel. Ihr Anliegen: zu wenig Personal, zu wenig Zeit und zu viel Druck bei zu tiefem Lohn.
Im Mai demonstrierte Gesundheitspersonal in Basel. Ihr Anliegen: zu wenig Personal, zu wenig Zeit und zu viel Druck bei zu tiefem Lohn.
Bild: keystone

Neuer Bericht zeigt: So steht es um das Gesundheitspersonal

Der neue Bericht zur Situation des Gesundheitspersonals hat in der gegenwärtigen Pandemie besonders Gewicht. Er zeigt nun: Es braucht mehr Nachwuchs. Doch der Berufsverband bemängelt den Bericht.
07.09.2021, 06:0107.09.2021, 12:14

Die Pandemie hat verdeutlicht: Das Gesundheitspersonal ist systemrelevant. Und es ist unzufrieden: Die Arbeitsbedingungen vertreiben das Personal aus dem Job. Der nationale Versorgungsbericht über die Situation des Schweizer Gesundheitspersonals, der bisher zweimal erschien, ist deshalb wichtiger denn je. Am Montag wurde er in Bern vorgestellt.

Der Bericht kommt zum Schluss: Die Gesundheitsbranche sei auf dem richtigen Weg. Trotzdem bestehe Handlungsbedarf. «Zwischen Angebot und Bedarf an Personal gibt es immer noch eine deutliche Lücke», sagte Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK).

Abschlüsse haben zugenommen

Zusammen mit dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) und OdASanté hat die GDK den dritten Bericht nach 2009 und 2016 erarbeitet. Die ergriffenen Massnahmen von Bund, Kantonen und Gesundheitsbranche zeigten Wirkung, besonders in der Nachwuchssicherung, heisst es nun. Der Bestand des Pflege- und Betreuungspersonals sei zwischen 2012 und 2019 um 29'100 Personen angestiegen – ein Zuwachs von 19 Prozent. Ausserdem wird prognostiziert, dass die Ausbildungsabschlüsse weiter zunehmen werden.

Alles im Lot also? Nicht wirklich: Zum einen zeigt der Bericht, dass rund ein Drittel des diplomierten Pflegepersonals aus dem Ausland stammt. Genauer gesagt aus Ländern, in denen sich die Regierungen derweil bemühen, ihr Fachpersonal selber beschäftigen zu können. Deshalb rechnen die Herausgeber des Berichtes in Zukunft mit weniger Personal aus dem Ausland. Zum anderen sind Rekrutierungsmassnahmen nutzlos, wenn ein Grossteil der Ausgebildeten nach wenigen Jahren den erlernten Beruf hinschmeissen. Denn das ist momentan der Fall.

Hier formulieren die Herausgeber des Versorgungsberichts Massnahmen, um den frühzeitigen Austritt zu verhindern: Sie schlagen eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder eine gute Einarbeitung vor. Ein höherer Lohn ist derweil kein Thema. Vor den Medien sagte GDK-Präsident Engelberger: «Das Problem der Branche ist nicht allein durch mehr Lohn lösbar.» Der Hund liege bei der Arbeitsbelastung begraben: Sie sei zu hoch wegen des Personalmangels sowie der Anzahl Nacht- und Wochenenddienste. «Wenn wir mehr Ressourcen zur Verfügung stellen müssen, dann bei der Dotation», sagt Engelberger. Und: «Wir müssen mehr Arbeitnehmende ins Gesundheitswesen bringen.»

Initiative nimmt Bund in die Pflicht

Bei diesen Kernproblemen will auch die Pflegeinitiative ansetzen, die am 28. November 2021 an die Urne kommt. Anders als die Herausgeber der Versorgungsberichte sehen sie nicht nur die Kantone und Gesundheitsbetriebe in der Pflicht: Die Initiative fordert vom Bund, dass er die Arbeitsbedingungen in Spitälern, Heimen und Spitexorganisationen verbindlich regelt.

GDK-Präsident Engelberger sieht das anders. «Die Mehrheitsmeinung im Verband ist, dass es nicht stufengerecht ist, wenn der Bund einzelnen Institutionen konkrete Vorschriften macht. Das liegt in der kantonalen Kompetenz.» Deshalb stimme die GDK dem Gegenvorschlag anstatt der Pflegeinitiative zu.

Berufsverband übt Kritik

Yvonne Ribi versteht die Haltung der GDK nicht. «Es ist ein Hin- und Herschieben der Kompetenzen. Der Bund muss Leitplanken legen, an der sich die Kantone orientieren», so die Geschäftsführerin des Schweizer Berufsverbandes der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK). «Dass ein grosser Teil den Beruf frühzeitig verlässt, zeigt, dass die momentanen Anstrengungen eben nicht reichen.»

Dieses Problem zu lösen, indem man mehr Fachpersonen ausbildet, ist in Ribis Augen zwar ein wichtiger Schritt. «Aber es reicht nicht. Der Versorgungsbericht ist zu unkonkret bei den Massnahmen und nimmt Arbeitgeber und Kantone zu wenig in die Pflicht.»

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