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ZUM 20. JAHRESTAG DES MASSENSELBSTMORDES DER SONNENTEMPLER AM SONNTAG, 5. OKTOBER 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - EDITORS NOTE : GRAPHIC CONTENT - Policmen carry dead bodies out of a farm in Cheiry, Canton of Fribourg, Switzerland, Wednesday, October 5, 1994. At least 48 people, including children, were found dead after fires destroyed the farm in Cheiry and three chalets in Les Granges, Canton of Valais, in an apparent mass suicide by members of the solar temple cult. (KEYSTONE/Str)

Tödlicher Glaubenscocktail: Opfer des Sonnentempler-Massakers im freiburgischen Cheiry.  Bild: KEYSTONE

Todessekte in der Westschweiz

Am 5. Oktober 1994 findet die Polizei in der Westschweiz 23 verkohlte Leichen. Die bis heute offenen Fragen um das Drama der Sonnentempler

Es begann mit esoterischen Zirkeln und endete mit einer Katastrophe: 53 Menschen der Todessekte starben vor 20 Jahren in der Westschweiz und in Kanada. Die Geschichte der Katastrophe ist gründlich ausgeleuchtet – und wirft doch viele Fragen auf. 



23 verkohlte Leichen wurden im Morgengrauen des 5. Oktober 1994 auf einem Gehöft im Freiburger Weiler Cheiry entdeckt, die Körper waren in Kultgewänder gehüllt. Praktisch gleichzeitig fand die Feuerwehr in Granges-sur-Salvan VS 25 Leichen in den Trümmern eines Chalets. Die Nachricht hatte sich kaum verbreitet, als die Behörden in Kanada einen weiteren Brand mit 5 Toten meldeten. 

ZUM 20. JAHRESTAG DES MASSENSELBSTMORDES DER SONNENTEMPLER AM SONNTAG, 5. OKTOBER 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Members of the media on the site of the destroyed farmhouse in Cheiry, Canton Fribourg, Switzerland, were 23 dead bodies of members of a cult have been found Wednesday, October 5, 1994. A total of 48 people, including children, were found dead after fires destroyed a farm in Cheiry in Swiss canton Fribourg and three chalets in Granges-sur-Salvan in Swiss canton Valais an apparent mass suicide by members of a cult. (KEYSTONE/Edi Engeler)

Das zerstörte Bauernhaus in Cheiry. Hier starben 23 Sonnentempler.  Bild: KEYSTONE

Alle drei Anwesen, das war rasch klar, gehörten dem Orden der Sonnentempler – einer Weltuntergangssekte, wie es hiess. Zunächst ging man von Massenselbstmord aus. Schliesslich lag ein Abschiedsschreiben vor: «Wir verlassen diese Erde ohne Bedauern, um in ganzer Klarheit und Freiheit eine Dimension der Wahrheit zu finden.» Ausserdem waren die beiden Sektenführer Luc Jouret und Jo Di Mambro unter den Toten. 

Die Untersuchungen zeigten allerdings rasch, dass viele der Menschen erschossen worden waren. Die Brände wurden erst danach per Zeitzünder ausgelöst. Wer sich erschiessen liess und wer kaltblütig ermordet wurde, bleibt ein Geheimnis. Die Schützen richteten sich offenkundig selber. 

ZUM 20. JAHRESTAG DES MASSENSELBSTMORDES DER SONNENTEMPLER AM SONNTAG, 5. OKTOBER 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - The chalets named

Die Chalets der Sekte in Granges-sur-Salvan im Kanton Wallis. Hier wurden 25 Leichen gefunden.  Bild: KEYSTONE

ZUM 20. JAHRESTAG DES MASSENSELBSTMORDES DER SONNENTEMPLER AM SONNTAG, 5. OKTOBER 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Burned canisters lie in the fire ruins of the destroyed chalets in Granges-sur-Salvan, Canton Valais, Switzerland, were 25 dead bodies of members of a cult have been found Wednesday, October 5, 1994. A total of 48 people, including children, were found dead after fires destroyed a farm in Cheiry in Swiss canton Fribourg and three chalets in Granges-sur-Salvan in Swiss canton Valais an apparent mass suicide by members of a cult. (KEYSTONE/Str)

Die Brände in den Sekten-Anwesen wurden per Zeitzünder ausgelöst.  Bild: KEYSTONE

Weltverbesserer

Am Anfang des Dramas standen Vorträge, die der belgische Heilpraktiker Luc Jouret in den 1980er-Jahren hielt. Im ganzen französischen Sprachraum, auch in der Westschweiz, zog er Menschen in den Bann, die der Esoterik zugänglich waren und die Apokalypse fürchteten. Jouret konnte sie motivieren, sich für eine friedlichere und ökologischere Welt einzusetzen. 

Er begann Strukturen zu schaffen für eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, zusammen mit Jo Di Mambro – einem notorischen Betrüger und Seelenfänger erster Güte. 1989 zählten die Sonnentempler 442 Mitglieder, die meisten davon in Frankreich, Kanada und in der Westschweiz. 

Der Esoterik-Zirkel war nicht geheim, es gab Medienberichte und Werbespots. Dort zeigten sich Sonnentempler als glückliche Gemüsebauern. Unbekannt war, dass dies bloss die äussere Schale war. Denn es gab auch einen inneren Kreis, zu dem nur einige Dutzend Mitglieder zugelassen waren. Jouret und Di Mambro liessen diese Menschen glauben, sie seien Auserwählte und könnten die Apokalypse in «Überlebenszentren» überstehen. 

Di Mambro setzte ihnen einen Glaubens-Cocktail vor, für den er altbekannte mystisch-religiöse und esoterische Elemente mixte. Vor allem aber nahm er die Menschen aus, kontrollierte ihr Sozialleben und täuschte sie nach Belieben. In Kulträumen der Sekte erschien den Gläubigen das Gesicht eines Meisters oder ein schwebendes Schwert, von dem Blut tropfte. Die «Special Effects» arrangierte Di Mambro selber, wie Sektenmitglieder herausfanden. Einige wandten sich darauf von ihm ab, die meisten folgten ihm weiter blind. 

ZUM 20. JAHRESTAG DES MASSENSELBSTMORDES DER SONNENTEMPLER AM SONNTAG, 5. OKTOBER 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Der Hauptraum des unterirdischen Tempels des Sonnentemplerordens in Cheiry (FR), in dem am 6. Oktober 1994 23 Leichen gefunden wurden. Die Aufnahme enstand am selben Tag. Im ganzen wurden in dem Bauernhaus 48 teils verkohlte Leichen gefunden. Bei manchen war Drogeneinfluss nachweisbar, andere wiesen Kopfschuesse auf. (KEYSTONE/Ruben Sprich)

Keine «Special Effects» mehr: Der Hauptraum des unterirdischen Sonnentempler-Tempels in Cheiry.  Bild: KEYSTONE

ZUM 20. JAHRESTAG DES MASSENSELBSTMORDES DER SONNENTEMPLER AM SONNTAG, 5. OKTOBER 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Rescue workers search for evidence in the destroyed chalets in Granges-sur-Salvan, Canton Valais, Switzerland, were 25 dead bodies of members of a cult have been found Wednesday, October 5, 1994. A total of 48 people, including children, were found dead after fires destroyed a farm in Cheiry in Swiss canton Fribourg and three chalets in Granges-sur-Salvan in Swiss canton Valais an apparent mass suicide by members of a cult. (KEYSTONE/Fabrice Coffrini)

Ein abgebranntes Chalet in Salvan. Bild: KEYSTONE

Transit zum Sirius

Di Mambro fühlte sich immer mehr von der Welt bedrängt. In Kanada wurden Sonnentempler wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt. Die monatelange Überwachung und die Presseberichte setzten Di Mambro zu. Das Geld wurde knapp, weil Geldgeber ausstiegen. 

Die Sektenführer begannen den Abschied von dieser Welt vorzubereiten. Sie nannten das – in bester esoterischer Tradition – den «Transit zum Sirius». In den letzten Wochen ging alles rasend schnell. Erst liess Di Mambro fünf Menschen in Morin Heights in Kanada ermorden, weil ein Sektenpaar seinem Kind einen ihm nicht genehmen Namen gegeben hatte. Dann bereitete er mit Jouret das Drama in Cheiry und Salvan vor und nahm Dutzende Menschen mit in den Tod. 

Nachbeben

Das Drama hatte zwei Nachbeben. 1995 wurden 16 Leichen in Grenoble entdeckt, 1997 nochmals fünf Leichen in Kanada. In beiden Fällen handelte es sich um Sektenmitglieder, die den ersten «Transit» verpasst hatten. Sie starben freiwillig oder wurden von anderen Mitgliedern erschossen, die sich dann selber richteten. 

Die Ermittler kamen nach jedem Drama zum Schluss, alle Schuldigen seien tot. Vor Gericht stand nur der Genfer Dirigent Michel Tabachnik, der Di Mambro nahestand – er wurde in Frankreich freigesprochen. Viele Opferangehörige sind bis heute verbittert, dass nie jemand verurteilt wurde. (dhr/sda)

A police officer stands guard over a display of articles in Montreal Friday, November 18, 1994, all of them found following the fire and death of members of the Solar Temple in Morin Heights, Quebec, last month. (KEYSTONE/AP Photo/CP/Paul Chiasson)

Ein kanadischer Polizist präsentiert der Presse Objekte, die im Sonnentempler-Anwesen in Morin Heights gefunden wurden.  Bild: AP CP

ZUM 20. JAHRESTAG DES MASSENSELBSTMORDES DER SONNENTEMPLER AM SONNTAG, 5. OKTOBER 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Des employes de l' instiut de medecine legale de Lausanne dechargent, ce mercredi 5 octobre 1994, les 23 corps des membres de la secte de l' Ordre de la Tradition Solaire qui se sont suicides a Cheiry afin d' effectuer les autopsies. Les corps des suicides des chalets de Granges-sur-Salvan ont ete achemines a Sion. Ils seront transporte a Lausanne ulterieurement.  (KEYSTONE/24HEURES/Blaise Kormann)

Die Leichen wurden nach Lausanne ins Gerichtsmedizinische Institut gebracht und obduziert. Bild: KEYSTONE 24HEURES 

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