Schweiz
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ARCHIVE --- VOR 70 JAHREN, AM 1. APRIL 1944, WURDE DIE STADT SCHAFFHAUSEN IM ZWEITEN WELTKRIEG IRRTUEMLICHERWEISE ZIEL EINES LUFTANGRIFFS DURCH AMERIKANISCHE FLUGZEUGE. DAZU STELLEN WIR IHNEN DIESES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Firefighters and air defence soldiers on duty for clearing work in Schaffhausen, Switzerland, pictured on April 4, 1944, during the war. On April 1, 1944, the city of Schaffhausen and its surroundings were targeted by US-American combat aircraft due to misguided navigation. After bomber squadrons consisting of

Aufräumarbeiten in der schwer getroffenen Stadt.  Bild: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Walter Scheiwiller/Milou Steiner/Eugen Suter)

40 tödliche Sekunden

Vor 70 Jahren brachten die Amerikaner den Krieg nach Schaffhausen

Am 1. April 1944 warf die US-Luftwaffe 371 Bomben auf Schaffhausen. Der Angriff, der eigentlich der deutschen Stadt Ludwigshafen gegolten hatte, zerstörte 67 Gebäude und forderte 40 Todesopfer. 



Das Wetter spielte Schicksal an diesem Samstag, dem 1. April 1944, als fast 1000 Bomber der amerikanischen 8th Army Air Force in Südengland abhoben. Über dem Ärmelkanal und über dem immer noch deutsch besetzten Frankreich herrschten äusserst schlechte Verhältnisse, die einen Grossteil der Flugzeuge zur Umkehr zwangen. Jene, die ihre Mission nicht abbrachen, verirrten sich. 

Blick auf die brennende Stadt. Bild: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Walter Scheiwiller, Milou Steiner

Gut 600 Kilometer Luftlinie südöstlich davon schien dagegen die Sonne. In Schaffhausen lockte das schöne Frühlingswetter die Menschen nach draussen. Um 10.39 Uhr heulten die Sirenen: Fliegeralarm! Viele Schaffhauser liessen sich nicht gross davon beeindrucken; schliesslich war es nicht das erste Mal. Manche stellten sich sogar ans Fenster oder gingen ins Freie, um den Überflug der Bomber zu beobachten. 

Doch diesmal ist es tödlicher Ernst. 47 Flugzeuge vom Typ Consolidated B-24 Liberator nähern sich aus dem Raum Bodensee - Frauenfeld. Die ersten Flugzeuge werfen rote Leuchtkugeln – sogenannte «Christbäume» – ab; sie sollen das Ziel für die folgenden Bomber markieren. Die erste Staffel lässt keine Bomben fallen, die zweite wirft ihre Last über dem Kohlfirstwald ab. Doch die Bomben der dritten Staffel treffen um 10.50 Uhr das Stadtzentrum. 

Löscharbeiten an einem zerstörten Haus. Bild: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Walter Scheiwiller/Milou Steiner/Eugen Suter

40 Sekunden lang regnen 378 Spreng- und Brandbomben auf Schaffhausen. 40 Menschen kommen in dem Inferno um, 271 werden verletzt. 67 Gebäude – darunter der Bahnhof, das naturhistorische Museum am Herrenacker und das Museum zu Allerheiligen – sind zerstört. Die Katastrophe macht über 460 Menschen obdachlos; 1000 Arbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Es ist die bisher schwerste Bombardierung einer Schweizer Stadt. 

Bomben auf die Schweiz: Bombardierung Schaffhausens durch die USA. Video: Youtube/ww2schweiz

Die Tatsache, dass die amerikanischen Bomber Schaffhausen bei besten Sichtverhältnissen bombardiert hatten, nährte die These, es habe sich um einen gezielten «Vergeltungsschlag» oder einen «Denkzettel» gehandelt. Hatte nicht die örtliche Industrie die Nazis mit Rüstungsgütern beliefert? Konnte es wirklich sein, dass die Bomber ihr offizielles Ziel – Ludwigshafen am Rhein – um über 200 Kilometer verfehlt hatten?

Trümmer und Brandruinen in der Stadt. Bild: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Walter Scheiwiller, Milou Steiner

Die heute in amerikanischen und britischen einsehbaren Akten können diese These nicht stützen. Es handelte sich um einen tragischen Irrtum der unerfahrenen Bomberbesatzungen, die beim Anflug auf ihr Ziel die Orientierung verloren hatten. Das zeigt sich auch daran, dass andere Flugzeuge desselben Verbandes mit Ziel Ludwigshafen an diesem Tag Strassburg, Pforzheim und Grafenhausen angriffen. 

Die meisten der 40 Opfer wurden am 4. April in einem Gemeinschaftsgrab auf dem Waldfriedhof in Schaffhausen beigesetzt.  Bild: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Walter Scheiwiller/Milou Steiner/Eugen Suter

Der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt entschuldigte sich später bei Stadtrat und Bevölkerung von Schaffhausen für die irrtümliche Bombardierung und die USA zahlten dem Kanton als Wiedergutmachung 40 Millionen Franken. Die meisten Schaffhausener Opfer wurden am 4. April in einem Gemeinschaftsgrab im Waldfriedhof bestattet. Seither läuten in Schaffhausen jedes Jahr am 1. April die Kirchenglocken.  (dhr)

Tondokument Bombardierung Schaffhausen: Interviews mit Augenzeugen, Aufnahmen des Tonjägerclubs Zürich vom 1.4.1964.  Video: Youtube/Stadtarchiv Schaffhausen

Website mit zahlreichen Bildern des bombardierten Schaffhausens >>

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Hessmex 01.04.2014 16:33
    Highlight Highlight Vielen Dank für diesen Bericht. Meine Mutter befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Post auf der anderen Strassenseite vom Bahnhof. Sie hat mir oft davon erzählt. Leider starb sie sehr früh, deshalb hat mich dieser Bericht emotional an meine Mutter errinnert. Danke.

Drogen-«Arena»: Kokser Anton Kohler verzweifelt an SVP-Abstinenzlerin Geissbühler

Wie umgehen mit verbotenen Substanzen? In der «Arena» wurde über Kokain, Heroin und Cannabis gestritten – und die legalen Suchtmittel Alkohol und Tabak. Die interessantesten Figuren sassen im Publikum – und erzählten ganz unterschiedlich von ihrem eigenen Drogenkonsum.

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