«Historische Hitzewelle» hat Europa im Griff – in der Schweiz dürften Rekorde purzeln
Europa erlebt gerade eine für Mai doch ungewöhnliche Hitzewelle. An verschiedenen Orten – auch in der Schweiz – kletterte das Thermometer bereits an diesem Wochenende über die 30-Grad-Marke. Hinter den hohen Temperaturen steckt das Phänomen der Hitzeglocke (Englisch: «heat dome»).
Dabei werden die Luftmassen über Westeuropa blockiert, Strömungen mit kühler Luft prallen an der Grenze der Glocke ab. Gleichzeitig fliesst heisse Luft aus Nordafrika nach West- und Mitteleuropa, sinkt dort ab und verhindert die Wolkenbildung. Die Sonne kann den Boden so ungehindert erwärmen. Das Ergebnis: eine Hitzewelle.
Aktuell liegen die Temperaturen in weiten Teilen Europas bis zu 15 Grad über dem langjährigen Mittel, wie der europäische Wetterdienst Severe Weather schreibt. Und weiter:
Mairekorde dürften in der Schweiz fallen
Dieses Jahr wurde die 30-Grad-Marke in der Schweiz bereits am 22. Mai überschritten. «Das ist ziemlich früh im Jahr, jedoch nicht rekordfrüh», schreibt der Wetterdienst MeteoNews dazu auf X. Der früheste je gemessene Hitzetag war der 8. April 2011 in Lugano.
In den nächsten Tagen dürften aber die Hitzerekorde für Mai auch in der Schweiz fallen. «Im Süden wird es morgen Mittwoch am heissesten, es sind 32 bis 33 Grad zu erwarten. Hier dürfte es verbreitet für neue Mairekorde reichen», schreibt MeteoNews dazu. Hier wurde es in den vergangenen Tagen am heissesten:
- Sion VS: 32,4 Grad
- Visp VS: 32,3 Grad
- Würenlingen AG: 31,5 Grad
- Biasca TI: 31,5 Grad
- Beznau AG: 31,3 Grad
Insgesamt wurde über das Pfingstwochenende an 17 Messstationen die 30-Grad-Marke geknackt. Der Bund hat für den südlichen Teil des Tessins gar eine mässige Hitzewarnung herausgegeben.
Fast 40 Grad in Spanien
Die Hitzeglocke lässt die Thermometer aber besonders auf der Iberischen Halbinsel steigen. Am Wochenende wurden in Sevilla 39 Grad gemessen. Meteorologinnen und Meteorologen rechnen damit, dass diese Woche noch die 40-Grad-Marke geknackt wird.
Auch in den Nächten kühlt es in Spanien, Portugal und im Süden Frankreichs nicht mehr richtig ab. Die ersten Tropennächte mit Mindesttemperaturen von über 20 Grad dürften ebenfalls diese Woche folgen.
Bis zum Monatsende sollen hier weitere Hitzerekorde fallen und die hohen Temperaturen breiten sich bis in den Norden aus.
Sieben Tote in Frankreich
Im Zusammenhang mit der andauernden Hitzewelle in Frankreich sind bereits sieben Menschen ums Leben gekommen. Es gebe sieben Todesfälle, die «direkt oder indirekt mit der Hitze zusammenhängen», darunter «mindestens fünf Fälle von Ertrinken», sagte Regierungssprecherin Maud Bregeon im Fernsehsender TF1. Zwei weitere Menschen seien bei Sportereignissen in Paris und im Grossraum Lyon ums Leben gekommen. Die Regierung rief die Menschen zu grosser Vorsicht auf.
Wegen der Hitzewelle galt in acht Departements in Westfrankreich die Warnstufe Orange. Nach Angaben des Wetterdienstes Météo France wurden am Dienstag Höchsttemperaturen von 33 bis 36 Grad erwartet.
Historische Hitzewelle in Grossbritannien
Grossbritannien erlebt eine historische Hitzewelle. In der Nacht zu Dienstag fiel die Temperatur im Londoner Vorort Kenley nicht unter 21,3 Grad Celsius – damit war es nachts so warm wie noch nie im Mai seit Beginn der Aufzeichnungen.
Am Montag waren tagsüber in gleich mehreren Orten Rekordwerte für diese Zeit des Jahres jenseits der 30-Grad-Marke gemessen worden. Am wärmsten war es im Südwesten Londons (34,8 Grad Celsius).
Für Dienstag werden für weite Teile Südenglands und von Wales neue Höchstwerte im Bereich von 35 Grad Celsius erwartet, wie der Wetterdienst Met Office mitteilte. Am Nachmittag steigt die Gewittergefahr. Der vorherige Rekord für den Mai mit 32,8 Grad Celsius war in den Jahren 1922 und 1944 gemessen worden.
Kein Ende in Sicht
Gegen Ende der Woche kühlen die Maximaltemperaturen in der Schweiz etwas ab und es dürfte zu Gewittern und Niederschlägen kommen. Die Hitze in Europa verschiebt sich dabei weiter in Richtung Norden und Osten.
«Allzu stark gehen die Temperaturen somit zum Start in den Monat Juni voraussichtlich nicht zurück. Möglicherweise kehrt die Hitze in der zweiten Wochenhälfte wieder zurück, allerdings ist dies noch unsicher», schreibt MeteoNews.
(leo mit Material der sda und dpa)
