Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
US President Donald Trump, center, leaves Marine One as he arrives for the annual meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Thursday, Jan. 25, 2018.  (Gian Ehrenzeller/Keystone via AP)

Donald Trump nach seiner Landung im verschneiten Davos. Bild: AP/Keystone

Das erwarten die Amerikaner von Trumps Besuch am WEF

Die Stimmung am WEF gegenüber Donald Trump ist deutlich positiver als vor einem Jahr. Die US-Wirtschaftselite geht davon aus, dass er seine «America First»-Rhetorik abschwächen wird. Es gibt aber auch kritische Stimmen.

25.01.18, 17:53 26.01.18, 05:50


Nun ist er also da. Am Donnerstag ist US-Präsident Donald Trump in Zürich gelandet und sogleich per Heli nach Davos weitergereist. Er wird am Jahrestreffen jener globalisierten Elite teilnehmen, die er im Wahlkampf mit verächtlichen Worten bedacht hatte. Entsprechend skeptisch beurteilten ihn die WEF-Teilnehmer vor einem Jahr. Wenige Tage zuvor hatte Trump in seiner Antrittsrede mit nationalistischen und protektionistischen Parolen provoziert.

Heuer ist die Stimmung in Davos weitaus freundlicher, was nicht nur an der guten Verfassung der Weltwirtschaft liegt. Donald Trump hat sich aus Sicht der Wirtschaftselite als weniger schlimm entpuppt als befürchtet. Zwar hat er sich aus der Transpazifischen Partnerschaft (TPP) und aus dem Pariser Klimaabkommen zurückgezogen. Ausserdem will er das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) mit Kanada und Mexiko neu aushandeln.

Donald Trump ist in der Schweiz

Dafür hat er die US-Wirtschaft mit seinen Deregulierungen und vor allem mit der Steuerreform in Hochstimmung versetzt. Lloyd Blankfein, der CEO von Goldman Sachs, hat Trump im letzten Jahr wiederholt kritisiert. Nun erklärte er im Interview mit CNBC, es gebe in seiner Wirtschaftspolitik «sehr viel mehr Dinge, die ich mag, als ich nicht mag».

Globalisten im Aufwind

Allgemein wird erwartet, dass Trump am WEF seine «America First»-Rhetorik abschwächen wird. Anlass für Zuversicht ist die Tatsache, dass die Nationalisten im Trump-Team gegenüber den Globalisten geschwächt wurden, seit ihr Wortführer Steve Bannon erst das Weisse Haus verlassen musste und dann vollends in Ungnade gefallen ist.

Wirtschaftsberater Gary Cohn, ein Globalist, gab am Dienstag vor Reportern einen Vorgeschmack auf Trumps Rede vom Freitag: «America First bedeutet nicht Amerika allein. Wenn wir wachsen, wächst die Welt. Wenn die Welt wächst, wachsen wir.» Der Präsident werde als Verkäufer nach Davos reisen «und der Welt mitteilen, dass Amerika offen ist für Business», sagte Cohn.

Ähnlich äusserte sich Anthony Scaramucci, der im letzten Sommer eine kurze und turbulente Amtszeit als Kommunikationsdirektor im Weissen Haus absolvierte. «Er will den Mythos zerstören, dass er nur ein America-First-Präsident ist», sagte der Finanzinvestor, der Trump nach wie vor berät, der Agentur Bloomberg. In Wirklichkeit sei Trump «ein Globalist», so Scaramucci.

Das Unbehagen von Bill Gates

Letztes Jahr war Anthony Scaramucci der einzige US-Vertreter aus dem Trump-Umfeld in Davos. Er zeichnete damals ein äusserst schmeichelhaftes Bild des gerade vereidigten Präsidenten, das vor der Realität nicht standhielt. Seine Worte sollte man mit Vorsicht geniessen. Tatsächlich gibt es auch kritische Stimmen. Microsoft-Mitgründer Bill Gates äusserte in Davos sein Unbehagen über Trumps Aussenpolitik, die einzig auf «Hard Power» setze: «Es wäre übel, wenn das so weiter geht.»

Video: srf

Aus der beachtlichen US-Delegation, die bereits vor Trumps Ankunft in Davos weilte, gibt es widersprüchliche Signale. So sorgte das Plädoyer von Finanzminister Steve Mnuchin für einen schwachen Dollar für beträchtliche Irritationen. Kommentatoren interpretierten dies als Druckversuch auf den Rest der Welt, den amerikanischen Protektionismus zu akzeptieren.

Handelsminister Wilbur Ross verteidigte jedenfalls am Mittwoch die am Montag verhängten Strafzölle auf Waschmaschinen und Solarmodule und kündigte weitere Schutzmassnahmen an, etwa für die Stahlindustrie. Am Donnerstag bezeichnete Ross die USA hingegen als «das am wenigsten protektionistische Land». Die USA seien immer offen für Business, so Ross.

Diese Botschaft dürfte im Zentrum von Donald Trumps Davos-Aufenthalt stehen, etwa beim Dinner mit europäischen Wirtschaftsführern am Donnerstagabend. Ohne «America First» aber wird es nicht gehen. Dies sei auch im Interesse des Auslands, weil es zu höheren Löhnen führe, sagte Anthony Scaramucci zu Bloomberg: «Es ist gut für die Welt, wenn Amerikas arbeitende Familien mehr Geld in den Taschen haben.»

WEF 2018

Dieses Foto brachte NZZ-Journalisten in die Zelle ++ Macron spricht über Zukunft Europas 

«Die amerikanische Demokratie wird weitere sieben Jahre Trump nicht überleben»

Sein Finanzminister gibt Vorgeschmack auf Trump: «Werden in Wirtschaftsschlacht ziehen»

Festgenommener Journalist am WEF: «Ich musste alle Kleider ausziehen»

7 Gründe, weshalb Donald Trump sowieso nach Davos kommen sollte

Auch Merkel kommt ans WEF nach Davos – trifft dort aber nicht auf Trump

Biel schafft starke Wende gegen Lugano

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

9
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • elco 25.01.2018 20:23
    Highlight DIE Amerikaner gibt es nicht.
    11 5 Melden
  • roger.schmid 25.01.2018 19:16
    Highlight Oho, wenn der CEO von Goldman Sachs (Betrügerbande) die Wirtschaftspolitik von Trump lobt muss die ja gut sein... NOT!

    Der nächste grosse Crash ist vorprogrammiert.. und die ganzen ach so tollen Deregulierungen werden dabei helfen.
    30 11 Melden
  • PeterGotBirthday 25.01.2018 18:51
    Highlight Ich habe eine Frage die nicht direkt um den Artikel geht.

    Wie ist das mit den Ami Helikopter die Ihn zum WEF fliegen. Können die am Stück USA - CH fliegen oder müssen die 2,3 mal zwischenlanden und Tanken?
    5 20 Melden
    • scheppersepp 25.01.2018 21:34
      Highlight Die werden eingeflogen von einer C5 Galaxy. Die fliegen je Strecke USA-CH nicht selbst.
      8 0 Melden
    • Baba 25.01.2018 21:34
      Highlight Die Helis fliegen nicjt selbst ein, die werden jeweils mit Transportmaschinen verschoben. In den letzten 10 Tagen sind in Dübendorf verschiedene US Transportmaschinen (auch eine Galaxy) gelandet und haben tonnenweise Material gebracht. U.a. zwei Hubschrauber, die als "Marine One" dienen können, diverse "Black Hawks" und (da bin ich aber nicht ganz sicher), "The Beast", die gepanzerte Präsidentenlimousine.
      3 0 Melden
    • tsyga 25.01.2018 21:36
      Highlight Ich denke die kommen von Stützpunkten in Deutschland, oder irre ich mich da?
      3 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen

Diese Frauen haben etwas zu sagen – und der SVP wird dies nicht gefallen

Die Selbstbestimmungsinitiative der SVP mobilisiert die Zivilgesellschaft. Ein Aspekt fällt besonders auf: Der Kampf gegen die Initiative wird zu einem grossen Teil von Frauen geführt.

Frauen in der Politik – ein kompliziertes Thema. Das weibliche Geschlecht ist in den politischen Gremien nach wie vor schwach vertreten. Das zeigt etwa die Debatte um die beiden frei werdenden Bundesratssitze. Und Besserung scheint vorerst kaum in Sicht. Bei den nationalen Wahlen in einem Jahr droht den Frauen sogar ein Rückschritt um Jahrzehnte.

Einen Bereich aber gibt es, in dem die Frauen tendenziell in der Überzahl sind: Die Organisationen der Zivilgesellschaft, oder kurz NGOs. An …

Artikel lesen