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Schweizer im 1MDB-Prozess weist Vorwürfe

Das Bundesstrafgericht in Bellinzona, am Donnerstag, 14. Juni 2018. Das Bundesstrafgericht hat gegen die 13 angeklagten Personen im Tamil-Tigers-Prozess bedingte Freiheitsstrafen und Freisprueche ausg ...
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Von Königen, Staatsfonds und Ölfirmen – Schweizer im 1MDB-Prozess weist Vorwürfe zurück

09.04.2024, 14:05
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1MDB steht für einen riesigen Korruptions-, Bestechungs- und Geldwäsche-Skandal, bei dem Vermögenswerte aus dem malaysische Staatsfonds 1Malaysia Development Berhad (1MDB) systematisch unterschlagen wurden. Jetzt geht der Skandal in der Schweiz in die nächste Runde.

Das Bundesstrafgericht in Bellinzona hat am Dienstag mit der Befragung eines von zwei Angeklagten, ein schweizerisch-britischer Finanzier, begonnen. Die beiden Angeklagten müssen sich wegen gewerbsmässigen Betrugs, ungetreuer Geschäftsbesorgung und qualifizierter Geldwäscherei verantworten.

Sie sollen Gelder über mindestens 1.8 Milliarden US-Dollar vom malaysischen Staatsfonds infolge eines Joint-Ventures mit dem Ölkonzern Petrosaudi bezahlt und später in ein islamisches Darlehen umgewandelt worden sein. So formuliert es die Bundesstaatsanwaltschaft.

Der Betrug soll zwischen 2009 bis mindestens 2015 stattgefunden haben.

Im Zentrum: Ölkonzern Petrosaudi

Die tatsächlichen oder fiktiven Aktivitäten des Ölkonzerns Petrosaudi standen heute im Mittelpunkt der Befragung. Beim Befragten handelt es sich um die rechte Hand des Hauptangeklagten, des Chefs von Petrosaudi.

Der Angeklagte, der im Herbst 2009 bei Petrosaudi eingetreten war, betonte die Verbindungen zwischen dem Unternehmen und der Herrscherfamilie in Saudi-Arabien. So sei das Kapital zu 50 Prozent zwischen Prinz Turki, einem der Söhne von König Abdullah, und dem zweiten Angeklagten, einem schweizerischen und saudischen Staatsangehörigen, gehalten worden. Letzterer soll auch sehr gut mit der königlichen Familie bekannt gewesen sein.

Auf die Frage nach den Aktivitäten von Petrosaudi erklärte der Geschäftsmann, dass diese Firma von dem Unternehmen, in dem er zuvor gearbeitet hatte, als sehr zuverlässiger Partner angesehen worden sei. Beide Unternehmen hätten Investitionsmöglichkeiten für die Kohlenwasserstoffförderung in Lateinamerika und Asien geprüft, sagte der Angeklagte.

Petrosaudi war zwar in Privatbesitz, hatte aber aufgrund der Nähe zum Staat Saudi-Arabien Zugang zu wichtigen Akteuren der Branche. Der Mann gilt als rechte Hand des Hauptangeklagten, des Chefs von Petrosaudi. Die beiden Männer sollen laut der Bundesanwaltschaft (BA) 1,8 Milliarden US-Dollar zum Nachteil des malaysischen Fonds 1MDB veruntreut haben.

Kaum tatsächliche Aktivitäten

Mit diesen Aussagen versuchte der Angeklagte, die These der Bundesanwaltschaft zu widerlegen. Für diese hatte Petrosaudi vor dem Abschluss des Joint Ventures, das zur mutmasslichen Veruntreuung führte, keine nennenswerten Aktivitäten.

Vom Deliktsbetrag in der Höhe von 1,8 Milliarden Dollar soll der Chef von Petrosaudi persönlich 570 Millionen und sein Stellvertreter 37 Millionen erhalten haben. Der Rest soll anderen Akteuren zugute gekommen sein. Die beiden Männer werden hauptsächlich wegen gewerbsmässigen Betrugs, ungetreuer Geschäftsbesorgung und schwerer Geldwäsche angeklagt.

Zuvor hatte das Gericht für Strafsachen die von der Verteidigung in der vergangenen Woche eingereichten Einwände abgewiesen. Die Anwälte kritisierten insbesondere die 213-seitige, mit Fussnoten gespickte Anklageschrift sowie die Auswertung von Daten, die ein ehemaliger Angestellter von Petrosaudi gestohlen hatte, durch die Bundesanwaltschaft. (sda)

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