Schweiz
International

Belgien will zusätzliche F-35-Kampfjets – aus europäischer Produktion

Vorbild für die Schweiz? Belgien will «möglichst europäische» F-35 kaufen

Belgien denkt europäisch beim Kampfjet F-35 – kommt jetzt Bewegung in die Schweizer Beschaffungsdebatte?
16.02.2026, 17:4116.02.2026, 17:41
Bojan Stula

Während die Schweiz ihre F-35-Beschaffung zuletzt wegen Mehrkosten nach unten korrigieren musste, geht Belgien einen bemerkenswert anderen Weg: Brüssel will zusätzliche Kampfjets kaufen – knüpft den Deal aber eng an industrielle Gegenleistungen in Europa. Ein Ansatz, der auch hierzulande Diskussionen auslösen dürfte.

epa12451248 F-35 Pilot Commander of the Belgian F-35 Squadron Tanguy 'Cortex' Five arrives in one of the first Lockheed Martin F-35A Lightning II fighter jets delivered to the Belgian Air an ...
F-35-Pilot Tanguy „Cortex“ Five, Kommandant der belgischen F-35-Staffel in einem der ersten Lockheed Martin F-35A Lightning II-Kampfflugzeuge.Bild: keystone

Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz bestätigte der belgische Verteidigungsminister Theo Francken, dass sein Land den Kauf von elf weiteren F-35A-Kampfjets prüft. Ein entsprechender Vertrag soll noch «dieses Jahr» unterzeichnet werden, wie das Fachportal «Breaking Defense» am Wochenende berichtete. Belgien hat bereits 34 Maschinen bestellt, elf davon wurden ausgeliefert.

Doch entscheidend ist weniger die Stückzahl als die politische Botschaft: «Wir wollen die F-35 so europäisch wie möglich machen», sagte Francken. Gemeint sind damit substanzielle industrielle Beteiligungen und Wertschöpfung in Europa. Die Endmontage zusätzlicher Jets soll etwa im italienischen Cameri erfolgen – dort, wo bereits italienische und niederländische F-35 gefertigt werden.

Industrielle Wertschöpfung vor Preisdebatte

Belgien verknüpft die Beschaffung explizit mit dem Ausbau der heimischen Industrie. Bereits im vergangenen Oktober schloss Brüssel eine Vereinbarung mit Triebwerkshersteller Pratt & Whitney: Das Unternehmen Safran Aero Boosters darf künftig Komponenten des F135-Triebwerks in Belgien fertigen. Auch der flämische Zulieferer BMT Aerospace wird eingebunden. Ziel ist ein innovatives Fertigungskonzept für zentrale Triebwerksteile.

epa12596229 Fighter jets in a Christmas tree formation fly over Copenhagen and the Oresund region in Denmark, 16 December 2025. Swedish Gripen fighter jets, as well as Danish F-16 and F-35 fighter jet ...
Teile des F-35-Jets dürfen künftig in Belgien hergestellt werden.Bild: keystone

Als Francken auf mögliche Preissteigerungen wie in der Schweiz angesprochen wurde, wich er der Kostenfrage aus – und lenkte den Fokus erneut auf die industrielle Rendite. Man habe ein «sehr gutes Treffen» mit Lockheed-Martin-Chef Jim Taiclet geführt, sagte er. Der politische Schwerpunkt liegt klar auf strategischer Wertschöpfung, nicht primär auf dem Stückpreis.

Für die Schweiz ist das ein heikler Kontrast. Bern hatte 36 F-35A bestellt, reduzierte die Beschaffung im Dezember jedoch faktisch, nachdem die USA eine geschätzte Mehrbelastung von rund 610 Millionen Dollar geltend gemacht hatten. Der Streit um Fixpreise und Vertragsauslegung beschädigte das Vertrauen und befeuerte die Kritik im Inland.

Zwar wurden auch der Schweiz bei der Typenwahl industrielle Beteiligungen in Aussicht gestellt. Doch die aktuelle Debatte dreht sich vor allem um Mehrkosten und vertragliche Risiken; weniger um die Frage, wie sich die Beschaffung strategisch in eine europäische Industriepolitik einbetten liesse.

Gerade vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen zwischen Europa und den USA – von der Arktis bis zur internationalen Sicherheitsordnung – gewinnt diese Perspektive an Gewicht. Trotz politischer Differenzen bleiben die europäischen F-35-Bestellungen zwar auf Kurs. Doch Länder wie Belgien versuchen sichtbar, ihre Abhängigkeit von den USA durch stärkere europäische Einbindung abzufedern.

Bundesrat Martin Pfister gibt ein Interview bei einem Besuch in der Halle fuer die Wartung der F/A-18 Flugzeuge, waehrend einem Rundgang auf dem Militaerflugplatz Payerne, am Donnerstag, 9. Oktober 20 ...
Bundesrat Martin Pfister bei einem Besuch in der Halle für die Wartung der F/A-18 Flugzeuge. Er informierte sich beim Rundgang über die Arbeiten für den F-35 und Investitionen in die Region.Bild: keystone

Die Schweiz im Dilemma

Für die Schweiz stellt sich damit eine grundsätzliche Frage: Soll sie sich auf eine möglichst günstige Beschaffung konzentrieren – oder stärker auf langfristige industrielle und sicherheitspolitische Verflechtung in Europa setzen?

Der belgische Weg zeigt, dass selbst bei einem US-Rüstungsgeschäft Spielraum für europäische Wertschöpfung bestehen könnte – sei es über Montage, Triebwerksproduktion oder Zulieferketten. Die F-35 bleibt zwar ein amerikanisches System. Doch die Frage, wie europäisch es werden kann – oder werden soll –, ist offen. Belgien liefert darauf eine selbstbewusste Antwort. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So sieht der F-35A aus
1 / 7
So sieht der F-35A aus
Der Entscheid ist gefallen: Der Bundesrat will den F-35A von Lockheed Martin.
quelle: keystone / peter klaunzer
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Schweizer Firma bricht Rolltreppen-Weltrekord in China
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
41 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Frank der Stein
16.02.2026 17:51registriert Juni 2022
Gar keinen Ami-Schrott kaufen ist die Lösung. Ist zu teuer, wird nicht geliefert, Vertragstreue ist den USA unbekannt.
347
Melden
Zum Kommentar
avatar
Andi Weibel
16.02.2026 19:29registriert März 2018
Es ist völlig egal, wo die Jets zusammengesetzt werden. Relevant ist einzig, dass beim F-35 die US-Regierung die Software und den Nachschub an Ersatzteilen kontrolliert.

Mit einem Kauf dieses Jets macht man sich auf Jahrzehnte hinaus von den USA abhängig. Es ist strategisch extrem kurzsichtig, auf diesen Jet zu setzen. Es wäre höchste Zeit, dass die Schweiz den Deal endlich abbricht und eine der günstigeren Alternativen auswählt.
216
Melden
Zum Kommentar
41
Russisches Staatsmedium wirbt für Annahme der Halbierungsinitiative
Am 1. Februar veröffentlichte die deutschsprachige Plattform des russischen Staatsmediums «RT DE» (ehemals «Russia Today») einen Artikel, der behauptet, dass der Schweizer öffentlich-rechtliche Rundfunk die Bevölkerung gezielt manipuliert.
Zur Story