Schweiz
Interview

Ein Schweizer Offizier über den Materialverlust der Armee

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Verschwinden Gewehre, gibt's Ärger.Bild: KEYSTONE
Interview

Schweizer Offizier: «Bei normalen Materialverlusten muss der betroffene Soldat tief in die Taschen greifen»

In einer Rekrutenschule in Aarau sind Sprengmittel verschwunden. Was bedeutet das für die betreffenden Rekruten? Sind unsere Militärlager sicher? Ein Gespräch mit dem Giardino-Sprecher. 
13.09.2016, 20:0214.09.2016, 06:58
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Herr Müller, in Aarau sind Sprengmittel verschwunden. Passiert so etwas oft?
Markus Müller:
Nein. Es kann immer wieder einmal passieren, dass eine Mütze oder ein Zeltheering verloren geht, aber sensitives Material wie zum Beispiel Sprengstoff, Waffen oder gar Panzer taucht in den meisten Fällen schnell wieder auf.

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Über die Person:
Markus Müller ist Sprecher der «Gruppe Giardino – für eine starke Schweizer Armee». In der Schweizer Armee ist er Generalstabsoffizier und Präsident Fricktalischen Offiziersgesellschaft.

Aber dass mal etwas wegkommt, kann schon sein?
Jeden Tag leisten in der Schweiz rund 5'000 Soldaten Ihren Dienst und fassen Material aus den Magazinen. Da kann es passieren, dass mal etwas vergessen oder verloren geht. Dann gilt «SBG SKA – suchen bis gefunden, sonst kein Ausgang». Schlimmer ist es, wenn heikle Ausrüstung, Waffen oder Munition verschwindet. Verliert jemand sensitives Material übernimmt die Militärpolizei das Zepter und die betroffene Kompanie wird grundsätzlich «auf den Kopf gestellt» bis der Gegenstand wieder zum Vorschein kommt.

Denen geht es also an den Kragen?
Ja. Bei normalen Materialverlusten muss der betroffene Soldat tief in die Taschen greifen und den Verlust aus dem eigenen Sack berappen. Er hat für sämtliches verschwundenes Material aufzukommen und allenfalls mit einer disziplinarischen Strafe zu rechnen.

Wenn aber zum Beispiel Material aus einem Lager verschwindet?
Wir haben bald nur noch vier Logistikzentren in der Schweiz, die Armeematerial lagern. Diese sind sehr gut bewacht und es kommt kaum etwas weg. Material geht meistens draussen in Schulen oder in Wiederholungskursen verloren, obschon bei der Herausgabe an die Truppe peinlichst genau darauf geachtet wird, dass alles bis auf die letzte Patrone korrekt verbucht wird und regelmässig Materialkontrollen durchgeführt werden.

Also ist unser Armeematerial grundsätzlich sicher?
Ja. Das gilt auch für die Munition. Das sieht man auch daran, dass meistens sofort bemerkt wird, wenn etwas fehlt. Dies ist der schon fast pingeligen Erfassung des Materials zu verdanken. Deshalb ist schnell klar, wenn etwas fehlt. Man kann also sofort eingrenzen, wann, von wem und wo etwas abhanden gekommen ist.

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Als Fels getarnt: Eine Kanone der alten Festung auf dem Gütsch oberhalb von Andermatt.
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35 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tepesch
13.09.2016 23:09registriert Oktober 2015
Bei uns in der RS "fehlten" mal 3 Bajonette. Nach dem die ganze Kaserne erfolglos durchsucht worden war stellte sich heraus, dass die Bajonette nie existiert hatten...
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clockwork
13.09.2016 22:52registriert Dezember 2014
Ja genau, "obschon bei der Herausgabe an die Truppe peinlichst genau darauf geachtet wird, dass alles bis auf die letzte Patrone korrekt verbucht wird"

Ich als Matchef bekomme anfans WK ein Palett voll mit Munition und gebe dieses am Ende leer oder auch nicht in Bern wieder ab.
Da zählt keiner peinlichst genau nach, ausser einmal bei der Munmag Inspektion. Für Schiessübungen wird X Mun ausgegeben und ich notiere dass Y zurück kommt. Was dazwischen damit passiert interessiert kein Schwein. Was Gott was die mit den Patronen alles machen...
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Ruffy
13.09.2016 20:57registriert Januar 2015
Am Ende der RS bei der Materialrückgabe im Zeughaus hatten wir 20, angeblich sauteure, Weisslichter zu VIEL, soviel zur pingeligen verbuchung bei der Herausgabe... Auch das Munitionsdiebstähle immer bemerkt werden ist ja wohl kompletter unsinn...
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